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Dauerstreit um Gaspreis : „Gaspreis-Rebell“ holt sich die Energie jetzt woanders

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der grüne Ratsherr Edgar Meyn hat jetzt die Dauer-Fehde mit den Stadtwerken Eckernförde nach BGH-Urteil zur Gaspreisfestsetzung beendet. Er hat gekündigt und bezieht sein Gas jetzt aus dem Rhein-Main-Gebiet.

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erstellt am 05.Feb.2016 | 06:26 Uhr

Eckernförde | „Energiepolitik ist Sozialpolitik“, sagt Edgar Meyn. Der 59-jährige pensionierte U-Boot-Ausbilder und Eigenheimbesitzer im Püschenwinkel ist einer der Eckernförder „Gaspreis-Rebellen“, die seit über zehn Jahren gegen die ihrer Meinung nach überhöhten Gaspreise ankämpfen und am Dienstagabend in der SAT 1-Sendung „Akte 20.16“ zu Wort kamen.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Ratsversammlung und Vorsitzende des Umweltausschusses moniert, dass die Stadtwerke Eckernförde ihre Preise für die Verbraucher nicht transparent und nachvollziehbar genug kalkulieren und dass keine Strategie erkennbar ist, wie der kleine örtliche Versorger mittel- und langfristig auf dem hart umkämpften Gas- und Strommarkt agieren und bestehen will. Meyn nennt eine Kooperation mit anderen Stadtwerken in der Region als vielversprechenden Weg, um die Zukunft des Energieversorgers zu sichern, andere Stadtwerke machten dies längst erfolgreich vor. „In Eckernförde hat man das bis heute vernachlässigt, die Stadtwerke sind zu klein“, kritisiert der grüne Ratsherr, der vor über zehn Jahren über sein Engagement gegen den Teilverkauf der Stadtwerke den Weg in die Kommunalpolitik gefunden hat. Dadurch seien Marktchancen und günstigere Konditionen für die Kunden verpasst worden.

Meyn, der pikanterweise in seiner Funktion als Kommunalpolitiker seit 2013 auch als stellvertretendes Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke Eckernförde sitzt, dies aber innerlich seiner Aktivitäten als Verbraucher zu trennen versucht, hat sich dem Bund der Energieverbraucher angeschlossen. Dieser kritisiert, dass die EU-Richtlinie zur transparenten Preisgestaltung von vielen Energieversorgern weitgehend ignoriert werde. Meyn zog daraus frühzeitig die Konsequenzen: 2005 fror er kurzerhand den Arbeitspreis für Gas bei 3,64 Cent pro Kilowattstunde (kWh) ein, nennt es in seiner akribischen Aufstellung „angemessener Preis“ und ignorierte fortan die Preisanhebungen. Damals lag der Arbeitspreis der Stadtwerke noch in gleicher Höhe „seines“ Preises, am 1. Oktober 2005 gab’s eine Erhöhung auf 4,14 Cent, am 1. Januar 2006 auf 4,60 Cent, am 1. Januar 2007 auf 4,84 Cent und so weiter – Tendenz steigend, trotz dreier Preissenkungen am 1. Juli 2007, 1. Juni 2009 und 1. Januar 2010. Auch Meyn passte seinen „angemessenen Preis einmal an – am 1. Januar 2011 auf 4,00 Cent pro kWh. Seitdem geht es hin und her mit Erklärungen, Rechtfertigungen und Fristsetzungen.

Meyn beruft sich auf das EU-Recht zur transparenten Preisgestaltung, das zuletzt der Europäische Gerichtshof 2014 bestätigte. Der Bundesgerichtshof wiederum sah dies anders und urteilte im Oktober 2015 im Sinne der Energieversorger. Folge: Die Stadtwerke schickten Meyn einen Mahnbescheid mit der Rückforderung von 1400 Euro inklusive Zinsen für die einbehaltene Gaspreisdifferenz, der Rest war verjährt. Die Ersparnis des Gaspreis-Rebellen Edgar Meyn in Höhe von 2729 Euro war um die Hälfte geschrumpft. Der Bund der Energieverbraucher hat inzwischen Verfassungsbeschwerde eingelegt, die Entscheidung steht noch aus.

Darauf will Meyn nicht mehr warten – er hat seine persönlichen Konsequenzen gezogen und seinen Vertrag mit den Stadtwerken Eckernförde gekündigt. Da es ihm, wie er sagt, bei seinem Protest nie ums Geld, sondern immer um Transparenz und Verbraucherschutz ging, hat er sich über die Vergleichsportale auch keinen Ableger eines Großkonzerns mit Sofortbonus und Wechselprämie ausgesucht, sondern wieder ein Stadtwerk. Das kommt zwar aus dem Rhein-Main-Gebiet, liefert ihm aber Gas für 4,25 statt 6,08 Cent im Grundtarif wie in Eckernförde. Meyn bedauert diese Entwicklung, sieht sich aber als Verbraucher in der Pflicht, für Transparenz, kundenfreundliche Preise und ein strategisch gut aufgestelltes, kostenbewusstes Management einzutreten. Er würde sich freuen, wenn sich die Stadtwerke Eckernförde noch stärker in diese Richtung weiterentwickeln würden.

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