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Greve und Thomsen : Fulminantes Spiel mit einem Klassiker

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Joachim Thomsen und Stephan Greve spielen Goethes „Faust? Faust!“ auf Plattdeutsch und mit schrägem Humor. Im Carls hatten sie ihre umjubelte Premiere.

Eckernförde | Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ gilt als eine der bedeutenden und meistzitierten Werke der deutschen Literatur. Es ist eher ungewöhnlich, bei einer Tragödie Tränen zu lachen, doch bei der Inszenierung von Joachim Thomsen und Stephan Greve „Faust? Faust!“ ist genau das beabsichtigt. Zur Premiere im gut besuchten Carls auf Carlshöhe erwartete die Besucher eine Vorstellung, die Tragik und Komik vereinte, untermalt mit dem Charme der plattdeutschen Sprache.

Zu Beginn übernahmen die Schauspieler des Wiener Burgtheaters, Andrè (Joachim Thomsen) und Heiner (Stephan Greve), die Goethes Faust auf die Bühne bringen wollen, die Einleitung. Unterstützung soll Hannah als Gretchen-Darstellerin geben, doch das Chaos ist vorprogrammiert, als Hannah wegen Schwangerschaft ausfällt. Der quirlige Heiner reißt das Publikum mit, schlüpft immer wieder in neue Rollen während der sinnige und schwermütige Andrè die Problematik mit Gestik und Mimik auffängt. Schnell findet sich das Publikum in den einzelnen Passagen des Klassikers wieder. So spielt Joachim Thomsen in verschiedene Rollen als Gott, Dr. Faust und Hexe, während Stephan Greve den Part von Mephisto und Wagner übernimmt.

Die von dieser Fulminanz faszinierten Zuschauer werden von Anfang an mit einbezogen. Die Dialoge zwischen Andrè und Heiner sind im schönsten Plattdeutsch gehalten, und es werden auch schon mal Sätze ins Publikum geworfen wie „Wat, keen Goethe hebbt se lesen, kennen Faust nich, un denn ok noch beleidigt sien?“ Sowohl Thomsen als auch Greve überzeugen mit Sprachgewandtheit, setzen immer wieder ihr großes mimisches und gestisches Repertoire ein. Die Original-Passagen aus „Faust“ werden hochdeutsch gesprochen. Kein Halten gibt es im Saal, als Greve, in der Figur des Wagner den bekannten volkstümlichen, aus vielen Cartoons bekannten Satz „Goethe spielt Flöte auf Schiller sein P…“ ausspricht. Wahre Lachsalven waren die Folge, die zeigten, das die komödiantische Darstellung mit einer gewissen gezierten Scham, wie Thomsen sie darstellt, beim Publikum ankommt. So spricht Mephistopheles über Dr. Faust: „Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne, und von der Erde die höchste Lust!“

Ob im Studierzimmer, in Auerbachs Keller in Leipzig, der Hexenküche oder beim Pakt mit dem Teufel – man ist mittendrin in der Welt des Dr. Faust. Und dann nimmt die Liebe zu Gretel ein tragisches Ende, nachdem sie das Kind auf der Bühne zur Welt gebracht hat – mehr Tragikomödie geht kaum.

Der immer wieder aufbrausende und am Ende anhaltende Applaus bestätigt, dass das Duo Thomsen und Greve es wieder einmal geschafft hat, das Publikum in ihren vielfältigen Rollen 90 Minuten in ihren Bann zu ziehen und so ganz nebenbei – trotz allen Humors – auch deutsche Klassiker unters Volk bringen können.

Für die Besucher Peter und Rita Scheck aus Hamburg sowie Edda Berger aus Damp ist es ein Muss, zu den Vorstellungen des Eckernförder Zwei-Mann-Theater zu fahren. „Wir sind treue Fans, haben die bisherigen Stücke teilweise sogar mehrfach besucht. Es ist einfach schön und bewundernswert, wie die beiden selbst tragische Meisterwerke mit Witz und Charme rüberbringen. Immer eingeschlossen die schöne plattdeutsche Sprache die dem ganzen eine besondere Note gibt!“

> Weitere Aufführungen: 7. Oktober (20 Uhr) und 8. Oktober (17 Uhr) jeweils im Carls. Karten: Schuhmacherei Joachim Thomsen, Kieler Straße 81, oder online unter www.carls-events oder Abendkasse

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