Simulation : Gefahr – auch bei wenig Alkohol

Manfred Stender (l.) testet verschieden Promille-Brillen. Jörg Fischer von der Verkehrswacht Rendsburg betreute die „Promille-Station“ und warnte selbst vor kleinen Mengen Alkohol im Straßenverkehr.
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Manfred Stender (l.) testet verschieden Promille-Brillen. Jörg Fischer von der Verkehrswacht Rendsburg betreute die „Promille-Station“ und warnte selbst vor kleinen Mengen Alkohol im Straßenverkehr.

Verkehrssicherheitstraining bei der Schachgemeinschaft Phönix Gettorf. Klein und Groß erkennen Gefahrensituationen .

shz.de von
14. November 2017, 06:42 Uhr

Gettorf | Beim Schachspielen ist neben dem logischen Denken auch vorausschauende Aufmerksamkeit gefragt. Schnelligkeit ist allerdings nur beim Blitzschach gefordert. Ansonsten kann man sich relativ viel Zeit lassen bei seinen Entscheidungen für den nächsten Zug. Kürzlich testeten die Kids vom Schachverein Phönix Gettorf ihre Aufmerksamkeit und ihre Reaktionsschnelligkeit am Fahrradsimulator im Gettorfer Schützenhaus. Maike Setter, Integrationslotsin der Schachgemeinschaft Phönix Gettorf, hatte unter dem Titel „Sicherheit durch Sichtbarkeit“ eingeladen.

Plötzlich taucht ein Hindernis auf. Wie lange braucht der Fahrer, um den Bremsvorgang einzuleiten? Der Computer lügt nicht. Die Kids hatten viel Spaß dabei und beließen es nicht bei einem einmaligen Test. Sie trainierten ihre Reaktionsschnelligkeit und verbesserten sich. Rüdiger Rohlf vom Auto-Club Europa (ACE) testete die Reaktionsfähigkeit der Kinder und gab ihnen Tipps.

Die Erwachsenen konnten derweil zu Fuß verschlungene Wege – zum Teil rückwärts – auf einem Teppich zurücklegen. Dabei trugen sie verschiedene Promille-Brillen. Die erste Brille simulierte 0,3 Promille, die stärkste 1,3 Promille Alkohol im Blut. Manfred Stender (67), Vorsitzender des Schachvereins Phönix fand mit 0,8 Promille noch seine Wege, stellte aber schon einen Unterschied zu 0,3 Promille fest. Mit 1,3 Promille fühlte er sich nicht mehr verkehrstauglich. „Die Reaktionsfähigkeit bei 1,3 Promille ist einfach eingeschränkt“, stellte er fest. Die „Promille-Station“ wurde von Jörg Fischer von der Verkehrswacht Rendsburg betreut. Er warnte vor Alkohol am Steuer, auch von kleinen Mengen. Die würden oft unterschätzt. „Der durchschnittliche Mann wiegt 80 Kilogramm. Bei einem halben Liter Bier sind das 0,36 Promille. Die durchschnittliche Frau wiegt 55 Kilogramm. Trinkt sie einen halben Liter Bier sind das 0,6 Promille, zwei Punkte in Flensburg, 500 Euro Bußgeld und ein Monat Fahrverbot, wenn sie erwischt wird.“ Wie schnell jemand an die 0,5 Promille-Grenze kommt, hänge vom Körpergewicht und vom Geschlecht ab, so der Verkehrsexperte. Männer vertrügen mehr als Frauen, selbst bei gleichem Körpergewicht, „weil Männer mehr Flüssigkeit im Körper haben“, so Fischers Erklärung.

Integrationslotsin Maike Setter war froh über das Interesse an der Veranstaltung. 25 Kinder und Erwachsene waren gekommen – Vereinsmitglieder, Eltern, Mitglieder des Seniorenbeirates und Gettorfer Bürger. Ein bisschen enttäuscht war sie, dass keine Flüchtlinge gekommen waren. Aber Setter will weitermachen, eine ähnliche Veranstaltung vielleicht an einem anderen Ort durchführen. Verkehrssicherheit ist ein Thema für alle.

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