Eckernförde : Fitnessstudios: Nicht jeder Flüchtling darf trainieren

Fred Jakubowski
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Fred Jakubowski

Die Fitnessstudios in Eckernförde verwehren Asylbewerbern teilweise die Aufnahme - auch wegen Sprachproblemen.

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15. Januar 2017, 14:02 Uhr

Eckernförde | Diese Preise haben sie überzeugt: Pro Monat für 19,99 Euro im Fitnessstudio trainieren – das wollen Sami (30), Warshin (22) und Malek (22) auch. Die drei Flüchtlinge aus Syrien haben nicht viel Geld, müssen auf ihre Kosten achten. Deshalb wollten sie sich in dem neuen Studio „clever fit“ in der Rendsburger Straße anmelden, wurden jedoch nicht angenommen. „Weil wir keinen deutschen Pass besitzen“, sei ihnen gesagt worden.

Und das ärgert sie. „Wir machen doch nichts Böses.“ Stattdessen habe man ihnen angeboten, einen Zwei-Jahres-Vertrag abzuschließen und den Beitrag im Voraus zu bezahlen – als Sicherheit. Dann dürften sie dort trainieren. Doch so viel Geld haben die drei nicht. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, zumal Bekannte von ihnen in dem Studio problemlos trainieren dürfen, sagen sie.

Auf die Situation angesprochen, reagiert „clever fit“-Betreiber Moritz Raczkowsky gereizt. Niemand werde aufgrund seines Passes abgelehnt, sagt er. „Hier trainieren Polen, Russen, Syrer und Menschen anderer Nationalitäten.“ Er selbst habe ausländische Wurzeln. „Wir haben alle möglichen Nationen hier und haben nichts gegen irgendjemanden.“

Das Problem sei bei einigen Bewerbern um eine Mitgliedschaft, dass sie kein Deutsch sprechen. „Wenn man ihnen noch nicht einmal erklären kann, wie die Geräte funktionieren, ist das ein Problem.“ Zudem könne oft nicht gewährleistet werden, dass die Leute verstehen, worum es im Vertrag geht, und das könne versicherungstechnisch schwierig werden. Sein Vorschlag: Die Leute sollen mit deutschsprachigen Betreuern vorbeikommen. „Das hat schon oft gut funktioniert.“

Dass Asylbewerber eine Zwei-Jahres-Mitgliedschaft abschließen und bezahlen sollen, komme vor, bestätigt Raczkowsky. „Das nehmen wir als Sicherheit. Ein Asylbewerber kann nämlich schnell wieder weg sein, zum Beispiel durch einen Umzug. Einen Deutschen in so einem Fall ausfindig zu machen, ist wesentlich leichter als einen Asylbewerber.“ Das Fitnessstudio habe in dem Falle nur wenig Chancen auf die Vertragserfüllung. Sollte ein Asylbewerber noch während des ersten Jahres wieder kündigen, werde ihm der Beitrag für das zweite Jahr wieder erstattet – im Normalfall beträgt die Mindestvertragslaufzeit in dem Studio zwölf Monate.

In den anderen Fitnessstudios Eckernfördes ist die Problematik teilweise bekannt. Fred Jakubowski vom „Kraftwerk-Powerclub“ in der Westerrade zum Beispiel hat schon negative Erfahrungen gemacht. Ein Flüchtling zog um und zahlte nicht mehr, obwohl sein Vertrag noch nicht ausgelaufen war. Als Jakubowski schließlich dagegen vorging, bekam er zu hören, dass er rechtlich schlechte Karten habe. „Der versteht doch gar nicht, was Sie mit Ihren Texten meinen“, habe der Anwalt gesagt – obwohl der Flüchtling laut Jakubowski gut Deutsch sprach. „Ich müsse meine Verträge in den jeweiligen Landessprachen vorrätig haben.“

Als Betreiber eines Fitnessstudios benötige er zudem eine versicherungstechnisch belastbare Unterschrift. Wenn jemand kaum Deutsch spreche, „ist es nicht ausreichend sicher, dass ich mit der Gesundheit der Leute gut umgehen kann“. Das Risiko, falsch zu trainieren, sei zu groß. Das gelte aber auch für Amerikaner, Franzosen oder alle Menschen anderer Nationalitäten.

Auch Ralf Voigt vom Fitnessstudio La Vida auf der Carlshöhe hat schon zweimal erlebt, dass ein Flüchtling umgezogen ist und den Monatsbeitrag trotz eines Halbjahresvertrages einfach nicht mehr bezahlt hat. „Da war ich schon sehr wütend“, sagt er. Auch habe er solche Schilderungen schon aus mehreren anderen Studios gehört. „Auf der anderen Seite passiert das auch mit deutschen Mitgliedern“, sagt er. Deshalb gehe er mit jedem Kunden gleich um. „Ich gehe zunächst davon aus, dass jeder Mensch gut ist, da sind mir Hautfarbe, Religion und Herkunft egal.“ Ausnahmen gebe es nicht, für jeden gelten die normalen Verträge. Und wer nicht so gut Deutsch spricht, mit dem verständige man sich mit Händen und Füßen.

Gar keine Probleme hat Ramona Smeink bislang gehabt. Die Studioleiterin vom California in der Sauerstraße bestätigt, dass mehrere Flüchtlinge bei ihr trainieren. „Wenn das Deutsch nicht so gut ist, kommt meistens ein Betreuer mit“, sagt sie. Ihre ausländischen Mitglieder seien alle „nett und freundlich“. Auch für sie gelten keine besonderen Regeln. „Aber weil fast alle Flüchtlinge Jugendliche sind, bekommen sie die günstigere Jugendmitgliedschaft.“

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