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Keine Hinweise : Findelbaby von Eckernförde: Wo steckt die Mutter?

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Der Kripo-Chef spricht von einem "absolut mysteriösen" Fall: Zwei Wochen nachdem ein Baby vor der Eckernförder Klinik gefunden wurde, gibt es keinen Hinweis auf die Mutter.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 08:05 Uhr

Eckernförde | Keine Hinweise, keine Erkenntnisse - der Fall des Eckernförder Findelkindes ist für Kripo-Chef Rolf Petersen "absolut mysteriös". Vor zwei Wochen, am Dienstag, 30. Juli, hatte jemand ein offenbar am gleichen Tag geborenes Baby in einem Gebüsch neben der Tiefgarage der Imland-Klinik Eckernförde abgelegt. War es die verzweifelte Mutter selbst, jemand in ihrem Auftrag oder vielleicht der Vater? "Alles Spekulationen", sagt Petersen. Eine 33-jährige Angestellte der Imland-Klinik hatte das wimmernde, nur wenige Stunden alte und leicht unterkühlte Baby gegen 17.40 Uhr auf dem Weg zu ihrem Auto zwischen den Sträuchern gehört, es an sich genommen und sofort zur weiteren Untersuchung auf die Geburtsstation gebracht. Nach Angaben der Ärzte ist das kleine Mädchen gesund und wohlauf - und das ist die Hauptsache. Es ist in der Obhut einer Pflegefamilie im Kreisgebiet, die das Findelbaby gerne adoptieren würde.
"Wir haben alle Spuren gesichert, ausgewertet und mit denen vergleichbarer Fälle verglichen", sagte der Kripo-Chef. Hinweise auf die Mutter gibt es nach wie vor nicht. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt wegen Kindsaussetzung gegen Unbekannt. Petersen vermutet, dass das Kind so abgelegt worden ist, dass es schnell gefunden wird. Ob das Kind aus einer Übersprungshandlung heraus, aus Scham oder Überforderung der Mutter ausgesetzt wurde, kann anhand der spärlichen Fakten derzeit nicht geklärt werden. Die beiden auffällig gemusterten Handtücher (siehe Foto) sind zur DNA-Untersuchung ins Labor geschickt worden. Die Kriminalpolizei bittet weiter um Hinweise unter Telefon 04351/9080, die zur Aufklärung der Tat beitragen können.

Mutter verliert Recht auf Baby

Indessen ist das Findelkind in der Obhut einer adoptivwilligen Pflegefamilie gelandet, sagte der Fachbereichsleiter Jugend und Familie des Kreises, Norbert Schmidt, auf Anfrage der Eckernförder Zeitung. Das Jugendamt begleitet das Adoptivverfahren, das Gericht entscheidet darüber in der Regel nach einem Jahr Adoptivpflege oder in Abhängigkeit vom Einzelfall auch früher. Sollte sich die leibliche Mutter dann noch melden, habe sie kein Anrecht mehr auf ihr Kind. Gleichwohl komme es immer wieder vor, dass die leibliche Mutter später auch Kontakt zu den Adoptiveltern und dem von ihr geborenen Kind sucht. Das, so Schmidt, könne dem Kind durchaus bei der Bewältigung den unweigerlich aufkommenden Identitätsfragen ("Wer bin ich?", "Wo komme ich her?", "Warum hat mich meine Mutter weggegeben?") helfen. Die Adoptiveltern sollten ihr angenommenes Kind so früh wie möglich und in jedem Fall vor der Pubertät aufklären, rät der Jugendamtsleiter. Verschweigen funktioniere nicht, "irgendwann wird es das Kind ohnehin erfahren".
"Die Liste der adoptivwilligen Paare ist sehr lang", sagt Norbert Schmidt. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde gebe es derzeit zehn Paare, die Kinder adoptieren wollen. Häufig sei eine ungewollte Kinderlosigkeit der Grund dafür, das Kind anderer leiblicher Eltern anzunehmen. 2012 habe es neun Adoptionen gegeben, sechs davon waren Stiefkinderadoptionen. In Deutschland gebe es kaum frei zu adoptierende Kinder, daher würden sich viele Paare im Ausland auf die Suche begeben, um ihren Lebenstraum zu erfüllen und Kindern eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen.
Im Kreis Rendsburg-Eckernförde habe sich der Kreistag vor einigen Jahren gegen die Einführung einer Babyklappe entschieden, betonte Schmidt. Die nächste Babyklappe gebe es in Kiel.

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