Folk funktioniert auch im Winter

Das Trio Nordic aus Schweden ist bereits aus dem vergangenen Jahr bekannt, als es zum Publikumsliebling avancierte. Foto: Rathjens (2)
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Das Trio Nordic aus Schweden ist bereits aus dem vergangenen Jahr bekannt, als es zum Publikumsliebling avancierte. Foto: Rathjens (2)

Die Bands Nordic und Riders of the lost Roll sowie Jan Graf gaben in Carls Showpalast einen Vorgeschmack auf die Folk Baltica im April

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14. Januar 2013, 08:52 Uhr

Eckernförde | Zeitloser Folk, so anheizend, dass er selbst im Winter Carls Showpalast mit glühenden Rhythmen füllt. Aus dem tiefsten Schweden ("Nordic"), aus dem großen Polen ("Riders of the lost Roll") und aus dem beschaulichen Buxtehude (Jan Graf) waren die Künstler der ersten Winterausgabe des Folk-Baltica-Festivals angereist. Sie boten den knapp 200 Zuschauern ein Fest der instrumentalen Vielfältigkeit und berauschenden Melodien.

Nicht nur der neue künstlerische Leiter der Folk Baltica, der Däne Harald Haugaard, der im vergangen Jahr selbst noch seinen musikalischen Anteil zum Gelingen des symbolisch grenzüberschreitenden Musikfestival geleistet hatte, drückte aus, wie wichtig die Erhaltung dieser Volksmusik nicht nur in Skandinavien sei. "Für uns ist Folk eine lebendige Tradition, sie entwickelt sich die ganze Zeit", so Haugaard.

Das sieht auch Liedermacher Jan Graf so, der sich auf den einsamen nächtlichen Autobahnen Lüneburgs schon mal fragt, wer außer ihm eigentlich noch gerade in den Sternenhimmel guckt und welche außerirdischen Lebensformen dort oben herumfliegen, denn: "Wi send nech alleen", ist sich Graf sicher. Der Buxtehuder schafft es mit filigranem Humor das Publikum nicht nur mit seinen eigenen Texten zu begeistern, für die er sich unter anderem friesische Lyrik als Grundlage ausgesucht hat. Auch die Übergänge zu den internationalen Gästen gelingen: "Wir sind heute Nachmittag alle pünktlich um 15 Uhr angekommen. Da haben die Schweden erst einmal den Schnee mitgebracht. Gefällt mir gar nicht so gut - ich hab doch extra ein Lied über Regen geschrieben", sagt Jan Graf und greift zum stilechten Akkordeon. Denn: "Wir wollen den Folk ja ernst nehmen, da gehört das dazu."

Auch bei dem polnischen Quartett "Riders of the lost Roll" ("Reiter der verlorenen Rolle") findet das Instrument Verwendung. Polen, das Schwerpunktland der neunten Auflage der Folk Baltica vom 17. bis 21. April, kann sich durch die Warschauer Gruppe hören lassen. Ihre Mission: Die Überbleibsel der alten Musik polnischer Dörfer noch einmal aufleben lassen. "Nun spielen wir ein traditionell polnisches Folklied, der Titel bedeutet übersetzt: Gestern hat es noch geregnet, aber nun ist schon wieder Sommer." Vorsichtig tasten sich die fünf Musiker an ihren Sound zum "Walking Dance" heran. Es mag ihnen noch ein klein wenig mehr Mut für ihren Auftritt im Frühling zu wünschen sein - denn verstecken müssen sich ihre lebhaften Melodien keineswegs.

Routinierter kamen da schon die schwedischen Folküberflieger "Nordic" auf die Bühne. Das Trio hatte sich beim Folk-Baltica-Festival 2012 mit einem gefeierten Auftritt einen Namen gemacht. Nicht nur mit unkonventionellen Instrumenten wie der Schlüsselharfe konnten die drei jungen Herren, die alle in ihrer Heimat die Folkmusik als Studienfach gewählt haben, glänzen, sondern auch mit zündendem Humor: "Unser nächster Song heißt Eight Bites. Inspiration dafür haben wir uns beim Videospielen geholt." Subtiler kommen da nur noch ihre zarten Klänge der kühlen skandinavischen Volksmusik daher, welche klarmacht: Die Tradition lebt weiter!

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