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landwirtschaft : Früher Staub sorgt für gute Laune

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Landwirt Otto Gravert ist nach dem mauen Vorjahr zufrieden mit seiner bisherigen Ernte. Warmer Juni sorgt für gute Bedingungen.

Lindau | Es staubt – für Otto Gravert ein gutes Zeichen. „Mit der Feuchtigkeit steht und fällt alles. Und wenn die Gerste staubtrocken ist, sind das ordentliche Ernte-Bedingungen“, erklärt der Landwirt aus Lindau. Er sitzt am Steuer seines Mähdreschers, einem regelrechten Ungetüm. Die 200-PS-Maschine verbraucht pro Stunde zwischen 15 und 20 Liter Benzin und macht alles kurz und klein, was sich ihr in den Weg stellt.

Gravert hat gerade angefangen, von einer 16 Hektar großen Fläche, die er in Kaltenhof gepachtet hat, die Wintergerste abzuernten. Bei einer Geschwindigkeit von vier Stundenkilometern schafft er etwa einen Hektar pro Stunde, es könnte also ein langer Tag werden. „Wir sind aber sehr früh dran, deswegen können wir ganz entspannt sein und können auch mal nur den halben Tag machen“, lacht der 65-Jährige. Nach dem warmen und regenarmen Juni freut er sich darüber, schon zu Beginn der von Mitte Juli bis Ende August andauernden Erntezeit an die Arbeit gehen zu können. Das Feld in Kaltenhof ist bereits das dritte, das er aberntet.

Mit der Ernst ist der Lindauer zufrieden. „Nach den schlechten Erträgen im letzten Jahr geht es diesmal deutlich aufwärts. Trockene Jahre sind immer die besseren.“ So sei der Ertrag größer, der Verschleiß am Gerät geringer. Es läuft also gut. Zwar ist die Gerste teilweise vom zuletzt starken Wind plattgedrückt, das ist aber kein Problem. „Sie liegt ja nicht ganz stramm auf der Erde“, sagt Gravert, der seit 30 Jahren Landwirt ist. Er hat den Vorteil, seinen eigenen Mähdrescher zu besitzen. So kann er je nach Witterung von Tag zu Tag entscheiden, ob geerntet wird oder nicht, und ist nicht auf Leihzeiten angewiesen. „Ich bin sozusagen Flexibel durch Eigentum.“

Auch wenn der 65-Jährige während der Arbeit ganz entspannt wirkt, ist er hochkonzentriert. Er muss stets ein wachsames Auge auf die Bodenverhältnisse haben, da sein zehn Jahre alter Mähdrescher sich noch nicht – wie neuere Modelle – automatisch an diese anpasst. Auch auf größere Steine, die das Gerät beschädigen könnten, muss er achten. „Die sind sehr gefährlich“, betont Gravert. Gibt es noch andere Gefahren? „Das Risiko, dass zum Beispiel das Lager heißläuft und die Maschine Feuer fängt, ist schon da. Bisher ist mir so etwas auf der Koppel aber noch nicht passiert“, sagt der Landwirt. Auf größere Sicherheitsmaßnahmen verzichtet er daher.

Plötzlich ertönt ein Piepen – der Auffangbehälter ist voll. Es muss „abgetankt“ werden. Graverts ehemaliger Auszubildende Nils Guckenberger, der spontan aushilft und die ganze Zeit mit einem Trecker samt Anhänger hinter dem Mähdrescher gefahren ist, platziert sein Fahrzeug neben Graverts. Durch ein Rohr wird die kleingehackte Gerste, die reines Futtergetreide ist, in den Hänger abgelassen und später weggefahren. Pro Doppelzentner (100 Kilo) bekommt Otto Gravert 14,50 Euro. Was auf dem Feld liegen bleibt, wird zu Stroh gepresst. Das kann hin und wieder knapp werden, ein anderer Landwirt bittet um ein paar Ballen. „Kein Problem“, sagt Gravert. „Auch bei mir war es letztens knapp, da kann ich mitfühlen.“

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erstellt am 15.Jul.2017 | 08:07 Uhr

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