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Gedächtnistraining : Feuer und Flamme fürs Lernen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sonderveranstaltung des Fachbereichs Polizei an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung Altenholz trifft auf große Resonanz

Sich Namen, Gesichter und Zahlen problemlos merken zu können, frei und ohne Spickzettel zu reden oder Lernstoff selbst in großen Mengen so zu erschließen, dass er lange im Gedächtnis bleibt – das macht in Studium und Beruf vieles leichter, fällt aber vielen Menschen schwer. Doch das muss es nicht, wie Gregor Staub, Gedächtnistrainer aus der Schweiz, gestern den Erstsemestern des Fachbereichs Polizei an der Fachhochschule am Rehmkamp (FHVD) und 200 Gästen eindrucksvoll zeigte.

„Ist Gedächtnistraining im Zeitalter von Smartphones eigentlich erforderlich? Das Weltwissen haben wir doch immer dabei“, führte Dirk Staack, Prodekan des Fachbereichs Polizei, etwas ketzerisch in die Veranstaltung ein. Seine These widerlegte er umgehend selbst: „Es geht nicht allein darum, etwas auswendig zu lernen. Es geht um Kompetenzen, und die gibt es nicht ohne Wissen.“ Es sei wichtig, den Studierenden methodische Kompetenzen mit auf den Weg zu geben, fügte Dekan Professor Hartmut Brenneisen hinzu. „Für das Studium, aber auch für das praktische Leben in der Landespolizei Schleswig-Holstein.“ Beispielsweise in der Kommunikation, merkte Dozentin Dr. Susanne Kischewski an. Sie erinnerte an den Ausspruch des ehemaligen Innenministers Professor Dr. Hans-Peter Bull, das Wort sei die Waffe des Polizeibeamten. Damit das gelte, sei es unerlässlich, dass die Polizisten sich auch in anderen Sprachen verständigen könnten, und so stehen neben Englisch auch Dänisch und Türkisch auf dem Lehrplan der angehenden Kommissare. Viele wertvolle Tipps für das Erlernen einer Sprache, aber auch anderer Daten erhielten sie gestern von Staub, der am Rande der Veranstaltung in einem Interview mit unserer Zeitung über sein Training sprach.

Herr Staub, sportlich tun viele Menschen etwas für sich und ihre Gesundheit – kommt das Training fürs Gedächtnis zu kurz?

Der Mensch braucht das Bedürfnis dafür. Wenn zum Beispiel jemand mit vielen Menschen zu tun hat, aber sich Namen nicht merken kann und das ändern möchte. Und er muss die Chance haben, sein Gehirn zu trainieren.

Ist es schwer, das zu lernen?

Nein, man muss die Menschen nur dafür begeistern. Es gibt Lehrer, die viel wissen, es aber nicht so vermitteln, dass die Schüler Feuer fangen. Das kommt in der Lehrerausbildung zu kurz. Mit liebevollen Geschichten, die nie rechthaberisch rüberkommen, lernt jeder leicht wie ein Kind, bei dem die Kreativität geweckt wird. Ich lasse die Leute erleben, dass sie deutlich besser sind, als sie glauben.

Was sind die Vorteile des Memorierens, wie Sie es vermitteln, im Alltag?

Wenn ich Personen mit Namen anspreche, mir Telefonnummern merke, Argumente frei vortragen kann, dann stärkt das das Selbstvertrauen. Man wirkt professioneller, zeigt Kompetenz. Man kann auch Fehler machen, muss dann aber auch dazu stehen. Das ist die menschliche Größe, die mit dem Lernen einhergeht.

Schon mehr als 20 Jahre vermitteln Sie Menschen ihr Gedächtnistraining, blicken auf über 3500 Seminare und Vorträge mit rund 1,5 Millionen Teilnehmern zurück. Werden Sie nicht müde? Was treibt Sie an?

Es ist für mich immer wieder faszinierend, Menschen die Technik des Memorierens nahe zu bringen. Das Publikum ist immer neu, und wenn ich merke, dass ich den Leuten geholfen habe, das gibt die Energie. Allein in dieser Woche habe ich 17 Veranstaltungen. Aber es gibt immer genügend Phasen, wo ich Ruhe habe. Dann meditiere ich eine Stunde, oder ich spiele Gitarre oder gehe in die Sauna.

Wie sind Sie als Betriebsökonom zum Gedächtnistraining gekommen?

Als ich von einer Reise aus Boston zurückkam, habe ich anderthalb Stunden am Flughafen mein Auto gesucht, bis mir einfiel, dass ich mit dem Zug gekommen war. Da musste sich etwas ändern, und ich habe die Mnemo-Technik der Griechen entdeckt. Mehreren 1000 Studenten an der Uni Zürich habe ich dann geholfen, ihren Lernstoff mit der geeigneten Methode zu lernen und daraus mein Trainings-Programm entwickelt.

Stichwort Zukunft – an was denken Sie?

Dass ich an meinem 90. Geburtstag – der ist am 3. Juli 2044, das ist ein Freitag – vor 1000 Studierenden an der Uni Zürich stehe. Helmut Schmidt ist mein großes Vorbild.

>www.gregorstaub.com

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erstellt am 30.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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