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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 21:02 Uhr

Ganzjahresbewohner und kühler Kopf

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 29.Jul.2017 | 06:05 Uhr

Problem erkannt, Problem gebannt? Soweit ist es noch nicht. Aber zumindest gibt es so etwas wie ein Problembewusstsein, das ist doch schon mal was. Jahrzehntelang haben Eckernförder Vermieter Urlauber in ihren Ferienwohnungen einquartiert und damit auch den Tourismus gefördert. Das war und ist zu begrüßen. Nur: Die Zeiten haben sich geändert, FeWos sind vielfach zum reinen Anlageobjekten geworden. Wogegen prinzipiell auch überhaupt nichts zu sagen ist, es sei jedem gegönnt, der über eine solche Einahmequelle verfügt. Auf der anderen Seite muss die Stadt aber aufpassen, dass der Ferienwohnungsbau nicht Überhand nimmt und den Mietwohnungsbau allmählich aus attraktiven Lagen verdrängt. Erste Tendenzen sind erkennbar. Wenn der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt in Eckernförde durch Wohnraumentzug für Mieter zusätzlich belastet wird, wird sich das langfristig negativ auf die Stadtentwicklung und das soziale Klima auswirken. Politik und Verwaltung müssen hier auf gesetzlicher Grundlage eine Regulatorik entwickeln, die eine für den Tourismus wichtige, maßvolle FeWo-Entwicklung ermöglicht, ohne dem Dauerwohnen nachhaltigen Schaden zuzufügen. Nicht einfach, aber notwendig.

Niemand möchte in der Saison überbuchte und im Winterhalbjahr verwaiste Ferienwohnungen. Offenkundig saisonal leerstehender Wohnraum ist sozialer Sprengstoff, wenn Menschen gleichzeitig händeringend und meist vergeblich städtischen Wohnraum suchen, um in Eckernförde sesshaft und über die Jahre auch heimisch zu werden. Eckernförde braucht neben den zwei Millionen Tages- und 80  000 Übernachtungsgästen auch und vor allem viele Ganzjahresbewohner mit Erstwohnsitz.

Trotz politischer Sommerpause sind jetzt einige Themen hochgeploppt, die mitentscheidend für die Stadtentwicklung und das Miteinander von Entscheidungsträgern und Bürgern sind. Impulsgeber ist die Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“, die die Exer-Nutzung, die dort geplante Hotelansiedlung, die touristische Entwicklung Eckernförde und die Teilhabe der Bürger an den Entscheidungsprozessen zum Thema gemacht und auch gleich ihre Vorstellungen mitgeliefert haben. Wen wundert’s: kein Hotel auf dem Exer, weniger Ferienwohnungen und stärkere Einbindung des Bürgers als Souverän in die Informations- und Entscheidungsprozesse. Nichts ungebührliches, aber auch nichts weltbewegend Neues.

Nun ist der Ball bei der Politik, und die hat auch schon prompt reagiert, trotz Sommerpause, und in teilweise längeren Abhandlungen Position bezogen. Die Bürger können von so viel Kommunikation und Aufklärung nur profitieren. Das Themenspektrum ist enorm, und die Kommunikationsbereitschaft der Parteien dürfte bis zur Kommunalwahl am 6. Mai 2018 noch weiter zunehmen. Da heißt es, kühlen Kopf zu bewahren, Prioritäten zu setzen, das Geld und die Sinnhaftigkeit im Blick und die Übersicht zu behalten.

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