Fracking : Für Fracking ist im Kreis kein Platz

Ob in Rendsburg-Eckernförde Bohrtürme aufgestellt werden, um mit der Fördermethode Fracking Öl zu gewinnen, ist offen. Die Stellungnahme des Kreises spricht dagegen.
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Ob in Rendsburg-Eckernförde Bohrtürme aufgestellt werden, um mit der Fördermethode Fracking Öl zu gewinnen, ist offen. Die Stellungnahme des Kreises spricht dagegen.

Vier Behörden nehmen Stellung: Wasser- und Naturschutzgebiete sowie alte Mülldeponien schränken umstrittene Fördermethode ein.

shz.de von
21. Juni 2014, 06:00 Uhr

Der Vorstoß des Kreistages, der Erdölförderung durch Fracking in Rendsburg-Eckernförde eine Absage zu erteilen, kommt offenbar rechtzeitig. In einer Stellungnahme hat die Verwaltung festgestellt, dass es im zugelassenen Suchgebiet zwischen Dänischem Wohld und Bordesholm kaum Stellen gibt, die die umstrittene Fördermethode erlauben. Das teilte Michael Wittl, Fachdienstleiter Wasser, Bodenschutz und Abfall, dem Umweltausschuss mit. Unterdessen wurde bekannt, dass das Bundeswirtschaftsministerium ein Fracking-Gesetz schon kommende Woche ins Kabinett bringen will. Umweltverbände und sogar Teile der Regierung sehen das kritisch, weil Fracking-Vorhaben demnach zwar einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegen, aber lediglich in Wasserschutzgebieten untersagt werden sollen.

In der Stellungnahme an das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld äußern sich vier Fachbehörden des Kreises zu einem Antrag auf Bewilligung zur „Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen“ in dem Erlaubnisfeld. Die Untere Wasserbehörde und der Gesundheitsdienst schließen die Förderung durch Fracking im Wasserschutzgebiet Bordesholm aus. Zudem sei die Gefahr für das Grundwasser durch Fracking-Bohrungen ähnlich zu bewerten wie durch Erdwärmesonden: Wenn mehrere Erdschichten angebohrt werden, können sich Wittl zufolge verschiedene Grundwasserleiter verbinden und auf diese Weise „möglicherweise verunreinigtes Wasser eindringen“. Im Umkreis von jeweils einem Kilometer um die Wasserwerke Schulensee/Molfsee, Rumohr, Felde, Stampe, Schinkel und Krusendorf lehnt die Behörde das sogenannte Durchteufen deshalb ab. Zudem nennt die Stellungnahme auch die Gemeinde Langwedel mit 250 Eigenversorgern – unter anderem dort müsse die Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung ausgeschlossen werden. Die Untere Bodenschutzbehörde schließt Förderstätten zudem auf den 103 Altablagerungen in dem Gebiet aus. Es handelt sich um ehemalige Mülldeponien von Gemeinden. Allein vier gibt es um Langwedel herum. Die Untere Naturschutzbehörde lehnt Erdölförderung in zehn Flora-Fauna-Habitat-, zwei Vogelschutz-, zehn Landschaftsschutz- und fünf Naturschutzgebieten ab.

Die Behörden decken mit diesen Eingaben nahezu das gesamte Erlaubnisfeld ab. Ob es dennoch zu Fracking kommt, ist jedoch offen. Die Hinweise sind laut Michael Wittl für die Entscheidung des Landesamts nicht bindend. Um Fracking auszuschließen, müssten sich das Bundeswirtschaftsministerium Siegmar Gabriels und das Umweltministerium von Barbara Hendricks einigen. Sie lehnt die Technik ab. So auch der Kreistag, der sich Anfang Mai mehrheitlich mit einer Resolution gegen Fracking ausgesprochen hatte.

In dem Erlaubnisfeld prüfen Firmen ohne in den Boden einzugreifen, ob die Förderung wirtschaftlich vertretbar ist. Fracking ist umstritten, weil mit Tiefbohrungen chemische Flüssigkeiten in den Boden gepresst werden, die öl- oder gashaltige Gesteinsschichten aufbrechen. Die Auswirkungen auf Boden und Grundwasser sind jedoch unklar.

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