Von der Stube auf den Recyclinghof : Friedhof der Weihnachtsbäume

Endstation Recyclinghof: In Borgstedtfelde lädt ein Tieflader die angelieferten Nadelbäume in den Schredder.
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Endstation Recyclinghof: In Borgstedtfelde lädt ein Tieflader die angelieferten Nadelbäume in den Schredder.

Endstation auf dem AWR-Recyclinghof / Holz wird geschreddert und zur Verbrennung an Betreiber von Biomasse-Kraftwerken verkauft

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08. Januar 2015, 06:32 Uhr

Borgstedt | Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Christbaum der Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Mit viel Liebe wurde die Tanne mit Kugeln und Kerzen geschmückt und in der besten Ecke des Wohnzimmers aufgestellt. Doch binnen kürzester Zeit ist aus dem Prachtstück ein Fremdkörper geworden, den es so schnell wie möglich loszuwerden gilt. Entlang vieler Straßen und in dunklen Ecken so mancher Plätze liegen die einstigen Schmuckstücke unbeachtet und warten auf ihr Ende.

Doch was passiert eigentlich mit den abgetakelten, nadelnden Gerippen? Die Männer von Abfallunternehmen wie Remondis und „Graf Recke“ sind in diesen Tagen im Auftrag der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) im gesamten Kreisgebiet und den Städten Rendsburg, Büdelsdorf sowie Eckernförde unterwegs und sammeln die weihnachtlichen Reste ein. Tannenbaum-Enthusiasten und Freunde der besinnlichen Zeit sollten dabei besser nicht zuschauen. Was die Männer in den leuchtend-orangen Uniformen mit den Bäumen vom Straßenrand machen, ist ziemlich brutal. Die Männer fahren in großen Lastwagen vor, packen die Bäume, schleudern sie im hohen Bogen auf die Ladefläche mit einer eisernen Presse, die mit lautem Knirschen und Knacken kurzen Prozess mit den einst besungenen Bäumen macht. So werden die sperrigen Exemplare zum besseren Transport auf ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe verdichtet.

Auf dem Müll landen die Nordmänner und Blau-Fichten jedoch nicht: Sie werden recycelt. „Die alten Weihnachtsbäume werden zu 100 Prozent wiederverwertet“, sagt Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der AWR. Die Odyssee der Bäume endet nämlich auf dem Recyclinghof der AWR in Borgstedtfelde. Auf dem Recyclinghof herrscht dann weihnachtlicher Hochbetrieb. Ein Lastwagen nach dem anderen fährt vor und entlädt seine tannengrüne, gepresste Fracht. Unaufhörlich wächst der Stapel der verstoßenen Tannenbäume in die Höhe.

Die Stämme und Zweige werden dann mit Radladern zum Schredder gebracht. Das Gerät zerlegt die Zweige und Stämme in kleine, handliche Holzstückchen. Die Hackschnitzel werden anschließend an ein Hamburger Unternehmen verkauft, das eine Biomasse-Anlage betreibt. „Dort werden ausschließlich biologische Stoffe verbrannt“, erklärt Hohenschurz-Schmidt. „Uns ist eine umweltfreundliche Verwertung der Tannenbaumreste wichtig.“ Zurück in den Kreislauf der Natur. Die im Kraftwerk erzeugte Energie aus den Festtags-Fichten fließt in Heizungen oder Stromleitungen von Stuben, in denen auch einst Christbäume mit ihren Kerzen Wärme verbreiteten.

Jedes Jahr werden rund 300 Tonnen Christbäume aus dem gesamten Einzugsbereich der AWR angeliefert und im Schredder zu Kleinholz gemacht. „Die Zahl der eingesammelten Weihnachtsbäume ist seit Jahren konstant“, weiß Ralph Hohenschurz-Schmidt. Die Liebe zu dem Original scheint also ungebrochen. Dieses Fazit deckt sich mit bundesweiten Erkenntnissen. Private Haushalte mit mehr als drei Personen stellen zu 80 Prozent einen Weihnachtsbaum zum Fest auf. Nur 17 Prozent der Befragten bevorzugen ein künstliches Modell aus Plastik.

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