Von Eckernförde ins Mittelmeer : Flottendienstboot "Alster" auf geheimer Mission

Auf Wiedersehen: Tränen und viele gute Wünsche begleiteten die Soldaten beim Ablegen aus dem Kranzfelder Hafen im Marinestützpunkt. Foto: Peters (2)
1 von 2
Auf Wiedersehen: Tränen und viele gute Wünsche begleiteten die Soldaten beim Ablegen aus dem Kranzfelder Hafen im Marinestützpunkt. Foto: Peters (2)

"85 Soldaten brechen zu "nationaler Aufklärungsfahrt" ins Mittelmeer auf

shz.de von
05. November 2011, 07:15 Uhr

Eckernförde | "Ich muss nur noch kurz die Welt retten, und gleich danach bin ich wieder bei dir..." Da flossen die Tränen: Kurz nachdem das Flottendienstboot "Alster" gestern Vormittag den Kranzfelder Hafen in Richtung Mittelmeer verlassen hatte, spielte die 85-köpfige Besatzung das Lied von Tim Bendzko über die Bordlautsprecher. Vier Monate lang werden die 76 Männer und neun Frauen, darunter auch Angehörige von Heer und Luftwaffe fern der Heimat sein. Unter dem Kommando von Korvettenkapitän Maik Riegel absolvieren sie eine "nationale Aufklärungsfahrt".

Das Besondere: Erstmals seit Bestehen des 1. U-Boot-Geschwaders wird sich eine Einheit über Weihnachten und Jahreswechsel nicht im Kranzfelder Hafen befinden. Das Weihnachtsfest werden die Soldaten im Hafen von Larnaka auf Zypern feiern, bevor es kurz vorm Jahreswechsel wieder auf See geht und dort auch das neue Jahr begrüßt wird. Am 1. März 2012 wird die "Alster" in Eckernförde zurückerwartet.

Sowohl Kommandant Maik Riegel als auch Geschwader-Kommandeur Sascha Rackwitz hielten sich bedeckt, was das eigentliche Ziel der Aufklärungsfahrt ist. In den vergangenen Jahren lagen die Mittelmeerfahrten stets in der Überwachung des Schiffsverkehrs im Zuge der Nato-Operation "Active Endeavour" oder der Uno-Mission Unifil begründet. Eine "nationale Aufklärungsfahrt" hatte es nicht gegeben. "Überall, wo Krisengebiete sind, sind auch Flottendienstboote vor Ort", so "Alster"-Kommandant Maik Riegel, "um ein Lagebild für den Großbereich Mittelmeer zu geben".

Dass die "Alster" über Weihnachten als Einzelfahrer unterwegs ist, habe es noch nie gegeben, sagte Geschwader-Kommandeur Sascha Rackwitz. Jedoch seien nationale Aufklärungsfahrten nicht ungewöhnlich, um die deutschen Interessen zu vertreten. Wer die Zeitungsmeldungen verfolge, könne sich selbst ein Bild davon machen, in welchen Mittelmeerländern es zurzeit im Rahmen des arabischen Frühlings brodelt. Damit ist Spekulanten Tür und Tor geöffnet: Ob der Nahe Osten mit Syrien als Unruheherd das Ziel ist oder gar der Iran die Ursache für die ungewöhnliche Reise ist, weiß niemand. Erst gestern berichtete unsere Zeitung, dass sich Israel mit Hilfe der Nato auf einen Schlag gegen die Nuklearanlagen Irans vorbereitet.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen