Freie Sicht auf den Osterwall

Rund zwei Meter hoch ist  der Osterwall in Möhlhorst.  Doch ohne fachkundige Führung, wie mit Norbert Biermann (li.), ist dieser Abschnitt nicht zu entdecken.
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Rund zwei Meter hoch ist der Osterwall in Möhlhorst. Doch ohne fachkundige Führung, wie mit Norbert Biermann (li.), ist dieser Abschnitt nicht zu entdecken.

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21. Oktober 2010, 07:19 Uhr

Kochendorf/Fleckeby | Festes Schuhwerk und keine Scheu vor dichtem Pflanzenwuchs und Dornen sind erforderlich, um dem Osterwall, einem der ältesten Abschnitte des Danewerks, ganz nah zu kommen und ihn zu erleben. Doch dazu muss man den rund 1300 Jahre alten ehemaligen Verteidigungswall überhaupt erst einmal erkennen. "Der Osterwall ist Teil der Landschaft geworden, quasi in ihr verschwunden", sagt Norbert Biermann. Er ist Vertrauensmann des archäologischen Landesamtes, und Experte der Geschichte und Entstehung des Danewerks. Von der Großen Breite bis zum Winde byer Noor sperrte der Osterwall den südlichen Zugang zur Halbinsel Schwansen ab. Bereits in der Vorwikingerzeit haben dänische Könige zum Schutz der Schleswiger Landenge mit dem Bau des knapp 30 Kilometer langen Danewerks begonnen. Der Osterwall erstreckte sich über rund 3,5 Kilometer Länge.

Selbst Ortskundigen ist die historische Bedeutung des unter Denkmalschutz stehenden Osterwalls nicht bekannt. Teilweise noch gut erhalten zieht sich der Wall vom Windebyer Noor aus durch Kochendorf bis nach Fleckeby. Dabei sei in den vergangenen Jahren nicht gerade besondere Rücksicht auf den Verlauf des Walls genommen worden, sagt Biermann. Leichte Bodenerhebungen, Spuren des Osterwalls seien beispielsweise dem Pflug zum Opfer gefallen. Für die meisten ist der historische Osterwall "nur ein Knick", sagt Biermann, der in dieser Woche gut 40 Interessierte zu zwei archäologischen Führungen in Kochendorf eingeladen hatte. Anlass war die Ausstellung "Danewerk und Haithabu", die in der Freizeitstätte Frohsein eine Woche lang zu sehen war und auf das ehrgeizige Ziel, die Aufnahme der Wikingerstätten bei der Unesco als Weltkulturerbe, aufmerksam machen will (wir berichteten). Im Frühjahr 2012 soll die Bewerbung dafür eingereicht werden, doch bis dahin soll sich rund um den Osterwall noch einiges tun.

Bereits heute findet eine Begehung entlang des Osterwalls statt. Mit dabei sind Vertreter der Behörden, des Denkmalschutzes sowie Grundstückseigentümer. Im Mittelpunkt des Treffens steht ein Pflegekonzept für den Wall. "Insbesondere das Buschwerk und vor allem die Brombeeren müssen entfernt werden", erläuterte Biermann die Pläne. Auch einige Bäume müssten entfernt werden. "Unser Ziel ist, dass nur ein Drittel des Walls überkront ist", so der in Kochendorf lebende Osterwall-Experte. "Im Frühjahr soll es auch eine Beschilderung geben", wies Biermann auf das Projekt der Aktiv-Region Hügelland am Ostseestrand hin. Auch Rekonstruktionen des Osterwalls würden das Interesse wecken.

Auch sei geplant, in dem ehemaligen Feuerwehrhaus in Kochendorf weitere Erläuterungen zur Wikingerkultur einzurichten. Viele Antworten sollen die Besucher dort erhalten, viele Fragen sind aber noch ungeklärt. So wird vermutet, dass es am Windebyer Noor einen Wikingerhafen gegeben haben soll. "Eine günstige Landungsstelle, absolut plausibel", hält Biermann die Theorie des Archäologen Dr. Willi Kramer für realistisch, aber bislang nicht zu beweisen. "Wir wissen aber, dass es in der Bucht ein Steinfeld gibt, das hätten geophysikalische Messungen ergeben. Hierbei könnte es sich um Ballaststeine handeln, die früher beim Be- und Entladen der Schiffe zum Einsatz kamen. Eine Aufnahme als Weltkulturerbe würde Fördertöpfe für weitere Untersuchungen und Grabungen öffnen und dem Projekt ganz neue Möglichkeiten bieten, sagt Biermann.

Bis dahin bleibt nur, die sichtbaren Überreste des Osterwalls so zu gestalten, dass sie für Einheimische und Touristen zu einem attraktiven Ausflugsziel werden. Gut zu erkennen und ausgeprägt ist vor allem der Abschnitt des Osterwalls, der entlang des Hohlwegs in Kochendorf nach Möhlhorst und Dürwarde verläuft. Hier sind noch Wallhöhen von bis zu drei Meter erhalten geblieben. Sogar den Teil einer Bastion will Biermann in dem Weg ausgemacht haben. "Ein Blick von hier aus lässt erahnen, wie schwer es den Angreifern gefallen sein muss, gegen den Wall unserer Vorfahren anzurennen", sagt Biermann.

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