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Eckernförder Zeitung

23. November 2017 | 08:46 Uhr

Deponie : Gammelby will „Nulllösung“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

90 Bürger bei Einwohnerversammlung zur Gammelbyer Deponie-Erweiterung / Resolution fordert Aufnahme Deponie als Altlaststandort.

von
erstellt am 15.Nov.2017 | 06:58 Uhr

Gammelby | In der Gemeinde Gammelby ist man sich einig. Eine Wiederaufnahme des Betriebs und eine Erweiterung der Bauschuttdeponie Klasse I in Eichthal durch die Unternehmensgruppe Glindemann möchte man ebenso wenig, wie die Ausweisung eines alternativen Standortes für eine derartige Anlage in der Gemeinde, beispielsweise an der B 76 gelegen. „Wir wollen eine Nulllösung“ heißt es in einer Resolution, die zum Abschluss einer Einwohnerversammlung einstimmig angenommen wurde. Zugleich heißt es in der Resolution, die Tarik Stolz beantragt hatte, dass das „Land aufgefordert wird, die Altdeponie Eichthal in die Altlastenkartei aufzunehmen und entsprechend zu sanieren und abzuwickeln“.

Rund 90 Bürger waren zur Einwohnerversammlung ins Hotel Gammelby gekommen, um zwar viel und lange (bis 23.20 Uhr) etwas zu hören, aber in der Sache nur relativ wenig Neues, wie Bauamtsleiter Norbert Jordan und Dr. Jürgen Punke, Rechtsbeistand der Gemeinde in der Deponiefrage von Take Maracke & Partner Kiel, berichteten.

Nach wie vor liegt der Genehmigungsbehörde, dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) kein Antrag auf Planfeststellung zur Einrichtung einer Bauschuttdeponie Klasse I für 461 000 Kubikmeter in Gammelby vor, eröffnete Bürgermeisterin Marlies Thoms-Pfeffer den Abend. Zugleich liegen auch keine Ergebnisse aus der Umweltverträglichkeitsprüfung wie auch zu den im Scopingverfahren durch die Gemeinde eingebrachten Aspekte vor. Allerdings hatte das Unternehmen sich Anfang 2017 an die Gemeinde gewendet und die mögliche Prüfung eines Alternativstandortes (eine Fläche an der B 76) ins Spiel gebracht. Die grundsätzliche Möglichkeit, eine alternative Fläche in der Gemeinde prüfen zu lassen, hatte die Gemeindevertretung am 22. Juni bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung beschlossen. In Kosel war eine solche Anfrage abgelehnt worden. Die Fläche grenzt unmittelbar an Kosel.

Dies kritisierte Rolf-Dieter Hergel für die Bürgerinitiative (BI) „Depo-Nie“. So befürchtet die Initiative, dass dies eine Einladung an Glindemann sei, ihr Vorhaben, wenn schon nicht am alten Standort, dann an einem neuen zu realisieren. Anke Häußler (Bürgerinitiative) sprach von einer „Verknüpfung“. Norbert Jordan stellte fest, dass davon keine Rede sein könne. Das Verfahren um den Altstandort sei ein gänzlich anderes, als das für einen möglichen alternativen Standort. Indirektes Ziel einer möglichen Verlagerung der Deponie könne sein, dass der Vorhabenträger die alte Anlage nachhaltig und abschließend abwickelt und rekultiviert. Zugleich könnte dem Wunsch nach einer abfallwirtschaftlichen Betriebsfläche und Bauschuttdeponie Klasse I an dem alternativen Standort, zwingend eingebunden in ein eigenes Planfeststellungsverfahren, entsprochen werden. Bei einem solchen Verfahren hätte die Gemeinde entsprechende Regulierungsmöglichkeiten. Ein Alternativstandort ist aber derzeit nur Fiktion und könne nicht weiter betrachtet werden.

Aus Sicht von Fachanwalt Dr. Punke sei es zumindest nicht schlecht zu bewerten, dass bislang kein Antrag auf Planfeststellung für Eichthal eingegangen sei. Dies könne daran liegen, dass in der Stellungnahme der Gemeinde umfassende Nachforderungen nach Gutachten und Fakten verlangt werden, die den Aufwand für den Vorhabenträger erhöhen könnten, mutmaßte Dr. Punke. Punke: „Kein Antrag jetzt: Mehr war zu diesem frühen Verfahrensschritt nicht zu erreichen“. Sollte es zum Planfeststellungsverfahren kommen, hätte die Gemeinde viel Material beisammen „sie ist gut aufgestellt.“

Darunter auch Material, das Dipl.-Ing. Heinz Bogon, ein Sachverständiger für Altlastenuntersuchungen und -sanierung, den die Gemeinde seit gut einem Jahr einsetzt, ermittelte und aufbereitete. In seinem Vortrag berichtete er von einer Begehung der alten Deponie, die unter anderem „ein Asbestproblem“ durch gebundenden Asbestzement hat, so Bogon. So lange die Anlage nicht befahren und Material bewegt werde (Staubentstehung), gehe er nicht von einer Gesundheitsgefährdung aus. Für den Fall, dass auf der alten Deponie aber eine neue Bauschuttdeponie eingerichtet werden sollte, sei eine Altlastenerkundung zur Gefahrenermittlung aus seiner Erfahrung unbedingt zu fordern. Die müsse auch auf der Grundlage erfolgen, dass die Nutzung der Deponiefläche über die Jahre mehrmals angepasst (geändert) wurde. Zudem vermutet Bogon, dass der Deponiekörper noch weitere, aus heutiger Sicht nicht zulässige Inhaltsstoffe, aufweist. Seine Hinweise flossen ein in die 30-seitige Stellungnahme der Gemeinde zum Scopingverfahren, die nicht nur das LLUR erhielt, sondern auch zur Kenntnis an weitere Fachabteilungen des Kreises gingen, wie Punkte mitteilte.

Auf die Möglichkeit, dass in eine Gammelbyer Bauschuttdeponie Klasse I auch Rückbaumaterial aus Atomkraftwerken eingebracht werden könnte, darauf wies Alexandra Florek, Sprecherin der BI „Depo-Nie“ hin. Noch sei das in Schleswig-Holstein nicht erfolgt, aber angesichts des anlaufenden Abbruchs der Atomkraftwerke und der je anfallenden rund 300 000 Tonnen (AKW Brunsbüttel) „freigemessenen Betonreste (laut § 29 Strahlenschutzverordnung)“, müsse damit gerechnet werden. „Das macht uns Angst, das wollen wir nicht“ Die BI macht sich weiter stark für die Nulllösung, „ich glaube das können wir schaffen“, so Florek.

Von der Gemeinde fordert die BI mehr Transparenz, denn am Ende wollten sie alle dasselbe, wie ja auch die beschlossene Resolution deutlich machte. Bürgermeisterin Thoms-Pfeffer bat um Verständnis, dass sie nach Vorgaben des Datenschutzes und teilweise auch aus Taktik, nicht alles öffentlich zugänglich machen könnten. Künftig wird es bei Sitzungen der Gemeindevertretung aber einen Tagespunkt Deponie geben, diesen Antrag hatte die BI gestellt.

Infos Deponie

Amt Schlei-Ostsee:  www.amt-schlei-ostsee.de/gammelby/deponieerweiterung.html

Bürgerinitiative „Depo-Nie“ Gammelby: www.deponie-nie.de/index.php

AKW-Abriss, Infos der Bürgerinitiative Atommüll Einlagerung Stopp Harrislee: www.baesh.de

 

 

 

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