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Entschieden : Firma Nissen darf im Norden Kies abbauen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Kreis Rendsburg-Eckernförde genehmigt den Kiesabbau in Brekendorf. Die Gemeinde prüft rechtliche Schritte gegen die Entscheidung.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2015 | 05:33 Uhr

„Maßlos enttäuscht“ ist Brekendorfs Bürgermeister Gerhard Guthardt über den Beschluss des Kreises Rendsburg-Eckernförde, den von der Firma Nissen aus Lohe -Föhrden auf einer Fläche von knapp zehn Hektar beantragten Kiesabbau in der Gemeinde zu genehmigen. Gestern haben er und Andreas Betz, Direktor des Amtes Hüttener Berge, den Beschluss im Kreishaus in Rendsburg mitgeteilt bekommen. „Die Planungshoheit der Gemeinde ist nicht hinreichend berücksichtigt worden“, kritisiert Guthardt die Entscheidung. „Durch das Planfeststellungsverfahren wird der gemeindliche Wille ausgehebelt“, sagt auch Andreas Betz. Den genauen Inhalt des Beschlusses kennen sie noch nicht. Sobald die Gemeinde den Brief offiziell zugestellt bekommen hat, wolle man prüfen, ob Klage beim Verwaltungsgericht in Schleswig eingelegt wird. Auch alle anderen Personen, die Einwände geäußert hatten, werde in Kürze Post bekommen.

„Nach Abwägung aller Fakten und Einwendungen und Stellungnahmen mussten wir den Antrag der Firma Nissen genehmigen“, sagte Ralf-Dieter Beck gestern gegenüber der Eckernförder Zeitung. Gründe, das Vorhaben zu untersagen, habe es nicht gegeben. Zudem basiere der Landschaftsplan der Gemeinde auf veralteten Karten und Daten, sodass dieser nicht herangezogen werden müsse. So werde beispielsweise darin ein Wasserschutzgebiet aufgeführt, das längst keines mehr sei, so Beck. Ein Vorwurf, den weder Guthardt noch Betz nachvollziehen können.

Rund drei Jahre hat das Planfeststellungsverfahren gedauert. Das zeige schon, dass die Entscheidung nicht leicht und problemlos fiel, ergänzte Susanne Mieth, seit März 2015 Fachgruppenleiterin in der Unteren Wasserbehörde. Auch der Umfang des Beschlusses spreche für sich. 98 Auflagen würden erteilt werden, die der Firma Nissen in ihrem Vorhaben, klare Grenzen setze. Der Kreis sei sich schließlich bewusst, dass sich einige Bürger der Gemeinde Brekendorf durch den Kiesabbau beeinträchtigt fühlen könnten. „Wir haben die Bedenken der Bürger nicht einfach vom Tisch gewischt“, betont Susanne Mieth. Und diesen Bedenken würde durch die Vielzahl an Auflagen Rechnung getragen werden. Dabei verweist die Behörde auf den § 125 des Landeswassergesetzes, nachdem ein Plan auch genehmigt werden kann, wenn eine Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit zu erwarten ist, diese aber durch Bedingungen und Auflagen verhütet oder ausgeglichen werden kann.

Zudem habe die Firma Nissen eine freiwillige Verpflichtungserklärung abgegeben, mit den Fahrzeugen nicht die Ortsdurchfahrt zu nutzen. Zusätzlich knüpft der Kreis zwei Bedingungen an den Kiesabbau. Zum einem muss die Firma eine Bürgschaft hinterlegen, bevor sie mit dem Abbau beginnt. Diese soll sicherstellen, dass Geld für die im Anschluss an den Abbau vorgeschriebene Renaturierung vorhanden ist. Die Erstellung einer privaten Zuwegung zu dem Gelände ist die zweite Bedingung für die Realisierung des Kiesabbaus. Die rund 600 Meter lange Zuwegung, die den Nielander Weg kreuzt und anschließend parallel dazu in Richtung Kreisstraße 52 verläuft, wird überwiegend in wassergebundener Bauweise erstellt. „Aber feinkornfrei“, wie Beck betont. Damit werde ein übermäßiger Staubaustrag verhindert. Auch einer Verunreinigung des Grundwassers sollen die Auflagen entgegenwirken. Hier gilt das Verschlechterungsverbot.

Die Firma sei weiterhin verpflichtet, Messbrunnen zu errichten, um den Grundwasserspiegel zu beobachten. Da im Zuge des Kiesabbaus die landwirtschaftliche Tätigkeit ringsherum eingestellt werde, rechnet Beck sogar mit einer deutlich geringeren Verunreinigung des Wassers. Die Betriebszeit des Kiesabbaus wird laut Beschluss auf 6.30 bis 17.30 Uhr festgeschrieben – nur werktags. Pro Tag dürfe es maximal 50 Fahrten mit dem Lkw geben.

Laut Antrag will die Firma den Kiesabbau in vier Bauabschnitten realisieren – drei Trockenbauabschnitte, ein Nassbauabschnitt. Von den 700  000 Kubikmetern Kies und Sand werden rund 550  000 Kubikmeter im Nassabbauverfahren gewonnen. „Es wird bereits dazwischen eine schrittweise Renaturierung erfolgen“, sagt Beck und nicht erst zum Abschluss nach zehn Jahren. Beispielsweise werde die Au auf einer Länge von 500 Meter entrohrt und somit wieder naturnah gestaltet. Bech rechne damit, dass das Gelände nach der Renaturierung hochwertiger sein werde als vorher, sowohl was das Erscheinungsbild als auch die Artenvielfalt angehe.

Ein schwacher Trost für die Gemeinde, in der seit rund 100 Jahren Kies abgebaut wird und nun durch die neue Fläche im Norden quasi vom Kiesabbau umzingelt wird. „Wir wollen keine Verhinderungsplanung betreiben“, betont Guthardt. Stattdessen wollte man die städtebauliche Entwicklung voranbringen und den Kiesabbau auf Gemeindegebiet steuern. Daher habe man auch Alternativflächen ausgewiesen, doch diese spielten bei der Entscheidungsfindung des Kreises keine Rolle. 

 

 

 

 

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