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Eckernförder Zeitung

24. Juni 2017 | 10:58 Uhr

Schifffahrt : Floßfahrt zur Kieler Woche

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Drei Zimmermanngesellen auf der Walz haben Floß gebaut / Morgen öffentliche Floßtaufparty / Dienstag stechen sie in See Richtung Kiel

Rieseby | Ein Sonnenliegedach, ein Golfabschlagplatz, drei Hängematten und ein ausreichend großer Vorrat an Essen und Getränken – viel mehr Luxus werden die drei Zimmermanngesellen Leon Schroller (21), Vincent Vollmers (20) und Thorben Beyersdorf (22) auf ihrem Floß Marke Eigenbau nicht haben. Seit rund einer Woche machen sie auf ihrer Walz wieder Station in Büstorf bei der Firma Schlei Holz von Sebastian Wähnert. Ihr Ziel: Ab Dienstag wollen sie mit dem rund sieben mal vier Meter großen Floß über Schlei und Ostsee nach Kiel zur Kieler Woche fahren. Dort planen sie ihre Ankunft am Sonnabend, 24. Juni.

Noch aber liegt viel Arbeit vor den Dreien, die tatkräftig von Sebastian Wähnert und seiner Partnerin Jessica Hartmann unterstützt werden. Während Jessica Hartmann die Jungs „versorgt wie Mutti zuhause“, wie Leon dankbar erzählt, stellt Wähnert den Gesellen seine Maschinen, Material und auch Arbeitskraft zur Verfügung. „Das ist einfach eine tolle Erfahrung mit den Jungs“, sagt er. Dabei lobt er die Zimmermänner, die ihr Ziel ehrgeizig verfolgen.

Viel Zeit bleibt dem Team aber nicht mehr. Morgen ab 16 Uhr wird zur öffentlichen Floßtaufe eingeladen (Parken nur auf dem öffentlichen Parkplatz). In der Halle wird gefeiert, gefachsimpelt und getanzt. Dabei hoffen die Handwerker auf viele Gäste, damit die kalten Getränke und heißen Grillwaren gegen Spenden unters Volk kommen. „Wir müssen unsere Ausgaben etwas kompensieren“, berichtet Thorben. Dabei danken sie unter anderem Schlachter Holst, Gastronom Huber und der Flensburger Brauerei für ihre Unterstützung. Und: „Ohne die Hilfe von Sebastian und seiner Frau wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt Vincent und dankt im Namen seiner Kumpels.

Extrem viel geplant wurde der Bau nicht. „Klar haben wir eine Zeichnung gemacht und den nötigen Auftrieb berechnet“, erklärt Leon, aber Details „die ergaben sich beim Bau“. „Die besten Ideen und Modifikationen kommen uns abends, wenn wir über das Projekt reden“, ergänzt Wähnert. So war er es auch, der die Idee für einen Kunstrasen-abschlagplatz auf der kleinen Floßhütte hatte. „Wir sind eben alle gleich bekloppt“, stellt Leon fest.

Das Gewicht des Floßes, dessen Hölzer die Jungs aus über 20 Fichtenstämmen gesägt haben, schätzen sie auf rund 1300 Kilogramm. Bislang haben sie acht Fässer a` 220 Liter als Auftriebskörper unter der Floßfläche installiert. Sie sollen 1600 Kilogramm Auftrieb schaffen. Da sie aber gerne etwas höher im Wasser liegen möchten und auch gewisse Vorräte an Bord schaffen müssen, sollen vier weitere Fässer installiert werden.

Derzeit errichten sie eine Reling und sorgen für ein Hüttendach. Hatten sie zunächst geplant auch ein Segel zu installieren, so reichte dafür die Zeit nicht mehr aus. Nun werden sie auf zwei Außenbordmotoren setzen, die sie über die Schlei und dann immer schön an der Ostseeküste entlang bis nach Kiel schieben sollen. Auch an ihre Sicherheit haben sie gedacht. So werden Rettungsringe installiert und es wird eine Jolle als Rettungsboot an Bord genommen, erklärt Vincent.

Besonders spannend wird es am Sonntag. Da soll das Floß in die Schlei gesetzt werden. Der derzeitige Plan sieht vor, dass sie das vordere Floßteil auf einen Anhänger auflegen, der von einem Pkw gezogen wird. Der hintere Teil soll mit einem Radlager angehoben werden. So sollen die gut 500 Meter zur Schlei zurückgelegt werden. Ob es dann schwimmt, wird sich zeigen. Aber auch dann wird es eine Lösung geben, da sind sich die Vier sicher. Liegt das Floß im Wasser folgen Restarbeiten. So müssen sie noch vier Schwerter installieren, damit der Holzbau besser die Spur hält und weniger abdriftet.

Erreichen sie Kiel, dann wollen sie das Floß versteigern. Ihr Traum ist es, damit ihre Reisekasse aufzubessern, um dann einer Einladung nach Neuseeland zu folgen, wie Leon berichtet. In jedem Fall werden sie nach der Kieler Woche noch rund sechs Wochen in Büstorf arbeiten. Dann wird es Thorben nach Kroatien ziehen, während die beiden anderen eher nach Bayern oder an den Bodensee gehen. Aber sicher ist das nicht. „Walz ist immer sehr spontan“, wie die Zimmerleute lachend feststellen und wieder zum Werkzeug greifen.

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erstellt am 16.Jun.2017 | 06:54 Uhr

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