Familienzusammenführung : Gegen alle Grundsätze der Menschlichkeit

Szene aus dem Film „Elpida“: Mohamad Il Hamo muss seine Familie in Griechenland zurücklassen.
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Szene aus dem Film „Elpida“: Mohamad Il Hamo muss seine Familie in Griechenland zurücklassen.

Der syrische Flüchtling Mohamad Il Hamo aus Eckernförde ist nach zwei Jahren mit seiner Familie wieder vereint. Ein Film zeigt das vorangegangene Leid der Betroffenen.

Arne_Peters-8499.jpg von
11. Dezember 2017, 06:07 Uhr

Eckernförde | „Hoffnung“ ist offensichtlich nicht für alle da. Das zeigte der Film „Elpida“ über den Eckernförder Taxifahrer Mohamad Il Hamo aus Syrien, der jetzt im Kommunalen Kino gezeigt wurde.

Mohamad Il Hamo lebt seit zwei Jahren in Eckernförde und wurde von dem „Medienprojekt Wuppertal“ nach Griechenland begleitet, wo er seine Frau und Kinder in dem größten Flüchtlingslager seit dem Zweiten Weltkrieg besucht hat. Den Menschen dort bleibt oft nur die Hoffnung (griech. „Elpida“) auf eine Weiterreise und ein neues Leben. Am Ende durfte er seine Frau und seine beiden Kinder nicht mitnehmen, musste ohne sie wieder abreisen.

Die Wichtigkeit der Familie spielt in dem Film ein wesentlich wichtigere Rolle als in Deutschland. Schon die Umstände der Unterbringung, unverständlich lange und quälende Bearbeitungszeiten, der Verlust von Papieren und vieles mehr erschwerten das Leben des Protagonisten, machten es aus seiner Sicht sogar sinnlos. „Ohne unsere Familien sind wir Körper ohne Seelen“, beklagt sich Mohamad Il Hamo im Film.

Zwei Jahre versuchten seine Frau, seine Tochter und sein Sohn ihm zu folgen. Zwei Jahre waren sie getrennt und nur durchs Smartphone miteinander verbunden. Die Zeit des Leidens ist nun vorbei: Seit zwei Wochen ist die Familie wieder zusammen und lebt in Deutschland.

Der Film zeigt deutlich, dass sich hinter dem kalten Wort „Familienzusammenführung“ mehr als nur Zahlen verbergen. Gerade der Todesbedrohung entkommen, empfindet Mohamad Il Hamo sich im Film als sterbenden Menschen. „Ich habe alles verloren und sterbe langsam. Manchmal wäre ich lieber tot.“ Bilder aus Flüchtlingslagern zeigen, dass diese Aufbewahrung von Menschen, teils jahrelang wegen langsam arbeitender Bürokratie gegen alle Grundsätze der Menschlichkeit und gegenseitigen Achtung verstößt.

„Ich liebe mein Land. Syrien ist schön“, sagt Mohamad in dem Film. „Ich würde gerne dort sein, wenn es denn möglich wäre.“ Ist es aber nicht, und deshalb war und ist ein Leben in Deutschland sein Traum. Vergessen wollte er die grausamen Erfahrungen des Bürgerkriegs. Er lebt im Film in der Hoffnung, seine Familie bald wieder zu sehen. „Mein Besuch in Griechenland war nach zwei Jahren der Trennung das schönste in meinem Leben. Wie ein Traum“, schwärmt er in bewegenden Bildern von etwas, das eigentlich selbstverständlich ist, aber in den üblichen von Zahlen dominierten Nachrichten nicht deutlich wird. Anstelle des militärischen Krieges werde durch das Leben in provisorischen, überfüllten Auffanglagern der Krieg gegen Menschen als psychologischer Krieg weiter geführt. Menschen, die gerade den Todesbedrohungen ihres Heimatlandes nach der lebensgefährlichen Flucht im Schlauchboot über das Mittelmeer und langen Fußmärschen durch Südeuropa entkommen sind, fühlen sich am vermeintlich sicheren Ort nicht erwünscht. Großer Wunsch der Beteiligten ist, dass die Familienzusammenführung mehr im menschlichen Rahmen statt durch überholte Gesetze aus der Vergangenheit ermöglicht wird. Auch eine Forderung an die neue Regierung.

Beklemmende Stille herrschte nach dem Film. Keine Fragen, stattdessen große Betroffenheit. Scham für das Handeln der Politik liegt in der Luft. Aber auch das Glück einer Familie, die hier in Sicherheit leben kann. Wie jede andere Familie auch. Nur dass ihre Mitglieder woanders geboren sind.

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