Fehmarnbelt : Forschungsschiff sammelt Daten

Palle Mikkelsen (62), Chef der Wissenschaftler, mit einer Sonde. Im Hintergrund: Die Bojen des festen Messnetzes. Fotos: Ruff
1 von 2
Palle Mikkelsen (62), Chef der Wissenschaftler, mit einer Sonde. Im Hintergrund: Die Bojen des festen Messnetzes. Fotos: Ruff

Wissenschaftler untersuchen, welche negativen Folgen das gigantische Bauwerk der Fehmarnbelt-Brücke auf der Ostsee für die Umwelt haben könnte.

Avatar_shz von
19. Mai 2009, 12:32 Uhr

Fehmarn | Es ist das größte europäische Bauprojekt, und egal ob als Brücke oder Tunnel - die feste Querung über den Fehmarnbelt wird Weltrekorde brechen: 19 Kilometer Ostsee zwischen Puttgarden und dem dänischen Rødby sollen bis zum Jahr 2018 überwunden sein. Doch die Folgen für die Umwelt sind noch unklar. Jetzt haben Wissenschaftler damit begonnen zu erforschen, welche Auswirkungen das gigantische Bauwerk auf die Ostsee haben wird. Die dänische Planungsgesellschaft "Femern Bælt A/S" hat dafür eine norwegische Fähre gekauft, zum Forschungsschiff umbauen lassen und auf den Namen "Miljø" (Umwelt) getauft.
An Bord riecht es noch nach frischer Farbe, in einem Container auf dem Oberdeck flimmern Messdaten über Monitore, zwei Kranausleger am Heck lassen Instrumente zu Wasser oder holen Proben an die Oberfläche. "Wir haben ein Netz von 13 Mess bojen errichtet, werden außerdem in den kommenden drei Jahren mit diesem Schiff jeden Monat an 82 Stellen überall in der Ostsee das Wasser untersuchen", sagt Siegfried Krüger (55). Er ist Leiter der Abteilung Messtechnik am Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde und einer der drei Wissenschaftler an Bord (ein Deutscher, zwei Dänen). "Wir erheben in verschiedenen Tiefen Daten über die Strömung, die Wellenhöhe, den Sauerstoff- und Salzgehalt des Wassers, seine Temperatur, Trübung und den Algengehalt."
"Grundsätzlich ist noch keine Entscheidung gefallen"
Mit diesen Daten sollen Computerprogramme voraussagen, welche Auswirkungen eine Brücke oder ein Tunnel haben würden. Eine Sorge: Zu wenig salz- und sauerstoffhaltiges Nordseewasser könnte künftig durch die Meerenge in die Ostsee gelangen. Siegfried Krüger: "Wasser mit unterschiedlichem Salzgehalt strömt in verschiedenen Schichten. Verwirbelt es hinter Brückenpfeilern, könnte der Austausch gebremst werden." Die Daten der Wissenschaftler sollen in diesem Fall dafür genutzt werden, den Abstand zwischen den Brückenpfeilern und deren Form zu optimieren.
"Grundsätzlich ist aber noch keine Entscheidung für Brücke oder Tunnel gefallen", versichert Karsten Holmegaard, Sprecher von "Femern Bælt A/S". "Es gibt zwei Konsortien, die beide Alternativen komplett planen." Im Sommer beginnen allerdings ausgewählte Kapitäne damit, verschiedene Brückenmodelle im Simulator zu durchfahren.
Die Bundesregierung wird die Entscheidung, welches Bauwerk am Ende entsteht, am 28. Mai aus der Hand geben. Dann wird im Bundestag über den Staatsvertrag abgestimmt, der den Dänen die Planungshoheit überlässt. Eine halbe Stunde ohne Aussprache ist dafür vorgesehen, als Punkt 30 von 34 Punkten auf der Tagesordnung. Weit nach Mitternacht werden die Abgeordneten die Hand heben. "Wir erwarten keine Probleme", heißt es von der "Femern Bælt A/S".

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen