zur Navigation springen

Geheimnisvolle Kunstwerke an Eckernförder Bauten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Verloren, vergessen, wiederentdeckt: Stationen der Eckernförder Stadtgeschichte

von
erstellt am 19.Aug.2015 | 12:09 Uhr

Eine Stadt, die mit Leben erfüllt ist, verändert sich Tag für Tag. Häuser aus alter Zeit, baufällig geworden und ohne technische Errungenschaften der Moderne, werden durch Neubauten ersetzt. Zum Kulturverständnis der Bürgerschaft gehört dabei, dass Elemente mit Denkmalcharakter, dass Werke aus Kunst und Kunsthandwerk erhalten werden - sie berichten von interessanten Zusammenhängen der Vergangenheit, sind Erinnerungsmal und Zeugnis einstigen Denkens. Eine Stadt, die viele zahlende Besucher an sich ziehen will, muss diese harmonische Verbindung von Alt und Neu beachten.

Ein negatives Beispiel war vor einigen Jahren das „Hotel Stadt Kiel“. Beim Abriss ging ein (angeblich für Prinz Heinrich und andere illustre Gäste gedachter) Raum mit wertvoller Schablonenmalerei rundum an den Wänden verloren. Ein positives Beispiel ist das 1894 errichtete Gebäude der ehemaligen Creditbank – dem heutigen Künstlerhaus in der Ottestraße 1 –, in dem kürzlich eine kunstvoll gerahmte Inschrift im Eingangsbereich freigelegt wurde: „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis.“ Als Verlust muss man die Bemalung der Eingangstür zur traditionsreichen Kneipe „Frau Clara“ bezeichnen – von Künstler Falko Windhaus gestaltet und in Verbindung mit dem bevorstehenden Abriss des Hauses über Nacht verschwunden.

Eckernförde besitzt zwei historisch bedeutsame Gebäude, die (mit großer Wahrscheinlichkeit) einst mit kunstvollen Reliefs geschmückt waren. Das eine, mit dem unübersehbaren Erbauungsjahr 1537, ist die „Ritterburg“. Alte Fotos zeigen hoch im Giebel eine in die Wand eingelassene Plastik, deren Inhalt allerdings nicht mehr erkennbar ist. Vielleicht erinnert sich ein Leser dieses Beitrages an das einstige Motiv.

Das zweite Beispiel ist das Haus Bergstraße 12, ein klassizistischer Bau, in dem Lorenz von Stein geboren wurde. Im Stadtmuseum gibt es ein kleines Gemälde aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das eine Schreibmappe ziert, die aus dem Hause Jungmann stammen soll. Eingerahmt von Gobelin-Muster erkennen wir das erwähnte Wohnhaus und einen Offizier, einen Stallburschen mit gesatteltem Pferd sowie zwei Frauengestalten. Es heißt, die Mappe sei ein Geschenk für Eduard Julius Jungmann gewesen, den Helden der Seeschlacht von 1849, der vorübergehend im Haus Bergstraße 12 einquartiert war. Die Darstellung der Haus-Fassade zeigt links und rechts Seitenrisaliten mit Blendbogen, die einmal ein gemaltes Bild oder eine Plastik aufgenommen haben. Das kleine Gemälde auf der Mappe deutet diese Bilder nur an, eine Architektur-Zeichnung von 1935 lässt die Wandflächen dann schon frei.

Das Haus Bergstraße 12 ist ein bedeutendes Denkmal in unserer Stadt. Verwaltung, Stadtrat und Bürger unserer Stadt sollten Schutz und Erhalt im Auge behalten.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen