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Walschutz : Fischer sollen freiwillig Wale schützen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Umweltminister Habeck hat am Dienstag mit Fischereiverbänden eine freiwillige Vereinbarung zum Schutz von Walen und Tauchenten unterzeichnet. Dem Ostsee Info-Center kommt dabei eine besondere Koordinatorenrolle zu.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 05:48 Uhr

Es geht um den Schutz von Schweinswalen und Seevögeln vor qualvollem Ertrinken in Stellnetzen: Mit beiden Fischereiverbänden in Schleswig-Holstein hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) gestern eine freiwillige Vereinbarung im Ostsee Info-Center (OIC) abgeschlossen. Damit verpflichten sich die Fischer, im Juli und August nur in begrenztem Umfang Stellnetze auszulegen, um Schweinswale weniger zu gefährden. Zwischen dem 16. November und dem 1. März sollen sie die Gebiete meiden, in denen besonders viele Tauchenten Rast machen und Nahrung suchen. Die Vereinbarung gilt bis Ende 2017. Dem OIC kommt dabei eine besondere Rolle zu: Dessen Leiter Claus Müller informiert die Fischer per E-Mail, wenn die Seevögel eingetroffen sind. Wenn dort bereits Stellnetze ausliegen, sollen sie entfernt werden. Das gilt für die Ostseeküste zwischen Flensburg und Fehmarn. Das OIC steigt damit praktisch in die Landesliga des Schweinswalschutzes auf.

Minister Habeck sprach von einem „schwierigen Diskussionsprozess“ in einer Konfliktlage, an die sich in den letzten Jahrzehnten niemand herangetraut habe. Fischer und Umweltschützer standen sich oft zähnefletschend gegenüber. Dann seine Lösung: eine Änderung der Küstenfischereiordnung, bei der drei Gebiete zeitlich begrenzt vollständig aus dem Fanggebiet herausgenommen werden. Doch damit zeigten sich weder Fischer, noch Umweltschützer glücklich. Habeck setzte die Gebietssperrung aus und ließ die Fischer vor. Ihr Vorschlag macht im Kern die freiwillige Vereinbarung aus. Jetzt geht es nicht um einzelne Gebiete die ganz gesperrt, sondern um die gesamte Küste, an der weniger Netze aufgestellt werden. Hinzu kommt, dass die Übereinkunft auf der Freiwilligkeit der Fischer basiert und damit nicht einklagbar ist. Das rief gestern die Kritik der Umweltschutzverbände Nabu und BUND auf den Plan. Sie glauben, dass nur rechtlich gesicherte, zeitlich und räumlich begrenzte Gebietsschließungen verbunden mit der Entwicklung alternativer Fanggeräte die Küstenfischerei ökologisch nachhaltiger und zukunftsfähiger ausrichten.

„Ich glaube fest daran, dass wir einen besseren Schutz als bisher erhalten“, so Habeck. Claus Müller sei als Koordinator der richtige Mann, der „gut mit den Fischern kann“ und gleichzeitig einen guten Ruf bei den Naturschutzverbänden genieße. „Niemand wird eine bessere Akzeptanz erreichen können.“

Lorne Marckwardt, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes, sagte, dass kein Fischer Enten oder Wale im Netz haben wolle, es sich aber leider nicht vermeiden lasse. Auch würden immer wieder Wildunfälle auf den Straßen gezählt, aber deshalb keine Straßen gesperrt.

„Es ist in meiner 20-jährigen Amtszeit als erster Vorsitzender ein einmaliger Vorgang, dass ein Minister sich so eingehend auch mit den Problemen der Fischerei auseinandersetzt“, lobte Wolfgang Albrecht vom Fischereischutzverband. Nun seien Lösungen möglich, die die Existenz der Fischer nicht bedrohen und die Interessen des Naturschutzes besser einbeziehen.

Das Ministerium will ein sogenanntes Beifangmonitoring und ein System zur anonymen Ablieferung von Schweinswalen finanzieren, die in Stellnetzen verendeten. Für das OIC hatte Habeck noch einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 95000 Euro im Gepäck – als Unterstützung für die zusätzliche umfangreiche Arbeit.

> In Schleswig-Holstein gab es im vergangenen Jahr 103 Stellnetzbetriebe im Haupterwerb und 281 im Nebenerwerb. Etwa 300 Stellnetzfischer sind in den Fischereiverbänden organisiert.

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