Internationale runde : Gelacht werden kann in jeder Sprache

Alle Frauen, egal ob aus Waabs, Syrien, Albanien, Serbien oder dem Kosovo, hatten beim gemeinsamen Auspacken viel Spaß miteinander.
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Alle Frauen, egal ob aus Waabs, Syrien, Albanien, Serbien oder dem Kosovo, hatten beim gemeinsamen Auspacken viel Spaß miteinander.

Ein offenes internationales Frauenfrühstück findet ab sorfort jeden Freitag im Café Bistro 1382 statt. Das gegenseitige Kennenlernen steht im Vordergrund.

shz.de von
10. Januar 2015, 08:04 Uhr

Selbst starke Sturmböen oder schwere Hagelschauer konnten die Frauen gestern Vormittag nicht davon abhalten, das zweite Treffen des offenen internationalen Frauenfrühstücks zu besuchen. Fünf Frauen aus der Gemeinde Waabs und sechs Aylbewerberinnen fanden sich im Café Bistro 1382 ein, um in lockerer Runde gemeinsam zu frühstücken und – über alle bestehenden Sprachschwierigkeiten hinweg – miteinander ins Gespräch zu kommen. „Unser Ziel ist es, uns gegenseitig kennenzulernen. Wir wollen verstehen, wo wir Hilfe leisten können, und die Flüchtlingsfrauen sehen auf diese Weise einmal etwas anderes als die Wohnung und erfahren etwas Abwechslung“, erklärt Ursula Fröhler. Die 70-Jährige ist eine der Initiatorinnen des Frauenfrühstücks, das ab jetzt jeden Freitag von 10 bis 12 Uhr im Café Bistro stattfinden soll.

Mariam (50) und Zakea (32) sind mit ihren Familien aus Syrien geflohen. Die 32-Jährige hat als Friseurin in ihrem Heimatland gearbeitet. Jede Woche lernt sie die deutsche Sprache im Volkshochschulkursus – einige Wörter beherrscht die junge Frau bereits. Auch Kadeja ist mit Ehemann und ihren drei Töchtern (9, 11, 12) aus Syrien geflohen. Stellvertretend nimmt sie ein Arabisch-Kurdisch-Deutsch-Sprachlexikon entgegen, das die Waabserinnen den Frauen schenken.

Bei dem Frauenfrühstück handelt es sich um eine offene Runde – eine wöchentliche Teilnahme ist keineswegs Pflicht, betont Uschi Fröhler. Zum ersten Mal sind Kirsten Beckmann (56) und Ille Prüß (66) dabei. Die 66-Jährige hat bereits Kleidung für Kadejas Töchter organisiert und will sehen, „wie ich irgendwie weiter helfen kann.“ Kirsten Beckmann ist von Beruf Sozialpädagogin. Neben der Unterstützung der Flüchtlingsfamilien ist es ihr wichtig, diese in den Alltag zu integrieren und zu zeigen, dass niemand aufgrund seiner Andersgläubigkeit ausgegrenzt werden dürfe. Für Gabi Kehrer ist es bereits das zweite Frauenfrühstück. Die 55-Jährige hat die Flüchtlingsfrauen mit ihrem Kleinbus aus Vogelsang-Grünholz abgeholt und hat sich bereit erklärt, in Zukunft den Fahrdienst zu übernehmen.

Christel Hartmann, Gemeindesekretärin der Kirchengemeinde, hat sich seit jeher für Migranten und Flüchtlinge engagiert. Die 64-Jährige war schon zu Zeiten des Balkankriegs in der Betreuung von Asylbewerbern aktiv und hat Flüchtlinge bei sich aufgenommen. Jetzt betreut sie gemeinsam mit Uschi Fröhler die Familie von Kadeja.

Bunt sieht die Frühstückstafel aus, an der die Frauen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen sitzen. Jede der Flüchtlingsfrauen trägt traumatische Erinnerungen an schreckliche Erlebnisse in sich, die an diesem Vormittag angesichts der fröhlichen Runde vielleicht für einen Moment etwas in den Hintergrund rücken.

Arianisa (27) ist aus Albanien geflüchtet. Zehra (45) stammt aus Serbien. Neben ihr sitzt Demiye . Sie ist aus dem Kosovo geflohen. Die 43-Jährige ist mit ihrer Familie seit vier Monaten in Deutschland. Drei Wochen dauerte ihr Aufenthalt in dem Lager in Neumünster, bevor sie nach Vogelsang-Grünholz kam. Sie hat vier Kinder, die in Waabs und Eckernförde die Schule besuchen. Stolz erzählt sie, dass ihr 18-jähriger Sohn sich im Sprachunterricht durch die Volkshochschule sehr bemüht, um in Eckernförde an der Berufsschule in der Fischerkoppel seinen Abschluss zu machen. Auch Demiye kann sich mittlerweile gut auf Deutsch verständigen.

Eine der Waabserinnen hat gut erhaltene Kleidung mitgebracht. Beim gemeinsamen Auspacken gibt es viel Gelächter. Alle Frauen stellen fest : Gelacht werden kann in jeder Sprache. Ein Moment der Nähe blitzt auf. Nächsten Freitag gibt es eine Fortsetzung.

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