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Imland-Klinik Eckernförde : Geburtshelfer: Raus aus der Grauzone

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Belegfrauenärzte und -hebammen der Imland-Geburtshilfe Eckernförde sehen sich zu Unrecht wegen angeblicher Risiko-Geburten öffentlich kritisiert. Sie nehmen Stellung.

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erstellt am 08.Apr.2017 | 06:07 Uhr

Eckernförde | Die Frauenärzte, Kinderärzte und Hebammen, die als Beleger an der Imland Klinik arbeiten oder gearbeitet haben, wehren sich gegen öffentliche Vorwürfe und Mutmaßungen, sie hätten bei der Begleitung von Geburten möglicherweise gegen geltendes Recht verstoßen. Insbesondere durch die Äußerungen aus dem von unserer Zeitung zitierten Qualitätsbericht der Imland-Klinik (EZ vom 6. April) fühlen sich die Geburtshelfer in eine Grauzone gerückt. Die Geburten hätten keinesfalls gegen Richtlinien für „Risiko-Geburten“ verstoßen, erklärten die Belegfrauenärzte.

Ob die aus dem Qualitätsbericht zitierte Zahl von 355 „Risiko-Geburten“ in Eckernförde im Jahr 2015 stimmt, sei schwer zu beurteilen. Grundsätzlich könne aus jeder normalen Geburt im Verlauf sehr schnell eine Risikogeburt werden kann. „Schon eine Wehenschwäche, die einen verlängerten Geburtsverlauf nach sich zieht und entsprechende unterstützende Maßnahmen erforderlich macht, eine vorher nicht absehbare Fehleinstellung des Köpfchens oder auch eine plötzliche Verschlechterung der kindlichen Herzfrequenz unter der Geburt erfordern schnelles und sachgerechtes Handeln der betreuenden Hebammen und Geburtshelfer“, teilten die früheren Belegärzte mit. „Wie gut, dass 2015 in der Imland-Klinik Eckernförde den Gebärenden besonders erfahrene Fachärzte im Bereich der Geburtshilfe und besonders erfahrene Hebammen zur Verfügung standen, wie gut dass unsere Pädiater, davon zwei spezialisierte Neonatologen, und unsere Anästhesisten 365 Tage rund um die Uhr bereit waren, wie gut, dass unsere ständig geschulten Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern der Entbundenen und Neugeborenen in jeder Lage helfen konnten.“

Schon immer seien im Vorfeld in Eckernförde nur Frauen zur Entbindung akzeptiert worden, „die den Richtlinien entsprechend die 36. Schwangerschaftswoche vollendet hatten und die keine Risiken erkennen ließen, die die vorhandenen Kompetenzen überstiegen hätten“. Nach den seinerzeit gültigen Richtlinien „erfüllte Eckernförde dank der Kombination aus Geburtshilfe und Kinderstation bis zu deren Schließung alle Kriterien für die hier durchgeführten Geburten. Niemand hat uns bis jetzt die Fähigkeit zu einer qualitativ hochwertigen und sicheren Geburtshilfe abgesprochen. Die Ergebnisse und der gute Ruf Eckernfördes sprachen für sich“, heißt es in der Stellungnahme der Frauenärzte. Wenn die rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen nun gegen eine Klinik wie Eckernförde sprächen, sei das sehr bedauerlich, „aber es ist nicht zu tolerieren, dass die gute bis dahin geleistete Arbeit im Dienste der Frauen und Kinder der Region nachträglich und ohne Substanz in Frage gestellt wird. Es wird dem Einsatz der Hebammen und Ärzte und der Intelligenz der werdenden Mütter nicht gerecht.“

Die Gespräche zum Erhalt einer guten geburtshilflichen und kinderärztlichen Versorgung in Eckernförde sind noch nicht abgeschlossen. „Alle Beteiligten wären für eine sachliche und aggressionslose Fortsetzung der Diskussion ohne Rufschädigung und Verunsicherung dankbar“.

Irritiert über den Verlauf der vergangenen Monate sind die Eckernförder Hebammen. „Eine der erfolgreichsten Geburts- und Kinderstationen im Land wird ohne mit der Wimper zu zucken zu Grabe getragen, und uns wird die Existenzgrundlage entzogen, ohne dass jemals klare Fakten öffentlich auf den Tisch gelegt wurden“, sagt Hebamme Anke Baß. „Zur Herstellung der Rechtssicherheit begrüßen wir das Vorprüfungsverfahren der Kieler Staatsanwälte ausdrücklich. Wir haben vollstes Vertrauen, dass die klare Ansage kommen wird: Die Beleghebammen und Belegärzte haben sich zu keinem Zeitpunkt strafbar gemacht.“ Bestätigt sehen sich die Hebammen durch die erste öffentliche juristische Stellungnahme. Der Rechtsexperte und FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki „hält in seiner Analyse eine Strafbarkeit wegen Bestechung und Bestechlichkeit für sehr unwahrscheinlich.“ Die Vorwürfe einer Straftat nach Paragraph 299a und b fänden in der bisherigen Praxis keine Grundlage, insbesondere liege darin „keine Unrechtsvereinbarung, wie bisher immer pauschal behauptet“. Vielmehr sei sie durch „das Motiv des Erhalts der Geburtshilfe aus Versorgungsgründen“ uneingeschränkt plausibel (s. Bericht unten). Der Vorwurf der „unrechtmäßigen Vorteilsannahme durch Zuführung von Patienten“ sei allein durch die Demo am 1. April widerlegt, so die Hebammen. Das Modell Eckernförde sei gewollt, die Schwangeren und Mütter sehen die Geburts- und Kinderstation als „Vorteil für sich und ihre Familien. Unser Konzept ist nicht strafbar, sondern Erfüllung der Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger!“

Seit dem Übergang der Belegstation in die Hauptabteilung gebe es eine neue Vereinbarung über Ausschlusskriterien, da die Leitung auf die Imland Klinik übergegangen ist. „Leider führt dies dazu, dass nun einige Schwangere nicht mehr in Eckernförde gebären dürfen. Wir erwarten einen deutlichen Rückgang der Geburtenzahlen“, so die Hebammen. Auch sei anzunehmen, dass die Hauptabteilung ohne Kinderstation teurer ist als die Belegabteilung mit Kinderstation.

„Wir Beleghebammen sind da und haben vor zu bleiben. In der bewährten 1:1-Betreuung arbeiten wir weiter und werden unsere Arbeit für die Schwangeren und Neugeborenen in bewährter Qualität fortsetzen. Wir sind für eine besonnene und dauerhafte Lösung zum Vorteil der Mütter und Kinder in unserer Region.“


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