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BENEFIZKONZERT : Für den guten Zweck um die Welt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Besucherzahlen beim Benefizkonzert für Flüchtlinge im Carls übertreffen alle Erwartungen. Die Flüchtlinge erhalten tosenden Applaus für ihre musikalischen Darbietungen.

Eckernförde | Menschen auch über Ländergrenzen und Sprachbarrieren hinweg zu verbinden – das ist die Kraft der Musik, von der sich auch am Sonnabend im Showpalast auf Carlshöhe die vielen Besucher des Benefizkonzert für Flüchtlinge überzeugen konnten. Menschen verschiedenster Herkunft und Altersklassen stürmten den stimmungsvoll ausgeleuchteten Veranstaltungssaal und lauschten bei einer kühlen Erfrischung einem abwechslungsreichen Programm mit musikalischen Höhepunkten aus aller Welt. Organisator Helmut Herzog zeigte sich vom großen Interesse des Publikums beeindruckt. „Die Zahl der Gäste übersteigt die Kapazität der Räumlichkeiten deutlich“, so der Geigen-Virtuose aus Hemmelmark, der schon vor Beginn der Veranstaltung die Türen schließen musste. Die Resonanz am Sonnabend war so gut, dass inzwischen über eine Wiederholung des musikalischen Abends nachgedacht wird.

Wer es geschafft hatte, einen der begehrten Plätze für sich zu erobern, wurde mit einem stimmig arrangierten Programm voller Lebensfreude, Hoffnung und Zuversicht belohnt. Aber auch ernstere Töne und melancholische Stimmlagen waren zu vernehmen. „Wir möchten vor allem die Schönheit und Vielfalt der Volksmusik aus den verschiedensten Teilen der Welt betonen“, sagte Helmut Herzog, der im ersten Teil der Veranstaltung selbst mit seiner Geige auf der Bühne stand und die Zuhörer mit seinem leidenschaftlichen Spiel gefangen nahm. Gemeinsam mit Bianka Brüdgam (Akkordeon) und dem Gesangsduo Herzdame, bestehend aus Eva Holtey-Weber und Grietje Meyer, nahm der Organisator die Gäste mit auf eine Reise nach Ungarn, Russland, Spanien, Italien, Estland und Wales. Ein besonderer Höhepunkt war ein Medley aus deutschen Volksliedern mit Kanonelementen, das viele Besucher zum Mitsingen anregte. Unter Anleitung von Grietje Meyer und Eva Holtey-Weber wurden spontan arabische Volkslieder eingeübt, die anschließend gemeinsam gesungen wurden und für eine besondere Atmosphäre sorgten. Aber auch Freunde der klassischen Musik kamen bei Stücken von Johannes Brahms auf ihre Kosten.

Nach einer kurzen Pause stellte das Babelfish-Ensemble unter Leitung von Olena Dabrowicz sein Können unter Beweis und brachte neben der Musik mit Tänzen und schauspielerischen Darbietungen viel Schwung und farbenfrohe Abwechslung auf die Bühne. Die Mitglieder des Ensembles kommen aus der Ukraine, Russland, Syrien, Armenien und Tschetschenien und haben sich nach dem kleinen Helferlein aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ benannt, der es Reisenden ermöglicht, sämtliche Sprachen zu verstehen. Die Musiker verschiedenster Herkunft haben es sich zum Ziel gesetzt, durch die Musik Sprachbarrieren einzureißen und gemeinsam Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Neben der tänzerischen Leistung von Olena Dabrowicz mit Tamburin und wallendem Abendkleid sorgte vor allem der Gesang der jungen Russin Daria Volkova über Liebe, Leidenschaft und Filzpantoffeln für tosenden Applaus. Immer wieder wurde das Programm mit Gedichten aufgelockert, die zunächst in Landessprache und dann in deutscher Übersetzung vorgelesen und schauspielerisch untermalt wurden.

Der Eintritt war frei, gespendet wurde reichlich – 1000 Euro kamen schließlich zusammen. Die Spenden des Benefizkonzerts unterstützen zu zwei Dritteln die Arbeit des Vereins „Umwelt Technik und Soziales“ (UTS) in Eckernförde. UTS unter dem Vorsitz von Lutz Oetker organisiert für Flüchtlinge in Eckernförde Sprachunterricht. „Es ist uns aber auch ein besonders wichtiges Anliegen, darüber hinaus Gelegenheiten der Begegnung zu schaffen, damit die Sprache im Alltag der Flüchtlinge ankommt und interkulturelle Beziehungen entstehen können“, so der Vorsitzende, der gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins das Konzert besuchte.

Einer seiner Mitarbeiter ist Mohammed Abotaleb (34) aus Jemen, der zurzeit noch auf seine Anerkennung wartet. Seine Frau und seine Töchter musste er notgedrungen vorerst in der alten Heimat zurücklassen. Das mache das neue Leben in Deutschland nicht immer leicht, aber für den Studienabsolventen, der vor seiner Flucht auch für einige Zeit in Heidelberg gelebt und studiert hat, ist eine Rückkehr keine Option. „Bis die Ausländerbehörde mir eine Arbeitserlaubnis erteilt, engagiere ich mich gerne für den Verein“, so der junge Mann, der fließend Deutsch spricht. „Ich weiß, wie sich die Menschen in dieser Situation fühlen. Alles ist fremd und viele können die Sprache noch nicht“, sagt er.

Das übrige Drittel des Spendenerlöses kommt den „Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ zugute, die deutschlandweit trauma-pädagogische Arbeit für Flüchtlingskinder, sowie notfallpädagogische Arbeit in Krisengebieten weltweit leisten. „Auf diese Weise kann schon unterwegs viel für die Psyche der Betroffenen getan werden“, erklärte Grietje Meyer die Entscheidung der Veranstalter für dieses Projekt.

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