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STEHENDE OVATIONEN : Frisch, frei, frech – die Musik macht es

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Claudia Piehl und Jan-Friedrich Conrad feierten am Freitag eine gelungene Premiere mit ihrem neuen Stück „Alles frisch...das Musical“ in der Stadthalle. Das Publikum applaudierte vor Begeisterung im Stehen.

Eckernförde | Alles frisch – wo soll das schon sein, wenn nicht in Eckernförde? Von der Luft bis zu den Ostseetemperaturen, vom Fisch bis zu Gemüse und Blumen auf dem Markt – selbst die Senioren sind hier noch frisch, vergnügt und unternehmungslustig – auch im Altenheim. Wenn dann – in freier Erfindung - selbst noch ein neuer Bürgermeister zur Wahl steht, und in der Politik alles frisch belebt wird, dann konnte Claudia Piehl nicht widerstehen. Die erfahrene Showmasterin, Musical-Makerin, Chor- und Tanzausbildungsleiterin – unvergleichlich und aus dem Eckernförder Kulturleben nicht wegzudenken, ja – sie hat es wieder einmal geschafft. Bei der Premiere am Freitagabend gab es vergnügten Zwischenapplaus satt, zum Schluss ein so begeistertes Publikum, dass man nur noch im Stehen applaudierte und Beifall jubelte.

Die Beschreibung einer Stadt am Meer, die Schilderung von Leben und Denken ihrer Bewohner – Wiedererkennungsmerkmale mit Eckernförde durchaus bedacht – kann aber noch nicht alles sein, was Claudia Piehl in die kreative Phase versetzte. Das muss inhaltlich noch überhöht werden, märchenhaft sein. Also knüpfte sie ihre Story an ein Märchen an, allen bekannt das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Hier ist der Inhalt zeitlos, spiegelt den Wunsch, als klug anerkannt und geachtet zu werden. Darum ist unsichtbare Kleidung – vor diesem Hintergrund – gut geeignet als Test für Selbstbewusstsein und Ehrlichkeit.

Das Stück: Das kleine Klarstein bereitet sich auf die Bürgermeisterwahl vor. Dr. Simone Schlicht-Hagenberg (Carmen Müller) ist Spitzenkandidatin, beliebt, forsch, ehrgeizig. Um ganz auf Nummer Sicher zu gehen, lässt sie sich auf ein äußerst geschicktes Betrüger-Trio ein. Ja, sie will Kleider haben, die dumme und für politische Ämter Ungeeignete nicht sehen können. Diesen Test braucht sie für die gute Zusammensetzung ihres späteren Teams – meint sie. Bei der herrlich überzogenen Anprobe von „Nichts“ verheimlicht die angehende Bürgermeisterin, dass sie selber nichts Stoffliches sieht. Schließlich steht sie in Unterwäsche vor ihrer Wählerschaft. Doch die Klarsteiner wollen sie trotzdem wählen. Schließlich verspricht sie, mit ihrer klaren Linie und ihrer ansonsten „ehrlichen Haut“ eine gute Stadt-Mutter zu werden.

Klarstein ist in Ordnung, hier hat alles seinen Platz. Claudia Piehl versteht es, das lebendige Leben Klarsteins auf die Bühne zu holen; die sympathischen Verkäufer auf dem Wochenmarkt, die vergnügten Alten mit Freude an Spiel und verwegenen Erinnerungen (AWO-Chor zwischen 68 und 90), ein halbseidener Heimleiter Dr. Sindelfink (Armin Heldt) und rücksichtsvolle Hundebesitzer. Die Iranerin Andishe Moradi tanzt mit den Frauen auf dem Markt einen anmutig fremdländischen Tanz. Auch ihr iranischer Mann Yamal spielt mit im Musical. Toleranz und Verständnis sind angesagt. Bürgermeisterins etwas aufmüpfiges Töchterlein Maja (Marit Lohmann) verliebt sich in den Flüchtling Yahiya aus Afghanistan und will für ein soziales Jahr nach Uganda. Veränderungen, Unruhe, Neues – aber Klarsteins Menschen packen das. „Es ist ein Musical mit echten Nordlichtern, deren Lebensmotto `Klar Kimming, klare Kante´ ist“, sagt Claudia Piehl. „Hochaktuell und ergreifend … ein Bekenntnis zu Toleranz und Weltoffenheit.“ Jan-Friedrich Conrad hat die kongeniale Ohrwurm-Musik komponiert.


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erstellt am 06.Jun.2016 | 05:03 Uhr

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