Seltenes Raubtier : Fischotter an der Schlei gesichtet

Eines der zwei jüngeren Fischotter, die vor wenigen Tagen in Fleckeby gesichtet wurden.
Eines der zwei jüngeren Fischotter, die vor wenigen Tagen in Fleckeby gesichtet wurden.

Am Badestrand in Götheby-Holm in Fleckeby wurden Jungtiere entdeckt. Nach Auffassung der Experten sind diese aber erkrankt oder verletzt.

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03. Januar 2018, 06:44 Uhr

Götheby-Holm | Ein schriller Pfiff ließ Hans-Jürgen Bartelsen seinen Lauf am Holmer Strand plötzlich stoppen. Dann ertönte ein zweiter Pfiff. „Es war niemand in der Nähe, kein Mensch, kein Hund“, berichtete der Fleckebyer, auch einen Vogel konnte er nicht sehen. Als Bartelsen dann in seiner Ratlosigkeit über das Gelände zur Einmündung der Osterbek schaute, erblickte er einen 50 bis 60 Zentimeter großen Fischotter, unter ihm zwei kleinere Exemplare.

An der Schleuse am Badestrand konnte Steffi Schliephake Aufnahmen von den Fischottern machen. Vermutlich ist das Tier verletzt.
Schliephake
An der Schleuse am Badestrand konnte Steffi Schliephake Aufnahmen von den Fischottern machen. Vermutlich ist das Tier verletzt.
 

Der Spaziergängerin Steffi Schliephake gelang es dann, einige Fotoaufnahmen mit ihrem Handy zumachen. Sie hatte bei ihrer Beobachtung festgestellt, dass zumindest einer der Fischotter einen geschwächten Eindruck machte. „Dem einen Tier fehlte ein Auge“, sagte sie. Auch die Vorsitzende des in Eutin ansässigen Vereins Wasser-Otter-Mensch, Hanna Kirschnick-Schmidt bestätigte anhand der Fotos diesen Eindruck. Das Fell sehe verklebt aus, eigentlich sei es dicht und glatt, auch wenn das Tier gerade aus dem Wasser gekommen sei. Zwischen den Haaren bilde sich ein Luftpolster, die Isolierschicht. „Eine Sichtung am Tag ist sehr ungewöhnlich“, erläuterte sie, Fischotter seien dämmerungsaktiv.

 

Eine kleine Videosequenz eines Tieres, die die Fotografin drehte, erhärtete ihre Vermutung: „Dieser Otter hat eindeutig gesundheitliche Probleme.“ Sie zeigte die Aufnahmen gestern einem Fischotterexperten. Dieser tippte auf eine Bissverletzung. „Vielleicht ein Hund, eventuell auch ein männlicher Otter, der die Jungen von dem Weibchen wegbeißt, um sich zu paaren“, sagte Hanna Kirschnick-Schmidt. Das „Pfeifgeräusch“ sei typisch, da rufe der Jungotter nach seiner Mutter. Wenn verletzte Otter gefunden werden, könnten diese in den Wildpark Eekholt gebracht werden, um dort gesund gepflegt zu werden.

Am Abend hätte Steffi Schliephake die Otter nochmal gesehen, seit ein paar Tagen fehle aber jede Spur.

„Der Fischotterbestand ist weiterhin stark gefährdet“, sagte Hanna Kirschnick-Schmidt auf Nachfrage des sh:z. Sie betonte aber, dass der Fischotter in Schleswig-Holstein einen „großen Sprung“ gemacht hätte. Trauriger Nachweis dafür seien die vielen Totfunde an den Straßen. In 2017 fielen mindestens 28 Fischotter dem Straßenverkehr zum Opfer, eine Zunahme um 55 Prozent. Insgesamt konnten 40 Prozent mehr positive Nachweispunkte des Fischotters bis Ende 2017 bestätigt werden als im Jahr zuvor. Das geht aus der landesweiten Fischotterkartierung hervor, die der Verein seit mehreren Jahren erstellt. Die jüngste Sichtung in Fleckeby war für Kirschnick-Schmidt keine große Überraschung. „Die Ostseeküste ist durchgängig bis zur Schlei besiedelt“, sagte sie. Schleswig-Holstein komme dabei als Verbindungs- und Wanderkorridor zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark eine besondere Rolle im Fischotterschutz zu.

Dass der Fischotter auf dem Vormarsch ist, habe mehrere Ursachen, sagte Hanna Kirschnick-Schmidt. Zum einen habe es viele Renaturierungsprojekte gegeben, so dass der Otter Lebensraum zurückgewinnen konnte. Zum anderen habe sich die Wasserqualität im Laufe der Jahre verbessert und damit auch das Nahrungsangebot. „Es gab auch lange keine harten Winter mehr“, so die Vereinsvorsitzende, die Population konnte sich stabilisieren.

Wenn ein Gewässer über ein Rohr unter einer Straße hin durch geleitet wird, so würden Fischotter diese Querung nicht annehmen, berichtet Hanna Kirschnick-Schmidt, auch unter Brücken hindurch würden Otter nicht gerne schwimmen und entscheiden sich fatalerweise für die Straße. So unterstützt der Verein Wasser-Otter-Mensch den Bau von so genannten Otterbermen. Diese „Laufstege“ ermöglichen es den Tieren, Durchlässe trockenen Fußes zu passieren.

Gute Voraussetzungen also, dass sich der Fischotter, der vor 60 Jahren als ausgerottet galt, wieder etabliert. Der Verein Wasser-Otter-Mensch befindet sich auf einem guten Weg, wenn er sein Ziel, ganz Schleswig-Holstein wieder mit dem Fischotter zu besiedeln, realisieren will. Kirschnick-Schmidt warnt aber vor voreiliger Euphorie. „Eine Krankheit oder Seuche kann den zarten Bestand schnell wieder reduzieren.

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