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Abschiedskonzert : Freek Mestrini sagt „Tschüß“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Letzter Workshop mit Konzert des ehemaligen Flügelhornisten der Egerländer mit dem Kappelner Schleiorchester: Abschiedskonzert in der Stadthalle.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2015 | 05:23 Uhr

Eckernförde | Ein Schnipps mit den Fingern, ein Wippen mit den Füßen des Meisters der Blasmusik und schon wurde das Publikum mitgerissen. In der Stadthalle herrschte am Sonntagnachmittag vom ersten Augenblick an eine ganz besondere Atmosphäre.

In dem voll besetzten Saal wurde geklatscht, geschunkelt und mitgesungen. Wie eine Welle riss Freek Mestrini (69) die Zuhörer mit in die Welt der böhmisch-mährischen Volksweisen. Zum neunten Mal hatte das Schleiorchester Kappeln den Maestro zu einem Workshop eingeladen, dessen krönender Abschluss das Konzert war. Orchestervorsitzender Uwe Kornienko freute sich über die große Resonanz. In Abstimmung mit Mestrini hatte Dirigent Johannes Kringel den Workshop gut vorbereitet. Freek Mestrini ist kein Unbekannter: Jahrelang war er Flügelhornist der Egerländer unter der Leitung von Ernst Mosch.

Mit viel Charme moderierte er durch den Nachmittag, erntete gleich am Anfang tosenden Applaus und hatte dennoch eine traurige Mitteilung für seine Fans: „Es ist das letzte Mal, dass ich diese Musiker begleite, ich höre auf.“ Die Oh-Rufe waren nicht zu überhören. „Ich möchte nicht wie Jopi (Heesters) enden. Ich gehe, solange Ihr ’Schade’ sagt. Es geht ja weiter.“

Mestrini plauderte aus seinem Leben, seiner Karriere, die er als kleiner Junge mit Liebe zu schönen Uniformen begann. Nach seinem Studium im niederländischen Kerkrade und Antwerpen machte er als Solotrompeter in der königlich-niederländischen Marine und als Trompeter in der Oper Rotterdam seine ersten Karriereschritte. Durch Zufall traf er auf Ernst Mosch und die Egerländer Musikanten, über 21 Jahre gehörte er als freischaffender Musiker zum Ensemble. Mestrini gesteht: „Mein Leben gehört der Blasmusik.“ Und man glaubt es ihm sofort, als Lieder wie „Rauschende Birken“, „Egerland Heimatland“ und die „Dompfaff-Polka“ erklangen.

Die Musiker, die teilweise aus Berlin, Bad Gandersheim, Bremerhaven, Bremm/Mosel, Hamburg und aus der Region Schleswig, Schuby, Eckernförde und Borby zum Workshop angereist waren, gaben alles.

Der Paukenton kam aus Borby von Ralf Wiebenson, am Tenorhorn war mit 18 Jahren der jüngste Musiker des Orchesters, Sebastian Grell, während Johannes Thiessen (81) an der Posaune der Älteste in der Runde war.

Die Verbundenheit der Musiker mit Mestrini war zu spüren. Jeder Fingerschnipp, jede Geste wurde aufgenommen. Der Maestro kennt seine Musiker: „Büschi, komm das spielst Du doch gerne“, sagte er und schaute zu Petra Geisbüsch am Tenorhorn, die schon zum achten Mal dabei war.

Für Überraschungen sorgten die Solotrompeter Christoph zur Mühlen, Björn Nebel, Tobias Lehmann und Uwe Kornienko. Besonderen Applaus erhielt Ulrich Jessen, der die Dachziegel-Polka spielte. Mit dem letzten Ton zersprang die Dachziegel wie gewollt, die Zuhörer belohnten diese Kunst mit Zugabe-Rufe. Der Maestro hatte als Abschiedsgeschenk seine neue CD zum Sonderpreis mitgebracht, die in der Pause schnell in die Hände der Besucher wanderte.

Hans Georg Koesleng und Ingeborg Petersen aus Borby waren angetan: „Wir haben dieses Orchester in dieser besonderen Besetzung noch nicht gehört, aber sind sehr begeistert. Kompliment an die Musiker, sie leisten wirklich etwas und der Dirigent strahlt solch eine Lebendigkeit aus. Man merkt, dass er Berufsmusiker mit Leib und Seele ist. Ein wunderschönes Konzert.“ Hans Heinrich Lorenzen ist selbst Musiker und spielt Saxophon: „Dieses Konzert ist einfach toll, man merkt die Freude bei jedem Spieler.“

Das Feuerwerk entzündete Mestrini zum Schluss mit der irischen Folklore „Lord oft the Dance“. Stehend applaudierten die Zuhörer und forderten immer wieder Zugaben. Mestrini wies darauf hin: „Es geht ja weiter, Johannes Kringel wird im kommenden Jahr den Taktstock schwingen, und ich weiß, Ihr seid beim Konzert alle wieder da!“ Mestrini will sich jetzt mehr Zeit nehmen für sein Hobby, das Angeln. Eckernförde will er unbedingt wieder besuchen, in seiner Freizeit.

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