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Geburten: Ministerium bittet Ärztekammer um weitere Prüfung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 13.Apr.2017 | 06:15 Uhr

Das Sozial- und Gesundheitsministerium will nicht abschließend beurteilen, ob es auf der Geburtsstation der Eckernförder Imland-Klinik in der Vergangenheit zu Richtlinienverstößen gekommen ist. Um herauszufinden, wie viele Risiko-Geburten es dort gegeben hat, wären weitere Prüfungen nötig, zu denen es nicht befugt ist. Das teilte das Ministerium gestern mit, nachdem es eine vor zwei Wochen geforderte Stellungnahme der Imland-Geschäftsführung ausgewertet hat. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein sei gebeten worden, die Prüfung weiterzuführen. Das Ministerium hatte die Klinik-Leitung aufgefordert sich zu äußern, nachdem bekannt geworden war, dass am Standort Eckernförde mit der Betreuung von Risiko-Geburten geworben worden sein soll. Als Krankenhaus der Versorgungsstufe 4 wären solche Entbindungen nicht erlaubt.

Der Mitteilung zufolge gehe das Ministerium davon aus, dass von den rund 1000 Geburten zwischen Januar 2016 und März 2017 offenbar knapp 160 „risikobehaftet gewesen sein könnten und grundsätzlich in geburtshilflichen Einrichtungen höherer Versorgungsstufe hätten entbunden werden sollen“. Ob es sich tatsächlich um Risiko-Geburten gehandelt habe, sei nur durch eine Prüfung der Patientinnendokumentation zu ermitteln. Dazu sei das Ministerium jedoch rechtlich nicht befugt, weil es auf die Dokumentation der seinerzeit dort tätigen niedergelassenen Belegfrauenärzte keinen Zugriff habe. Deshalb sei die Ärztekammer gebeten worden, die Prüfung weiterzuführen.

Aufgrund der vorliegenden Daten sei es nicht möglich, das Risiko abschließend zu bewerten. „Hinweise, dass es in der Imland-Klinik Eckernförde zu negativen Auswirkungen oder gar Schädigungen von Müttern und Neugeborenen gekommen ist, liegen dem Ministerium nicht vor“, heißt es. Die Planungsbehörde sehe zudem keine Konsequenzen vor, da das Belegsystem zum 1. April in eine Hauptabteilung mit festangestellten Ärzten umgewandelt wurde. „Die Beachtung der Qualitätssicherungsrichtlinie Früh- und Reifgeborene, der Mutterschaftsrichtlinie sowie der Leitlinien der entsprechenden Fachgesellschaften ist seitdem schriftlich angeordnet.“ Nach der Mutterschaftsrichtlinie gehören unter anderem Mehrlingsgeburten, pathologische Kindslagen sowie Unter- oder Überschreitungen des Geburtstermins zu besonderen Risiken. Solche Entbindungen sind nach der Qualitätssicherungsrichtlinie in Kliniken der Versorgungsstufe 4 nicht erlaubt.

Die für 2015 im Raum stehende Zahl von möglichen 355 Risiko-Geburten in Eckernförde konnte das Ministerium nicht bestätigen.

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