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Deutsch als fremdsprache : Flüchtlinge: „Wir wollen mehr lernen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Im Owschlager Abendkursus „Deutsch als Zweitsprache“ sind die Teilnehmer aus aller Herren Länder mit Eifer bei der Sache

von
erstellt am 07.Okt.2014 | 07:21 Uhr

„Der Vater bügelt” sprechen die erwachsenen Teilnehmer des Abendkurses „Deutsch als Zweitsprache“ Lerntherapeutin Liane Lettau nach. Hochmotiviert konjugieren die zehn teilnehmenden Asylbewerber weitere Verben und kämpfen sich gemeinsam durch die Tücken der deutschen Grammatik und Aussprache. „Schon nach einem Monat merke ich große Fortschritte. Wir kommen immer besser ins Gespräch und haben viel Spaß zusammen”, sagt Lettau erfreut. Da es keine Integration ohne Sprachkenntnis gäbe, sei ihr die Erwachsenenbildung eine Herzensangelegenheit, betont die Pädagogin.

Seit etwa zehn Jahren unterrichtet Lettau ausländische Kinder an der Owschlager Grund- und Regionalschule in dem Fach „Deutsch als Zweitsprache”. „Die Kinder sprechen schnell sehr gut deutsch, doch es ist auch wichtig, dass ihre Eltern die Möglichkeit bekommen, die deutsche Sprache zu erlernen”, weiß Lettau. Deshalb sei sie sehr froh, dass die Gemeinde und das Amt diesen Sprachunterricht an zwei Abenden pro Woche möglich gemacht hätten.

Bürgermeisterin Christiane Ostermeyer hatte den Vorschlag Mitte August auf der letzten Schulausschusssitzung vorgetragen. „Sobald klar war, dass die Finanzierung steht, konnten wir Anfang September sofort loslegen. Der Kreis und das Amt zahlen den Hauptteil, und einen kleinen Eigenanteil bestreiten die Asylbewerber selbst für ihren Unterricht”, erklärt Ostermeyer.

Auch Schulleiterin Astrid Heinig-Laabs unterstützt das Projekt: „Die Vernetzung Schule und Gemeinde ist wichtig und notwendig, um den Asylbewerbern beim Spracherwerb Hilfe zu leisten. Hierfür stellt die Schule Räumlichkeiten und Material zu Verfügung.”

Der 24-jährige Ramez Sarwary, der vor zwei Monaten aus Afghanistan nach Owschlag kam, erzählt (auf Englisch): „Ich wollte so gern deutsch lernen und bin glücklich, dass ich jetzt die Gelegenheit dazu habe. Es ist so wichtig für uns, damit wir uns bei Arztbesuchen oder beim Einkaufen verständigen können. Der Doktor hat mich bei meinem letzten Besuch gelobt, dass ich schon einiges auf Deutsch sagen konnte.” In seiner Heimat hat der sprachbegabte junge Mann Jura studiert und als Verteidiger gearbeitet. Er sei froh, dass er hier gemeinsam mit seinem Zimmergenossen Wahid Yousefi auf dem Bauhof arbeiten dürfe. Auch durch den Kontakt zu den neuen Kollegen lerne er die deutsche Sprache, berichtet Sarwary.

„Vor dem Hintergrund, was man in der Presse hört, geht es uns sehr gut mit unseren Asylbewerbern, es ist ein harmonisches Miteinander”, betont Bürgermeisterin Ostermeyer. Für das gute Miteinander sorgt vor allen Dingen auch Anja Mildner, die Sozialarbeiterin der Gemeinde Owschlag. Zurzeit betreut die 44-Jährige 33 Asylbewerber, darunter 16 Kinder. In Kürze werden sechs weitere eintreffen. Mildner leistet Hilfe bei Behördengängen, Arztbesuchen und Einkäufen, meldet die Kinder in Kindergarten und Schule an, verteilt Spenden und kümmert sich engagiert um die Sorgen und Nöte der Asylbewerber. Auch sie ist glücklich über den abendlichen Unterricht: „Es läuft wunderbar. Der Sprachkursus stärkt den Zusammenhalt und macht den Menschen viel Freude. Sie sind sehr motiviert und erzählen fröhlich von dem neu Gelernten.” Die Hilfsbereitschaft seitens der Bevölkerung sei groß, berichtet die Sozialarbeiterin. Sie bekomme viele Sachspenden und weitere Hilfsangebote. Besonders freue sie sich über die ehrenamtliche Unterstützung der Studentin Annika Hagge, die sich mit vielen tollen Ideen spielerisch um die Kinder der Asylbewerber kümmere und diese bei den Schularbeiten unterstütze. Gut gebrauchen könnten die Flüchtlinge zurzeit weitere Fahrradspenden und eine noch funktionstüchtige Nähmaschine.

„Es ist toll, dass unsere Gemeinde so offen ist und dass die Vernetzung von Politik, Bevölkerung, Schule und Ausländern so gut klappt”, betont Lettau und ergänzt: „Wir hoffen, dass wir die Deutsch-Sprachkurse für die Erwachsenen in Zukunft weiterhin anbieten dürfen und diese vielleicht noch ausbauen können”. Da trifft sie bei den Asylbewerbern auf viel Zustimmung: „Zwei Stunden Deutsch in der Woche sind zu wenig, wir möchten gerne noch viel mehr lernen”, sind sich die erwachsenen Schüler einig.



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