zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 04:11 Uhr

Fliegen – ein Menschheitstraum

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Welt von oben bietet faszinierende Ansichten / Von der griechischen Mythologie bis zur kamerabestückten Drohne

von
erstellt am 01.Mär.2016 | 06:50 Uhr

Eckernförde | Wunderschön sind sie, die Luftaufnahmen aus dem Bildband „Faszination Schleswig- Holstein“. Hinter diesen Bildern muss demnach ein Geheimnis stecken, das mit dem Wort Faszination zwar vordergründig umschrieben, aber keineswegs erläutert und schon gar nicht ergründet wird. Was macht die Faszination der Bilder aus? Eine Spurensuche nach dem Verborgenen in den Bildern muss zwangsläufig über bekannte Erklärungen hinausgehen. Will man Neues kennenlernen, muss man Bekanntes verlassen.

Wer in unserem Land lebt oder es als Besucher kennt, weiß sofort, welcher Landstrich jeweils abgebildet wurde. Das kann nicht das Geheimnis der Bilder sein. Was dann? Der Wechsel der Perspektive scheint einen ersten Ansatz dafür abzugeben. Er verhilft stets zu neuen Ein- wie Ansichten. Diese Erkenntnis ist gar nicht so neu. Man wollte schon immer möglichst vieles überschauen, überfliegen — was heute sprichwörtlich eher für umfangreiche Dokumente oder Bücher gilt. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der uralte menschliche Sehnsuchtstraum, fliegen zu können, über den Dingen zu schweben.

Der Mensch konnte sich seit urdenklichen Zeiten auf der Erde bewegen, konnte schwimmen, konnte tauchen. Eine schlüssige Weiterentwicklung des aufrechten Gangs, das Fliegen, gelang ihm allerdings nicht. Es blieb ihm nur der sehnsuchtsvolle Blick hoch zu dem Vogelflug, mit seiner grenzenlosen Freiheit. Fliegen blieb ein Traum. Lange Zeit. Nur in Märchen, in Religionen und in Kunstwerken konnten Menschen fliegen. Die griechische Mythologie verlieh dieser Sehnsucht ein einprägsames Bild:
Ikaros. Er und sein Vater Daidalos entkamen der Gefangenschaft auf Kreta mithilfe kunstvoller Flügel. Der Vater schaffte den Flug in die Freiheit, sein Sohn nicht. Noch viele Flugpioniere nach ihm bezahlten den Versuch, das Medium Luft zu erobern, mit ihrem Leben. Dann gelang es doch. 1783 schwebten erstmals Menschen in einem Heißluftballon über die Erde; sie trieben jedoch unkontrolliert im Luftmeer. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachten Techniker gezielt den Bau von Flugmaschinen schrittweise voran. Erfolgreich, wie wir wissen. Von einfachen vogelähnlichen Flugapparaten, über Zeppeline führte die stetige Entwicklung bis zu den heutigen großräumigen Flugzeugen und Raumgleitern.

Wer es den Vögeln gleichtun will, muss nicht jene tonnenschweren Gefährte besteigen, muss nicht auf der Startbahn sich die Ohren taub dröhnen lassen, muss nicht die an den Gliedern zerrende Beschleunigung ertragen und hoffen, dass die Klappen für die Handgepäckfächer über dem Sitz geschlossen bleiben. Ein jeder könnte heute ohne körperliche Anstrengung dem Sehnsuchtsgefühl vom Fliegen nachkommen. Die Technik liefert einen praktikablen Ersatz für das eigenständige, allerdings stellvertretende Fliegen: den Flug per kamerabestückter Drohne. Doch diesem Vergnügen sind sehr enge gesetzliche Grenzen gesetzt.

Fliegen ruft ein Gefühl wach, sich sorgenfrei über den Alltag zu erheben. Man lebt dort in einer anderen Sphäre und erlebt das Außergewöhnliche. Man schaut aus großer Höhe auf die Erde, blickt auf die winzig erscheinenden Häuser und vermag nicht zu glauben, dass dort Freud wie Leid zu finden sind. Astronauten berichten gar von dem überwältigenden Anblick unseres blau schimmernden Planeten.

Die beeindruckenden Aufnahmen des Bildbandes gehören ebenfalls als Teil zu unserem blauen Planeten. Die Bilder faszinieren, weil sie beim Betrachten reale Träume auszulösen vermögen: ein Körpergefühl, sich lautlos vom Grund zu lösen und über eine bekannte und doch wieder neue Landschaft ohne Erdenschwere zu gleiten und deren Anblick zu genießen. Es bleibt so gesehen beim uralten Traum vom Fliegen.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert