Neuwittenbek : Furche um Furche

Früh übt sich: Karl-Dieter Born aus Neuwittenbek trat gemeinsam mit seinen beiden Enkelkindern zum Pflügen an. Fotos: Suhr
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Früh übt sich: Karl-Dieter Born aus Neuwittenbek trat gemeinsam mit seinen beiden Enkelkindern zum Pflügen an. Fotos: Suhr

Der gekonnte Umgang mit Traktor und Pflug stand am Wochenende auf Gut Warleberg auf dem Programm.

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20. August 2018, 16:00 Uhr

Neuwittenbek | Seit 20 Jahren gibt es den „Agrar Oldtimer Club Dänischer Wohld (AOC, wir berichteten). Zum 20. Mal fand am Sonntag das traditionelle Stoppelfest statt, bei dem die Liebhaber historischer Traktoren ihr Können im Umgang mit Traktor und Pflug unter Beweis stellen konnten. In diesem Jahr konnten circa 30 Hektar auf Gut Warleberg „schwarz gemacht“ werden, auf dem vor Kurzem der Weizen geerntet worden war. „20 Hektar werden wir sicher bearbeiten“, meinte AOC-Vorsitzender Karsten Koch aus Tüttendorf.

Nicht nur, dass um die 70 Traktoren – oder fachgerechter ausgedrückt „Schlepper“ – gekommen waren, darunter auch befreundete Vereine aus Eckernförde, Westensee oder Sehestedt, freute Koch. Auch die Resonanz der zahlreichen Besucher hatte ihn überrascht. Und am Nachmittag, wenn die Leute aus der Umgebung und aus Kiel kamen, um Äpfel auf dem Gut zu pflücken, wurden es sicher noch mehr. „Warleberg, das zieht“, so Koch. Gleich zu Beginn machten sich etliche Teilnehmer „an die Arbeit“ und bewiesen, dass sie mit ihren Schleppern der Baujahre 1930 bis in die 80er-Jahre und teils ebenso alten Pflügen ganz ohne GPS Furche um Furche ziehen können. Worauf es dabei ankommt, erläuterte Karl-Dieter Born aus Neuwittenbek, bei dem auch die beiden Enkelkinder auf dem Traktor mit von der Partie waren: „Es kommt auf die Tiefe an und darauf, dass die Schollen vernünftig gebrochen werden“, so Born. Und natürlich auf die Optik! „Wenn es gerade Furchen werden sollen, darf mich nichts ablenken. Ich visiere einen Punkt an und fahre konsequent darauf zu“, erklärte Born weiter. Zudem wies er darauf hin, dass ein feuchterer Boden besser wäre, da der Pflug bei zu trockenem Boden nicht tief genug in die Erde eindringt. Aber nicht nur beim Pflügen auf verschiedenen Abschnitten des Feldes – unter anderem direkt am Kanal mit Schiffen im Hintergrund – konnten die Besucher zusehen. Viele Schlepper waren auch gekommen, um sich den Besuchern zu präsentieren. Darunter auch ein „Fordson Major Diesel“, den Karsten Koch ein „Schmuckstück“ nannte.

Seit 2011 hatte Franz Noehr aus Tüttendorf nahezu europaweit danach gesucht, 2015 fand er ihn im Internet auf einem Pferdehof in Niedersachsen. „Er war zwar ziemlich ,runter’, hatte aber noch Basis“, so Noehr. Eineinhalb Jahre Zeit und einiges an Geld investierte er, um das Prachtexemplar zu restaurieren. In England, wo der US-Hersteller Henry Ford & Son den Schlepper fertigen ließ, konnte Noehr sogar noch alle benötigten Teile bekommen, um den Traktor, Baujahr 1958, in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Aber gepflügt wurde damit nicht.

„Der soll nicht mehr arbeiten, der hat genug getan“, so Noehr, der nun auch dem AOC beitreten will. Pflügen taten andere, so wie Florian Koch aus Tüttendorf. Während Schlepper „Hans“ auf dem Kanal von Kiel kommend Richtung Brunsbüttel fuhr, pflügte Florian Koch mit seinem Schlepper das Feld – im Laufschritt begleitet von Schäferhund-Rottweiler Mischling Luna.

Für das leibliche Wohl war natürlich auch gesorgt und Kinder durften, wenn sie mochten, auf den Traktoren mitfahren. Und noch etwas war nicht ganz unwichtig, wie Karsten Koch schmunzelnd betonte: Schnacken und fachsimpeln.

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