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Eckernförder Zeitung

17. August 2017 | 08:12 Uhr

Weltkriegsmunition : Gefahren am Badestrand

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der Ostsee versenkte und abgelegte Munition aus den zwei Weltkriegen sorgt noch heute noch für Gefahren. Uwe Wichert, Mitglied eines Expertenkreises zu der Problematik informierte über die Gefahren und die bisherigen Erkenntnisse.

Damp | Die beiden Weltkriege liegen schon Jahrzehnte zurück, die gefährlichen Hinterlassenschaften aus dieser Zeit in Nord-und Ostsee sind nach wie vor allgegenwärtig. Welche Mengen wurden versenkt, welches Gefährdungspotenzial liegt vor, wie sieht dazu die Langzeitprognose aus, mit diesen Fragen beschäftigt sich der 2008 gegründete Expertenkreis „Munition im Meer“, zu dem auch Uwe Wichert aus Damp gehört. Aus Anlass der brisanten Funde am Ostseestrand vor Waabs im Herbst letzten Jahres, informierte Wichert im Rahmen eines Vortrags über die Situation im Ostseegebiet vor Schwansen.

Gelten als Relikte aus dem beiden Weltkriegen zunächst rund 2758 nachgewiesene deutsche und dänische Minen am Eingang zum Großen und Kleinen Belt, sind 3896 britische Luftminen, die im gesamten Bereich der Kieler Bucht abgeworfen wurden, aufgrund ungenauer Positionen bedeutungsvoller. „Bis heute dürften im Gebiet noch 600 bis 800 Exemplare liegen“, so die Ausführungen des Experten. Der Zustand aktuell im letzten Jahr gefundener Exemplare sei recht gut, allerdings würden die Zündmechanismen aufgrund abgelaufener Batterien nicht mehr funktionieren.

Ankertauminen beider Weltkriege, die sich über die Jahre durch Korrosion von den Ankern gelöst hätten, ließen nur wenig Aussage über deren Verbleib zu. Schwierig ist die Nachforschung. Meldungen von geborgenen Minen müssen mit Informationen in Archiven und Luftbildern verglichen werden. Dabei decken sich örtliche Aussagen nicht immer mit offiziellen Angaben, auch wurde bei Kriegssende nicht immer dokumentiert, wo was genau und in welchem Umfang entsorgt wurde. Ebenfalls gibt es kaum Zahlen dazu, wieviel Munition durch Minenfischer nachdem Krieg aufgenommen wurden.

Aufgrund des Alters der Munition gehen Experten davon aus, dass von der Explosivität der Relikte inzwischen kaum mehr Gefahr drohe. Höchste Brisanz gehe allerdings von den Inhaltsstoffen aus, die aus den inzwischen stark korrodierten Gehäusen austritt. Auch wenn die Stoffe nicht schwimmfähig sind, finden diese immer wieder ihren Weg an Strände, wo es dann zu Kontakten mit Menschen kommen könne.

So kann der leicht entzündliche Phosphor mit Bernstein verwechselt werden, Schießbaumwolle, die mit hochgiftigen „Kaisergelb“ angereichert ist, zu Hautirritationen bis hin zu Lebervergiftungen führen. Neben diesen Stoffen taucht an den Stränden auch Stangenpulver aus Granaten auf. Zu wenig werde bei allen Funden der Grundsatz beherzigt: „Auf keinen Fall anfassen, Behörden informieren“, wie Wichert anhand von zahlreichen Beispielen deutlich machte. Und Wichert berichtete über mögliche Beseitigungen der Altlasten, wie die Detonation einer Mine, bei deren Sprengung der Fachmann anwesend war.

Noch Jahre werden sich die Fachleute mit der Thematik auseinandersetzen müssen, ist Wichert überzeugt. Dank internationaler Zusammenarbeit werden die Ergebnisse aber immer konkreter.

Betroffen war am Ende des Vortrags Damps Bürgermeister Horst Böttcher: „Dazu müssen wir unbedingt die Strandrettungswachen ausbilden“. Ein Munitionserkennungsblatt ist inzwischen bei den Gemeinden sowie Polizeidienstellen erhältlich, darauf befinden sich auch Hinweise zum Meldeverfahren, wenn mögliche Munitionsreste am Badestrand auftauchen.

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erstellt am 03.Mai.2014 | 06:00 Uhr

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