Spendable Schenkung : Fundstück aus kriegerischen Zeiten

Ein Stück Stadtgeschichte kehrt zurück: Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske sowie Fielmann-Filialleiter Michael Schmiedel und Fielmann-Museumsförderer, Kunsthistoriker Dr. Jürgen Ostwald, mit der Fahne der Eckernförder Kriegskameraden aus dem Jahr 1871.
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Ein Stück Stadtgeschichte kehrt zurück: Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske sowie Fielmann-Filialleiter Michael Schmiedel und Fielmann-Museumsförderer, Kunsthistoriker Dr. Jürgen Ostwald, mit der Fahne der Eckernförder Kriegskameraden aus dem Jahr 1871.

Die Fielmann AG schenkt dem Eckernförder Museum die historische Fahne des Kriegskameraden-Vereins Eckernförde von 1871. Sie ist allerdings nur kurz zu sehen.

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25. Januar 2018, 06:19 Uhr

Eckernförde | Kennerblick gepaart mit großem Sachverstand, einem eng geknüpften Netzwerk und einem respektablen Jahresetat von einer halben Million Euro machen Dr. Jürgen Ostwald von der Fielmann AG zu einem der wichtigsten Museumsförderer im Norden. In Schleswig-Holstein, der Heimat seines Chefs und Firmengründers Günther Fielmann, sind 100 der bundesweit 200 Museen beheimatet, die der Kunsthistoriker so oft es geht und der Etat es hergibt, mit Schenkungen oder Förderungen beglückt. Gestern war wieder so ein besonderer Tag: Im Beisein des Leiters der örtlichen Fielmann-Filiale, Michael Schmiedel, übergab Jürgen Ostwald der Eckernförder Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske eine sehr seltene Originalfahne des am 16. Juli 1871 gegründeten „Kriegskameraden-Vereins Eckernförde“. Entdeckt und erstanden hatte Ostwald diese bereits Mitte vergangenen Jahres im Hamburger Auktionshaus City-Nord, wobei er bei der Versteigerung gleich mehrere Bieter aus Eckernförde aus dem Feld schlagen musste. Der hartnäckigste Konkurrent stieg erst bei einer vierstelligen Summe aus, Ostwald blieb dran, bekam den Zuschlag und lieferte die Neuerwerbung gestern bei Dorothee Bieske ab.

Die 120,5 mal 120,5 Meter große seidene Fahne ist mit etlichen Goldfäden und Metall-Applikationen verziert und von einem prunkvollen Rahmen unter Glas eingefasst. Im Zentrum und von Lorbeerblättern umrankt der gekrönte Königliche Reichsadler mit roter Zunge, heller Spange und einem Monogramm mit den Initialen „FR“ für „Fridericus Rex“ (Friedrich III.) auf der Brust sowie Zepter und Reichsapfel in den Fängen. Rechts sind zwei Stoffbänder mit der Aufschrift „Artilleristenverein Kreis Eckernförde“ und „Gewidmet von seinen Damen 1925“ fest mit der Fahne vernäht. Über den Vorbesitzer ist nichts bekannt.

Mit dieser Fahne schließt das Museum die Lücke an örtlichen Exponaten aus dem 19. Jahrhundert. Auch wenn die bis auf kleine Risse gut erhaltene Fahne aus Platzgründen nicht dauerhaft in der Ausstellung gezeigt werden kann, so wird sie doch im Magazin als Zeitdokument im städtischen Besitz bewahrt und bei Bedarf wie für Sonderausstellungen hervorgeholt. Bevor die Neuerwerbung aber gleich im Magazin verschwindet, soll sie nach der Wiedereröffnung des Museums Ende Februar für einige Tage zur Ansicht ausgestellt werden.

Die Fahne des Kriegskameraden-Vereins von 1871 birgt trotz aller Recherchen noch einige Geheimnisse, haben Bieske und Ostwald festgestellt. Die Bewandtnis der nachträglich angefügten Bänder ist ebenso ungeklärt wie der Sitz des Vereins und detaillierte Einblicke in das Vereinsleben. Möglicherweise ein Feld für weitere Forschungen, die die Fielmann AG ebenfalls übernehmen würde.

Aus dem Protokoll- und dem Hauptbuch sowie aus den Statuten geht aber immerhin der Vereinszweck hervor: „1. Die Pflege, Bethätigung und Stärkung der Liebe und Treue für Kaiser und Reich, 2. Das während der Kriegsjahre 1870/71 bethätigte kameradschaftliche Zusammenhalten dauernd zu befestigen, 3. Die Unterstützung hilfsbedürftiger Kameraden, welche dem Verein angehören, 4. Errichtung und Erhaltung einer Unterstützungskasse für Witwen verstorbener Kameraden und 5. Die Veranstaltung kriegerischer Leichenfeiern für verstorbene Kameraden.“ Mitglied konnte „jeder Unbescholtene werden, der während des letzten deutsch-französischen Krieges im militärischen Verhältnis für Deutschlands Recht gewirkt hat.“ 1894 hatte der Verein 139 Mitglieder. Vorsitzender war „H. C. Bruhn“, wie aus der königlichen Erlaubnis zur Fahnenverwendung von 13. April 1874 hervorgeht: „Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 4ten v. Mts. geruht, dem Eckernförder Kriegskameradenverein von 1870/71 die Erlaubnis zur Führung der in dem Gesuche vom 14. October v. Jr. beschriebene Fahne in Gnaden zu ertheilen, wovon wir den Vorstand hierdurch in Kenntnis setzen.
Königliche Regierung,
Abtheilung des Innern.
gez. von Rumohr.“

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