Freiheit für 8000 kleine Meerforellen

Die 9-jährige Jonna entlässt mithilfe von Albrecht Hahn die kleinen Meerforellen in den Lachsenbach.
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Die 9-jährige Jonna entlässt mithilfe von Albrecht Hahn die kleinen Meerforellen in den Lachsenbach.

Nachhaltiges Projekt „Meerforellenbrutanlage und Nachzucht“ der Richard-Vosgerau-Schule für Viertklässler / Neue Bewohner für den Lachsenbach

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27. März 2017, 12:42 Uhr

Ganz vorsichtig neigt Jonna (9), die in Gummisteifeln mitten im Lachsenbach steht, den Eimer mit ihrer wertvollen Fracht. Mit Unterstützung von Albrecht Hahn setzt die Viertklässlerin in wenigen Minuten 2000 kleine Meerforellen aus. Der Fischereimeister der Fischbrutanstalt Altmühlendorf (Verband der Binnenfischer und Teichwirte in Schleswig-Holstein) hatte gestern Vormittag vier große Plastikbeutel dabei, jeder mit 2000 sechs Wochen alten Meerforellen bestückt. Die Fische stammen zum größten Teil aus dem Schulprojekt der Richard-Vosgerau-Schule „Meerforellenbrutanlage und Nachzucht“ unter der Leitung von Lehrerin Hildegard Schenck, das im Rahmen der zertifizierten Zukunftsschule jetzt bereits zum zweiten Mal angeboten wird.

Das Projekt, das in den Kindern auf eine nachhaltige Weise Verständnis für biologische Vorgänge weckt, basiert nicht nur auf der reinen Beobachtung, sondern auf einer aktiven Teilnahme der Schüler. Im November besuchten die Viertklässler die Fischbrutanstalt und fungierten sozusagen als Paten: Sie verrührten die Rogen (Eier) und Milch (Sperma) miteinander, um eine Befruchtung der Eier herbeizuführen und Leben zu ermöglichen. Im Februar erschien Fischereimeister Hahn mit den Eiern in der Schule. Einige der kleinen Fische schlüpften noch während der Unterrichtsstunde, so dass die Kinder sich als Geburtshelfer bewähren mussten.

Gestern war dann der große Moment gekommen – ihre Fische sollten in die Freiheit entlassen werden. Bei idealen äußeren Bedingungen wurden insgesamt 8000, zirka zwei bis drei Zentimeter lange Meerforellen in den Lachsenbach ausgesetzt. Zunächst halten sich die neuen Bewohner in Gruppen in einem Kreis von rund 100 Meter auf, wo die Strömung gering ist und sie genug Plankton zum Fressen finden. Im Herbst beziehungsweise im Frühjahr nächsten Jahres wandern die Meerforellen dann in die Ostsee. Ausgewachsene Tiere werden bis zu 80 Zentimeter lang und acht Kilogramm schwer. Zum Laichen kehren die Fische in den Bach zurück. „Der Lachsenbach ist ein wichtiger Forellenlebensraum und sehr gut geeignet“, erklärt Hahn. Der Bewuchs an beiden Ufern verhindere im Sommer eine zu starke Sonneneinstrahlung , so dass das Wasser vergleichssweise kühl bleibe.

„Der Aspekt der Nachhaltigkeit spielt bei diesem Projekt eine große Rolle“, sagte Hildegard Schenck. Wichtig sei, dass die Viertklässler über einen längeren Zeitraum an allen Entwicklungsstadien der Fische teilnehmen. Vor den Sommerferien schaut Albrecht Hahn mit den Schülern erneut nach den Fischen, denn die Überlebensrate betrage Null bis 1,5 Prozent, so der Fischereimeister.

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