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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 09:18 Uhr

freimaurer : Freigeister statt Weltverschwörer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Freimaurerloge „Leuchte am Strande“ will mehr Einblicke in die Logenarbeit geben und mit den Mythen um den Geheimbund aufräumen. Gästeabende für Interessenten geplant.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 09:10 Uhr

Goethe, Lessing, Mozart, Friedrich der Große – all diese Männer haben etwas gemeinsam. Sie waren Freimaurer. Aber waren sie auch Weltverschwörer? Anhänger einer okkulten Sekte? Ritualmörder? Wenn man dem glaubt, was derzeit im Internet kursiert, ja. „Es steht einfach zu viel Blödsinn im Raum“, sagt Matthias Faermann, Logenmeister der Johannis-Loge „Leuchte am Strande“ in Eckernförde. Zusammen mit seinen Brüdern hat er deshalb beschlossen, mit den Vorurteilen aufzuräumen und mehr Einblicke in das Logenleben zu geben.

Die Frage, was genau Freimaurerei ist, kann Faermann mit einem Satz beantworten: „Sie ist das älteste Persönlichkeitstraining der Welt.“ Der Kerngedanke: Freimaurer arbeiten an sich selbst, um als bessere Menschen positiv auf die Gesellschaft zu wirken. Symbolisch für die eigene Persönlichkeit steht ein unbehauener Stein, der bearbeitet und irgendwann kubisch werden soll – daher auch das handwerklich geprägte Vokabular, das an die Steinmetze der alten Bauhütten angelehnt ist. Dogmen sucht man in der Freimaurerei vergeblich – eigene Meinungen seien ausdrücklich erwünscht. „Es gibt in der Freimaurerei kein richtig und kein falsch“, so Faermann.

Die meisten Mythen und Legenden, die sich um den jahrhundertealten Bruderbund ranken, stammen aus der Zeit des Dritten Reichs. Damals wurden Freimaurer aufgrund ihres aufklärerischen Gedankenguts von den Nationalsozialisten verfolgt und waren gezwungen, im Untergrund zu arbeiten. Für die meisten Spekulationen sorgen noch heute die Rituale, die seit 300 Jahren unverändert sind. Zylinder und weiße Handschuhe werden dabei getragen, ein Totenkopf und andere symbolische Gegenstände sollen dabei zum Einsatz kommen. Faermann muss lächeln. „Ja, es gibt Rituale“, sagt er, „sie sind sehr alt – und sie sind unblutig.“ Mehr will er nicht verraten, denn ihre Geheimhaltung sei vor allem für die neuen Mitglieder von Bedeutung. „Es soll immer noch etwas Besonderes sein, wenn man in eine Loge aufgenommen wird“, erklärt er. Der immer gleiche Ablauf ermögliche es außerdem, in jeder Loge auf der Welt an einem Ritual teilzunehmen – auch ohne die Sprache zu sprechen.

Ein lange Tradition hat die Freimaurerei auch in Eckernförde. Bereits im 18. Jahrhundert entwickelte sich auf dem Anwesen von Louisenlund unter dem Statthalter der dänischen Krone, Carl von Hessen, ein bedeutendes freimaurerisches Zentrum. 1880 wurde die Johannisloge „Leuchte am Strande“ gegründet. Als Tochterloge gehört sie der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland an – einer von drei Großlogen in Deutschland, die auf dem christlichen Glauben basiert. Früher war die Loge im Strandhotel in Borby zu Hause, doch die Kosten für das leuchtend gelde Haus wurden zu hoch, die Brüder zogen um. Heute haben sie ihr Logenhaus in der Noorstraße, direkt unter einem Seniorenheim.

44 Mitglieder hat die Loge derzeit, Tendenz steigend. Die Alterstruktur unter den Brüdern scheint im Wandel zu sein: Während der Durchschnitts-Freimaurer bei seinem Eintritt in die Loge über 40 ist, interessierten sich heute auch immer mehr jüngere Menschen für die Freimaurerei. „Bewerber sollten mindestens 21 Jahre alt sein. Aber auch da gucken wir uns von Fall zu Fall an, ob jemand schon so weit ist.“ Denn zum freimaurerischen Gedankentum gehöre eine gewisse Reife, der Eintritt in eine Loge sei schließlich „ein Bund fürs Leben“. Austreten könne man natürlich jederzeit, so Faermann, „aber dann ist da etwas grundlegend falsch gelaufen.“

Wer in den Bund aufgenommen werden will, muss sich erst in Geduld üben. Etwa ein Jahr dauert es, bis nach unzähligen Gästeabenden und persönlichen Gesprächen über die Aufnahme eines Bewerbers entschieden wird. Obwohl der karitative Gedanke nicht im Fokus der Freimaurerei steht, unterstützt die Loge auch viele soziale Projekte in der Region – darunter ein Schwerstbehindertenheim in Hamburg oder die Mittagessen-Versorgung im Kindergarten Borby.

Der nächste Gästeabend findet Ende Januar statt, der Termin wird noch bekannt gegeben. Infos unter www.freimaurer-eckernfoerde.de

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