Dauerregen : Fluch und Segen der nassen Flut

Richtig angezogen kommt man gut durch jede Regenfront: Bei Kirsten und Hermann Wolter ist Regenbekleidung seit Tagen der Renner.
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Richtig angezogen kommt man gut durch jede Regenfront: Bei Kirsten und Hermann Wolter ist Regenbekleidung seit Tagen der Renner.

Trüben Gedanken und nassen Füßen zum Trotz: Der Regen hat tatsächlich auch positive Auswirkungen.

shz.de von
16. Januar 2015, 06:16 Uhr

Eckernförde | Zehn Tage Dauerregen – wer wird da nicht langsam mürbe? Der Blick am Morgen aus dem Schlafzimmerfenster treibt mittlerweile selbst den geneigtesten Optimisten zurück ins Bett. Die Sonne gönnt sich eine Auszeit, es dämmert den ganzen Tag. Und die Aussichten sind durchwachsen: Zwar soll der Regen laut verschiedener Wetterdienste ab heute nachlassen, doch bleibt die Sonne vorerst im Urlaub. Stattdessen rutschen die Temperaturen langsam in den Keller, so dass sich der nächste Niederschlag vielleicht als Schnee entpuppt.

Doch nicht alle sehen den Dauerregen als Fluch: Im Hagebaumarkt zum Beispiel sind Schlitten und Schneeschieber zwar zurzeit Ladenhüter, dafür brummt das Geschäft mit Tauch- und Klarwasserpumpen sowie mit Abdeckplanen für den Außenbereich. „Antizyklisch“ nennt Marktleiter Norbert Engelhardt diese Entwicklung und hofft darauf, dass sich der Regen in den kommenden Wochen doch noch in Schnee verwandeln wird, damit auch die Schlitten noch Abnehmer finden.

Auch die Betreiber von Textilgeschäften können zurzeit einen deutlichen Favoriten vorweisen: „Regenbekleidung ist der Renner“, sagt Kirsten Wolter vom Geschäft „Krafft Lorenzen“. Gefragt seien Kombinationen aus wasserdichten Jacken und Hosen. „Winterjacken laufen dagegen nicht so gut.“ Besonders Gummistiefel können sie und ihr Mann Hermann zurzeit losschlagen. „Sogar Frauen, die bisher aus modischen Gründen grundsätzlich keine Gummistiefel getragen haben, sagen jetzt, dass sie nicht mehr drum herum kommen.“

Bestens gerüstet für das Schietwetter lässt es sich also in Eckernförde aushalten. Selbst die Touristiker beschweren sich nicht: „Der Januar ist für uns unwichtig“, sagt Touristik-Geschäftsführer Stefan Borgmann. „Im Gegenteil: Es trifft genau den richtigen Monat. Es kann sich also ruhig abregnen, damit es im Frühjahr und Sommer wieder schön wird.“ Auch auf die Buchungen habe das Wetter keinen Einfluss.

Den hat der Regen dafür an ganz anderer Stelle: Im Klärwerk sieht Abwassermeister Carsten Meusel gut gelaunt der trockenen Periode entgegen. „Wir sind an der Grenze“, sagt er. „Gut dass es jetzt aufhören soll zu regnen.“ Das zusätzliche Wasser hat die Klärbecken um 10 bis 20 Zentimeter angefüllt, was kein Problem darstellt. Zwar dürfte es jetzt stetig weiter-, jedoch nicht noch stärker regnen. Das wären die Tropfen, die das Fass im wahrsten Sinne des Wortes zum Überlaufen bringen könnten.

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