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Carlshöhe : Festival der Farben, Formen und „kalkulierter Zufälle“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Eckernförder Malerin Margit Buß zeigt in ihrer ersten großen Einzelausstellung 120 Werke in der Galerie Carlshöhe. Viel Farbe und „Floating“-Effekte zeichnen ihre Bilder aus.

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erstellt am 19.Nov.2014 | 06:21 Uhr

Ihre Bilder sind abstrakt, wirken ein wenig surreal wie aus fernen Welten, haben aber gleichwohl fein verästelte Strukturen und sprühen förmlich vor Farbigkeit. „Wenn Träume fliegen lernen“ hat Margit Buß ihre erste große Einzelausstellung in der Galerie Carlshöhe betitelt. Sie meint das durchaus wörtlich. Das ist dann aber auch der einzige Titel, den die 1951 in Lüneburg geborene frühere Pharma-Referentin und seit diesem Jahr nach fünfjährigem Kunststudium an der Akademie für Malerei Berlin Malerin mit akademischen Graden, vergeben hat. Ihre ausgestellten 120 Bilder – darunter ein raumfüllendes Gesamtkunstwerk aus 55 quadratischen Einzelbildern und bemalte Holzkuben – verlangen Aufmerksamkeit. Und bekommen sie auch. Fast magnetisch ziehen sie den interessierten Betrachter an, der sich Zeit nehmen sollte, sie zu entdecken. Auf Titel hat die Eckernförder Künstlerin bewusst verzichtet, um dem Sehenden und Fühlenden alle Deutungsmöglichkeiten zu erhalten.

Die 600 Quadratmeter große Galerie mit den großen, weißen Wänden in der früheren Marinekaserne ist für Künstler eine echte Herausforderung – aber auch eine große Chance. An den Wänden und auf dem Boden können die Werke atmen und sorgen damit für eine ganz bestimmte Aura. Margit Buß hat sich bei der Auswahl ihrer Werke ganz auf den künstlerischen Schwerpunkt ihres Schaffens beschränkt: der informellen und experimentellen Malerei mit Alcydharz- und Acryllacken. In ihrem ebenfalls mit 120 Quadratmetern nicht eben kleinen Atelier auf Carlshöhe – der Ort ihrer ersten großen Einzelausstellung ist nicht zufällig gewählt – entstehen die Bilder prozesshaft in einem Wechselspiel aus einer emotional gesteuerten Gestaltungsidee, fein abgestimmter Farbmischungen, deren gegenseitiger Reaktion auf der grundierten Leinwand sowie einem zeitintensiven Trocknungs- und Schichtungsprozess der farbintensiven Lacke. Die Vermischung der Lacke und die Reaktionen der Farben vollzieht sich zwar als natürlicher Prozess, den die Malerin jedes Mal mit Spannung entgegensieht, aber Margit Buß hat die Farben und die „Floating“-Effekte studiert und es gelernt, Lacke und Farben so zu verdünnen, zu dosieren und zu verteilen, dass sie zwar prozesshaft verlaufen, dabei aber auch ihrer Vorstellung folgen. Sie nennt dieses Phänomen „kalkulierter Zufall“. Damit hatte sie schon in Berlin als Meisterschülerin von Ute Wöllmann und Mitbegründerin der Galerie „ROOT“ am Berliner Savignyplatz ein Alleinstellungsmerkmal.

Und so entstehen Bilder voller Lebendigkeit und Kraft, die immer auch ein wenig von ihr selbst preisgeben. Der Betrachter hat die spannende Aufgabe, dies herauszufinden, aber vor allem sich selbst und seine Gedanken und Gefühle in den Werken zu entdecken. Als Vertreterin der informellen Kunst möchte sie nicht wie die Maler der ersten Kriegsgeneration „sich den Schmerz von der Seele malen. Ich lebe in einer glücklichen Gesellschaft und führe ein glückliches Leben – das male ich mir von der Seele und freue mich, wenn meine Bilder die Betrachter berühren“, sagt Margit Buß. Nein, zeitkritische Bilder seien nicht ihre Sache. Ihre positive Lebenseinstellung schlägt sich vielmehr nieder in der Lust, Neues zu entdecken und mit Farben zu experimentieren.

>Die Ausstellung „Wenn Träume fliegen lernen“ in der Galerie Carlshöhe ist ab sofort bis zum 18. Januar zu sehen (Öffnungszeiten: Mi. 15-18 Uhr, Sa. und So. 14-17 Uhr). Die Vernissage findet etwas verspätet am Sonntag, 30. November, um 15 Uhr statt. Es spricht Ministerpräsident a.D. Björn Engholm, es spielt Generalmusikdirektor Georg Fritzsch. In der „Spät-Art-Zeit“ führt die Künstlerin am Mittwoch, 3. Dezember, um 18 Uhr durch ihre Ausstellung.

>Der Offene Kanal Kiel zeigt am 21. November um 19 Uhr sowie am 3. Dezember um 19.30 Uhr ein künstlerisches Porträt von Margit Buß.

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