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Eckernförder Zeitung

16. August 2017 | 21:24 Uhr

Fliegende Fische an Bord

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schöne und manchmal auch turbulente Fahrten auf den „Butterdampfern“: Erlebnisse und Erinnerungen an bewegende Momente an Bord

Lang, lang ist sie her, die Zeit der fröhlichen Butterfahrten. Die Zeit, in der täglich die Busse anrollten, denen Menschen entstiegen, oft mit Krückstock, der auch gerne zum Platzschaffen benutzt wurde. Da wurden alte Beine flink bewegt, um sich den besten Platz am Fenster oder nahe der Tanzfläche zu ergattern. Dann waren da noch die anderen Gebrechlichen, denen man ihr Leiden nicht ansah, das waren die „Kurlauber“, die die Kurkliniken rund um Eckernförde bevölkerten, also etwas für ihre Gesundheit taten.

Sie nutzten diese Fahrten, um tüchtig abzutanzen – oft reichlich temperamentvoll. Ihnen gehörte die Welt an Bord und erst recht die kleine, stets überfüllte Tanzfläche. Dann gab es noch uns, die in diesem Gewusel ihren Job machten. Wir sorgten für ihr leibliches Wohl, schlichteten nur zu oft einen entbrannten Streit zwischen den Parteien, oder, was nicht selten geschah, verbrachten schon einmal einen zu temperamentvollen Fahrgast an einen ruhigen Platz, wenn der zu reichlich genossene Alkohol seine Wirkung zeigte.

Als Gastpersonal war ich auf allen Schiffen unserer Reederei zuhause. Mein Arbeitsplatz waren der untere und der obere Salon wie auch der Deckskiosk. Es gab für mich reichlich zu tun. An einem dieser Tage ging es besonders hoch her. So musste ich meinen Nachschub selbst aus der Bordküche holen. Obwohl die Köche reichlich zu tun hatten, genoss ich den kurzen Moment der Ruhe und atmete tief durch. Tat das gut!

Dann bekam ich auch schon ein besonders großes Tablett mit frisch belegten Matjesbrötchen in die Hände gedrückt – und auf ging´s. An dem gut belagerten Getränketresen kam ich mit Glück heil vorbei, auch an den ersten zwei Tischen schaffte ich es noch, mich seitlich vorbei zu schlängeln, doch dann bekam ich so einen heftigen Stoß in den Rücken, dass ich den Halt verlor. Mein großes Tablett machte sich selbstständig, flog mir aus den Händen und mit ihm die lecker belegten Matjesbrötchen.

Sie flogen davon, als hätten sie Flügel. Als ich mich von meinem Schrecken erholt hatte, sah ich, dass meine fliegenden Fische an allen möglichen Stellen klebten. Einen Fahrgast hatten sie aber besonders beglückt, denn seine blaue Hose glitzerte silbern belegt. Sah das komisch aus.

Sicher hätte ich mich vor Lachen gebogen, doch der Schmerz in Rücken und Schulter ließ nur Tränen fließen. In meiner gesamten Bordzeit sah ich nie wieder fliegende Fische in einem Salon. Gern hätte ich den Platz des Gastes eingenommen, um meinen armen Rücken und die geprellten Schultern zu kurieren, doch für mich hieß es „Dienst ist Dienst“ – und für den temperamentvollen Tänzer „Schnaps ist Schnaps“, denn davon hatte er reichlich genossen.

Dennoch war es eine Zeit, die vielen alten und auch jungen Menschen Augenblicke des Glücks schenkte. Schade nur, dass es keine Wiederholung dieser einst so unterhaltsamen und beliebten Fahrten geben wird.


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erstellt am 07.Aug.2014 | 19:23 Uhr

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