Schülerprotest gegen Kürzungen : Frau Wende bekommt Post aus Eckernförde

Einen Protestbrief an die Bildungsministerin Waltraud Wende haben die Schüler der  Grund- und Gemeinschaftsschule  Süd geschrieben. Laura, Leon und Hedda (v. l.) sind drei von 350 Schülern, die im Brief ihre Sorgen ausdrücken.
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Einen Protestbrief an die Bildungsministerin Waltraud Wende haben die Schüler der Grund- und Gemeinschaftsschule Süd geschrieben. Laura, Leon und Hedda (v. l.) sind drei von 350 Schülern, die im Brief ihre Sorgen ausdrücken.

Schüler organisieren Aktionen an beiden Standorten der Grund- und Gemeinschaftsschule, um gegen Einsparungen im Bildungsbereich zu demonstrieren. Morgen ist ein Trauermarsch zum Kieler Landeshaus geplant.

shz.de von
18. Juni 2014, 10:36 Uhr

Eltern und Schülern reicht es jetzt: Sie wollen die geplanten Kürzungen im Bildungsbereich nicht hinnehmen. Für das Schuljahr 2014/2015 plant die Landesregierung eine deutliche Kürzung der Lehrerstellen und der Unterrichtsstunden. Auch Eckernförder Schulen sind betroffen. So ist an der Grund- und Gemeinschaftsschule Süd (ehemals Albert-Schweitzer-Schule, GGS) eine Reduzierung um 33 Wochenstunden vorgesehen. An der Grund- und Gemeinschaftsschule Nord (ehemals Gudewerdt-Schule, GGN) sollen ab dem nächsten Schuljahr sogar 159 Lehrerstunden pro Woche wegfallen. Zwar hat das Land am Montag aufgrund einsetzender Proteste einen geringeren Abbau der Lehrerstellen verkündet, was aber nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sei, sagt Dirk Vetter, Vorstandsmitglied des Elternbeirats der Grund- und Gemeinschaftsschule Eckernförde. Natürlich könne das nicht ausreichen, um eine vernünftige Schulbildung der Kinder zu gewährleisten.

„Viel wichtiger aber ist , dass das Planstellungsausschreibungsverfahren noch einmal neu gestartet wird“, fordert Vetter. Das Bildungsministerium hatte auch die Lehrer an den beiden Standorten der Grund- und Gemeinschaftsschule aufgefordert, ihre Versetzungsswünsche an diejenigen Schulen, an den Lehrer fehlen, zu benennen. Laut Ministeriumsvorgabe sollen 5,79 Planstellen an beiden Standorten wegfallen. „Das entspricht sechs bis neun Lehrerstellen“, rechnet Vetter vor. „Es hat doch keinen Sinn, bekannte Lehrer zu versetzen, um dann im August den Schülern neue Lehrer vorzusetzen“, bekräftigt Vetter die Forderung der Eltern und der Schüler. Diese starteten gestern Vormittag gemeinsam eine Protestaktion sowohl in der Schule am Pferdemarkt als auch in der Schule im Wulfsteert.

Ein ohrenbetäubendes Trommel-, Tröten- und Pfeifkonzert veranstalteten die Jungen und Mädchen auf dem Schulhof der GGS. Sie hielten Transparente hoch, auf denen „Wir wollen unsere Lehrer behalten“ und „Schleswig-Holstein spart sich dumm“ zu lesen war. Schüler umringten ihre Lehrer und hielten ihre Hände über sie, als sie das Gebäude verließen. „Wir wollen unsere Lehrer halten und beschützen“, erklärte Vetter die Aktion.

350 Kinder in den Klassenstufen 1 bis 6 werden in der Schule im Wulfsteert unterrichtet. Im Unterricht hat jeder Schüler einen Protestbrief an die Bildungsministerin Waltraud Wende verfasst, in der er seine Sorgen schildert. So schreibt Laura (10) aus der 5. Klasse: „Ich habe gehört, dass gespart werden muss. für mich bedeutet das, dass wir weniger Stunden bekommen und das wir später weniger Chancen haben. Sie hatten Glück. Sie konnten eine gute ausbildung machen um an diese Stelle zu kommen. Aber wir kriegen so etwas nie hin wen Sie uns die Stunden wegnehmen.“ Leon (11, 5. Klasse) sorgt sich um seine Rechenkünste: „Für mich bedeutet das, dass ich zum Beispiel weniger Mathe-Stunden habe, das ich probleme beim Einkaufen habe, weil ich die Wahren nicht richtig zusammenzählen kann.“ (Anmerkung d. Red. : in Originalschreibweise zitiert) Hedda (10, 4. Klasse) befürchtet aufgrund einer zu großen Klassenstärke, dass es „automatisch lauter“ wird.“

Deutliche Worte fallen bei der Schülerverwaltung der GGN. „Wir protestieren gegen die Sparmaßnahmen der Landesregierung“, so Schülersprecher Eric Schulte-Göcking (16). Noch schärfer formuliert Maritt Richter (15) von der SV ihre Kritik: „Die Pläne entsprechen nicht mehr dem Prinzip der Gemeinschaftsschule. Das Schulsystem hat versagt.“ Mehrere Hundert der 700 Schüler beteiligten sich parallel zu der Aktion in der GGS lautstark an der Protestaktion in der GGN.

Morgen ist eine Demonstration der Arbeitsgemeinschaft Bildungsinitiative Schleswig-Holstein in Kiel geplant. Schüler und Eltern wollen nach einem Trauermarsch (13 Uhr ab Hauptbahnhof) zum Landeshaus Bildungsministerin Wende und Ministerpräsident Albig in einem Sarg ihre Briefe übergeben.

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