29 845 Euro bleiben verschwunden : Freispruch für Bankangestellten

Das verschwundene Geld stammt aus einem der Geldautomaten der Bank
Das verschwundene Geld stammt aus einem der Geldautomaten der Bank

Am vierten Verhandlungstag sprach das Schöffengericht Eckernförde den Angeklagten frei. Nach Darstellung des Gerichts kommen insgesamt acht Personen als Täter in Betracht.

shz.de von
13. April 2018, 05:28 Uhr

Eckernförde | Mit einem Freispruch des Angeklagten, einem Mitarbeiter einer Bank in Eckernförde, endete gestern Vormittag ein Verfahren vor dem Schöffengericht Eckernförde. Sichtlich erleichtert wirkte der 59-Jährige, als Richter Tiedemann im Anschluss an die Beweisaufnahme und an die Plädoyers der Staatsanwältin und des Verteidigers nach Beratung mit den Schöffen verkündete: „Der Angeklagte wird von der Tat freigespochen.“

Wegen Diebstahls von 29 845 Euro stand der Bankmitarbeiter vor Gericht. Die Tat geschah am 12. Oktober 2016. Dem Eckernförder wurde vorgeworfen, einen Sicherheitsbeutel mit der genannten Summe, der für die Abholung durch eine Geldtransportfirma vorgesehen war, aus dem Tresorraum des Kellers der Bank gestohlen zu haben (wir berichteten). Am ersten Verhandlungstag am 7. Dezember vergangenen Jahres bestritt der Angeklagte die Tat – seitdem hat er geschwiegen. In der Bank ist der 59-Jährige unter anderem für das Leeren und Befüllen der Geldautomaten sowie für das Packen der Sicherheitsbeutel für die Geldtransportfirma verantwortlich.

Der gestrige vierte Tag der Hauptverhandlung stand unter besonderen Vorzeichen. Grund ist der plötzliche Tod eines der beiden Schöffen im Januar, so dass aufgrund fehlender Ergänzungsschöffen, wie sie am Landgericht üblich sind, eine Neuauflage des Verfahrens mit einem neuen Schöffen notwendig wurde.

Aus verfahrensökonomischen Gründen stimmten Staatsanwaltschaft und Verteidigung dem Vorschlag von Richter Tiedemann, das sogenannte Selbstleseverfahren in Bezug auf die Beweisaufnahme anzuwenden, zu. 40 Seiten Protokoll der bisherigen umfassenden Beweisaufnahme (Vernehmung der Zeugen: Bankangestellte und ermittelnder Polizeibeamte, und Auswertung der Kameraufzeichnungen) an den drei vorausgegangenen Verhandlungstagen mussten von den Schöffen in einer Verhandlungspause gelesen und beraten werden.

„Letztendlich haben wir nicht feststellen können, was genau geschehen ist“, so Tiedemann. Dieser Umstand sei ausschlaggebend für den Freispruch: „Deswegen können wir nicht zu einer Verurteilung kommen.“ Mehrere Gesichtspunkte spielten für das Gericht in Bezug auf die Klärung der Schuldfrage eine große Rolle. Die Frage vieler Schlüssel und ihrer Klassifizierung blieb unbeantwortet: Wie verhält es sich mit den anderen Schlüsselträgern? Unklar blieb auch der Verbleib eines abgebrochenen Generalschlüssels. Der Generalschlüssel eines ehemaligen Mitarbeiters fand sich zunächst im Schrank des Hausmeisters wieder. „Alle, die einen Schlüssel mit der Wertigkeit des Schlüssels des Angeklagten haben, kommen als Alternativpersonen in Betracht“, sagte der Richter.

Die Tatsache, dass der Angeklagte am Tattag einen Rucksack dabei hatte, in dem er angeblich das Diebesgut aus der Bank geschafft haben soll, habe hinreichend geklärt werden können, so Tiedemann. „Es sind alles Dinge, die nicht zulassen, dass der Angeklagte der Täter ist“, sagte der Richter, „der Zweifel setzt sich durch.“

Mit dem Freispruch folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Es lägen nur Indizien und keine Beweise vor, hieß es im Plädoyer. Auch eine Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten habe nichts ergeben. „Letztlich kommen acht Personen der Bank als Täter in Betracht“, sagte die Staatsanwältin, „somit ist der Angeklagte freizusprechen.“

Die Verteidigung nutzte im Schlussplädoyer die Gelegenheit, um die Unschuld des Angeklagten zu betonen: „Der Tatvorwurf hat sich durch die Hauptverhandlung nicht ergeben.“ Diese Tatvariante, die seinem Mandanten zur Last gelegt wurde, sei „die dümmste Variante, die man an seiner Stelle wählen kann.“ Statt des Beutels mit der größeren Summe mit 30 000 Euro soll er den Beutel mit 20 000 Euro genommen haben. Warum habe sein Mandant dieses Geld, bei dem es sich um Geld gehandelt habe, unter dem sich auch Falschgeld befunden habe, überhaupt habe stehlen sollen, wenn es ihm ein Leichtes gewesen sei, an den Tresor zu kommen? Warum habe er dann persönlich Alarm schlagen sollen?

Das letzte Wort hatte der Angeklagte. „Ich bin es nicht gewesen, ich habe das Geld nicht genommen.“ Sein Wunsch für seine berufliche Zukunft : „Ich würde gerne weiter in der Bank arbeiten.“ Vor kurzem feierte der 59-Jährige sein 25-jähriges Dienstjubiläum in dem Geldinstitut.

Die Kosten des Verfahrens trägt der Staat.

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