Frühjahrsputz im Ostseebad

Suchten unter Wasser nach Müll: Frank Lindemann und Martin Wilke. Foto: Ritterbusch
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Suchten unter Wasser nach Müll: Frank Lindemann und Martin Wilke. Foto: Ritterbusch

100 Helfer beteiligten sich an der Aktion "Unser sauberes Eckernförde" und befreiten die Stadt von 500 Kilogramm Unrat und Müll.

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30. März 2009, 09:56 Uhr

Eckernförde | Daniel Herkt staunte nicht schlecht, als er neben einer Reihe "Jägermeister"-Flaschen ein Fahrrad im Goossee fand. "Ich wollte nur ein paar Steine ins Wasser werfen, da habe ich das entdeckt", berichtete der Elfjährige. Sein Vater Rüdiger hatte den Drahtesel an Land gezogen und ihn zum Sammelpunkt gebracht - das gute Stück war noch voll funktionstüchtig. Familie Herkt hatte sich am Wochenende der Nabu-Ortsgruppe angeschlossen, um die Goosseewiesen von Unrat zu säubern und so einen Beitrag zur Aktion "Unser sauberes Schleswig-Holstein" zu leisten.

"Wir bekommen auch etwas von der Stadt, jetzt wollen wir etwas zurückgeben", erklärte Rüdiger Herkt das Engagement seiner Familie. "Jeder ist bereit, sich zu beschweren, kaum einer tut selbst etwas", so der freischaffende Künstler aus Eckernförde.

Rund 100 Helfer aus Vereinen und Institutionen befreiten das Ostseebad am Wochenende vom Müll. Den Anfang machten einige Schulen, die am Freitag ihr Gelände säuberten. Am Sonnabend war nun die restliche Stadt an der Reihe - sowohl über, als auch unter der Wasseroberfläche. Neben fünf Tauchern von der Freiwilligen Feuerwehr waren auch vier Mitglieder des Tauchclubs im Hafenbecken unterwegs, um mit Luftflasche und Taucherbrille Müll aus dem Wasser zu fischen. Neben der Hilfe für die Stadt ging es den Mitgliedern auch darum, einmal an einem Ort zu tauchen, der ihnen sonst aufgrund des Bootsverkehrs nicht zugänglich ist, wie der Vorsitzende, Renke Eilers, erklärte. "Die Aktion ist spannend, weil wir auch nie wissen, was wir finden", so Eilers.

Viel Unrat und Erstaunliches fanden die Mitglieder des Pfadfinderstammes Styrbjørn in der Kieler Straße und den angrenzenden Gassen: eine alte Leberwurst, eine tote Maus und ein Butterflymesser. Viel Arbeit für die 23 Jugendlichen, die ihrem Einsatz mit ihrer Verbundenheit zur Natur erklären. Aber: "Das hat Spaß gemacht", erklärte der neunjährige Dominique Wehr nach zwei vollen Müllsäcken und gut 90 Minuten Sammeln.

Insgesamt kamen bei der Aktion rund 500 Kilogramm Müll zusammen. Das entspräche ungefähr dem Vorjahresertrag, sagte der stellvertretende Wehrführer, Meint Behrmann. Er sei mit der Beteiligung seiner Kameraden zufrieden. 20 aktive Mitglieder und 20 Mitglieder der Jugendfeuerwehr - das sei ein guter Schnitt, wenn man bedenke, dass am Wochenende gerade verheiratete Mitglieder kaum Zeit hätten, so Behrmann.

Mit der Beteiligung der Vereine war auch Maren Quast von der Bauverwaltung zufrieden. "Die Vereine mobilisieren viele Mitglieder", lobte sie. Allerdings sei es immer schwer, Einzelpersonen für die Aktion zu gewinnen: "Die Leute sehen nicht ein, warum sie den Müll von anderen Menschen wegräumen sollen", vermutete Quast.

Dass Menschen ihren Unrat ins Gebüsch oder auf de Gehwege werfen, kann auch Max-Hartwig Föh nicht nachvollziehen. Dennoch machte sich der 68-Jährige bereits zwei Tage vor der offiziellen Aktion auf, um in zwölf Stunden die Gehwege und Böschungen von der Waldorfschule bis hin zu "Markant" in der Ostlandstraße und den Fußweg zur Schwansenstraße neben der Abzweigung Richtung Schleswig zu säubern. Anschließend war er "fix und foxi". "Ich bin leidenschaftlicher Fahrradfahrer und manchmal ein bisschen verrückt", antwortete Föh auf die Frage, warum er diese Arbeit ganz alleine und mit dem Fahrrad auf sich genommen hatte. "Aber ich freue mich, dass ich es gemacht habe", fügte er hinzu und zeigte stolz seine Ausbeute: einen Leitpfosten, unzählige Flaschen, ein zusammengelegter Bettbezug, einen Gullydeckel und vier große Säcke voller Müll. Am meisten gewundert hat er sich über einen Schrank, dessen Bestandteile über gut einen Kilometer verstreut waren, und acht zugeschnürte Pakete von Supermarkt-Prospekten. "Ich überlege, ob ich das dem Filialleiter mitteile", sagte Föh. Er will auch in Zukunft die Augen aufhalten, wenn er mit seinem Rad unterwegs ist und gegebenenfalls wieder sammeln. Darauf warten, dass es vielleicht jemand anderes macht, will er nicht.

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