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geburtshilfe - neue argumente für entscheider : Geburt e.V. errechnet schwarze Null

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Verein hat eigene Berechnungen angestellt: Ab 800 Geburten pro Jahr lässt sich eine Geburtshilfe mit Kinderstation profitabel führen. Er warnt vor Abwanderung der Beleghebammen.

Eckernförde | Viele Zahlen, Fallpauschalen, Landesbasisfallwert und DRG-System – der Verein „Geburt e.V.“ hat am Dienstagabend im TÖZ eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Geburtshilfe und die Kinderstation an der Imland-Klinik Eckernförde vorgelegt und dabei die Frage gestellt: „Welchen Wirtschaftsfaktor hat eine Kinderstation für die Geburtshilfe?“ Die Antwort ergibt sich aus den Ausführungen und Berechnungen, die in erster Linie die gesundheitspolitische Sprecherin des Vereins und Gesundheitssystemanalytikerin Alexandra Bruns vorgetragen hat: Eine Kinderstation ist Grundvoraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb einer Geburtshilfe, die bei 800 Geburten pro Jahr kostendekend zu führen wäre („schwarze Null“).

Unter den Gästen waren Ratsmitglieder von CDU und SSW sowie fünf Kreistagsabgeordnete von CDU, SPD, Grünen und FDP. Sie hörten sehr aufmerksam zu, was Alexandra Bruns und die Vereinsvorsitzende Berit Eigenbrod aus Kiel mit Hilfe der Bundeselterninitiative Mother Hood e. V. an Daten, Informationen und Berechnungen vorlegten. Vorweg: Die Kalkulationsbedingungen zur Berechnung der Fallpauschalen nach dem DRG-System (Diagnostic Related Groups), in denen streng zwischen Hauptabteilung und Belegabteilung unterschieden wird, seien für die belegärztlich geführte Geburtshilfe ohne Kinderstation „stark nachteilig“, sagte Bruns. Es gebe bei der Vergütung nach Fallpauschalen eklatante finanzielle Unterschiede zwischen einer Geburtsabteilung ohne oder mit angeschlossener Kinderklinik. Für Geburt e.V. ein starkes Argument für die Wiedereröffnung der im November 2016 geschlossenen Kinderstation in Eckernförde.

Hinzu kommt nach Auskunft von Geburt e.V. ein weiteres Kardinalproblem: „Die Aufnahmekriterien haben sich seit der Schließung drastisch verschärft“, heißt es in der Untersuchung. Das habe die Geschäftsführung nach dem neuen Antikorruptionsgesetz per Dienstanweisung verfügt. So dürften in Eckernförde keine Frauen über 40 Jahre mehr entbinden, weil sie als Risikoschwangerschaften gelten. Laut Imland-Geschäftsführung sei die Zahl der Geburten seit Schließung der Kinderstation um 24 Prozent zurückgegangen, ein Erlösverlust von rund 400  000 Euro, hat der Verein berechnet. Berechnungsgrundlage: Der Erlös für 100 Geburten beläuft sich auf rund 200  000 Euro. Sinkt die Zahl beispielsweise von 800 auf 600 beträgt der Verlust 400  000 Euro. Zudem sei zu erwarten, dass sich werdende Eltern bewusst gegen Eckernförde ohne Kinderstation entscheiden. Falls dann auch noch einige der 13 Beleghebammen wegen der seit sechs Monaten ungeklärten Vertragslage – die Klinik hatte die Zahlung der Pauschale für hebammenferne Dienstleistungen von 150 Euro pro Geburt eingestellt –, abspringen und „ihre“ Mütter mit in andere Kliniken im Umland nehmen, wäre mit einer dauerhaften Fallzahlenreduzierung zu rechnen. „Hebammen sind auf dem Markt nicht zu kriegen, wir dürfen keine einzige Hebamme ziehen lassen!“, warnte Bruns vor unabsehbaren Folgen im Falle erfolgreicher Abwerbungen durch andere Geburtskliniken.

Die Kinderstation könne – im Gegensatz zur Geburtshilfe – nur als Hauptabteilung mit Chefarzt geführt werden, alles andere wäre wirtschaftlich nicht darstellbar. 4,8 Stellen wären notwendig, die Personalkosten lägen bei 450  000 Euro, zuzüglich aller weiteren Kosten wäre mit 700  000 Euro zu rechnen. Dem würden Erlöse in Höhe von 375  000 bis 450  000 Euro gegenüberstehen. Das Defizit von 250  000 Euro ließe sich durch eine Steigerung des Bekanntheitsgrades und Kooperationen innerhalb der Klinik noch weiter reduzieren, ist Bruns sicher.

Die Gynäkologie und Geburtshilfe wäre ab 800 Geburten pro Jahr nach den Berechnungen von Geburt e.V. kostendeckend als Belegabteilung zu führen. Fazit: „Die Geburtshilfe mit Kinderstation kann verlustfrei bis profitabel geführt werden. Die Fallzahl darf 800 Geburten nicht unterschreiten. Eine Geburtshilfe ohne Kinderstation hingegen wird immer Verluste schreiben.“

> Das Gutachten ist auf der Homepage des Vereins „Geburt e.V.“ abrufbar. Die Entscheidungsträger aus dem Kreistag bekommen dies persönlich zugestellt.

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erstellt am 15.Jun.2017 | 05:59 Uhr

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