Auf Tour : Fitte Radlerinnen seit 1966 gemeinsam im Sattel

Legten im Jahr bis zu 900 Kilometer zurück: (v. l.) Dörthe Nürnberg, Lilo Goll, Karin Lucke, Helga Goebel, Antje Brandner (durch Klingel verdeckt), eine namentlich nicht bekannte Mitfahrerin im roten Kleid, Elke Lassen, Margot Behn, Heidi Kästner, Ingrid Siemsen, Margarete Piening und Gerti Feichtiger. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1974.
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Legten im Jahr bis zu 900 Kilometer zurück: (v. l.) Dörthe Nürnberg, Lilo Goll, Karin Lucke, Helga Goebel, Antje Brandner (durch Klingel verdeckt), eine namentlich nicht bekannte Mitfahrerin im roten Kleid, Elke Lassen, Margot Behn, Heidi Kästner, Ingrid Siemsen, Margarete Piening und Gerti Feichtiger. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1974.

Damen-Radfahrgruppe ist seit fast 50 Jahren im Sommer jeden Montag unterwegs.

shz.de von
19. Mai 2015, 06:57 Uhr

Eckernförde | Sie kennen sich aus auf den Radwegen und Straßen der Region und weit darüber hinaus. Die zehn radfahrbegeisterten Damen aus Eckernförde und Umgebung schätzen aber auch sehr ihre Gemeinschaft. Anders wäre es undenkbar, dass sie seit knapp 50 Jahren gemeinsam im Sattel sitzen und im Sommerhalbjahr durch die Lande fahren, Bewegung und Landschaft genießen und dabei „gut miteinander können“. Antje Brandner, Dörthe Nürnberg, Gerti Feichtiger, Ute Marten, Helga Goebel, Ingrid Siemsen, Elke Lassen, Karin Lucke, Helma Möckelmann und Lilo Goll – zusammen 805 Jahre – lieben das Fahrradfahren. Jeden Montag sind sie im Sommerhalbjahr auf Tour und haben dabei streckenmäßig die Erde zumindest einmal umrundet, sind also zusammen über 40  074 Kilometer gefahren.

Entstanden aus einer Gymnastikgruppe, die sich immer im Winter traf, stellte sich 1966 die Frage: „Was machen wir eigentlich im Sommer?“ Als junge Mütter waren sie tagsüber durch ihre Kinder zeitlich gebunden und nutzten so zunächst die Abendstunden, um auf zwei Rädern Ziele in und um Eckernförde zu erkunden. Termin war immer montags. Nachdem die nähere Umgebung erkundet war, erweiterten sie ihre Touren auf ganz Schleswig-Holstein und schlossen dabei auch Dänemark mit ein, wo bei mehrtägigen Touren unter anderem Samsö und Fünen auf der Streckenkarte standen.

„Unsere weiteste Tour ging damals von Altona über das Alte Land mit der Fähre nach Glückstadt und von da wieder nach Hause“, erinnert sich Helga Goebel. Später folgten Teile von Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern mit dem Darß sowie der Radwanderweg an der Elbe. „Natürlich sind wir nicht nur geradelt, sondern haben dabei auch alles Sehenswürdige besichtigt“, erinnert sich auch Dörthe Nürnberg, die als treibende Kraft für manche Planung verantwortlich war.

Aus sicherheits- und verkehrstechnischen Gründen beschränkten sich die reisefreudigen Radlerinnen auf maximal zwölf Personen – Männer gehörten nicht dazu. Bei den mehrtägigen Touren übernachteten sie in Pensionen oder Jugendherbergen. Die Radlerinnen – allesamt Damen der Gesellschaft – wurden allerdings auch mal von Wirten, weil nicht vornehm genug, abgewiesen. Dass es auch anders geht, bewies der Wirt des „Intermar“ aus Glücksburg: „Wir sind über fröhliche Radfahrerinnen glücklicher, als über alte Damen in Pelzmänteln“, zitiert Ingrid Siemsen dessen Worte. Die Planung für die Langtouren im Jahr erfolgten stets auf dem Geburtstag von Antje Brandner im März. Was es dann zu besichtigen oder zu erleben gab, wurde zuvor ausgearbeitet.

Inzwischen sind die Strecken der etwas älter gewordenen Damen ein wenig kürzer geworden, und die Gruppe ist auf zehn Radlerinnen zusammengeschrumpft. Gemeinsam unterwegs sind sie nur noch zu Sechst, aber alle anderen nutzen ihr Rad im Alltag. Wie die über 90-jährige Gerti Feichtiger: „Radfahren hält fit“, war stets die Devise des „Krampfadergeschwaders“, wie sie scherzhaft einmal betitelt wurden. Und in Sachen Fitness machte den Damen so schnell niemand etwas vor.

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