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Eckernförder Zeitung

22. Juni 2017 | 16:26 Uhr

Fenster – die Augen eines Hauses

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fenster prägen den Charakter eines Hauses entscheidend mit / In Eckernförde finden sich noch viele Beispiele guter Handwerksarbeit

Viele von uns empfinden Straßen wie Lorenz-von-Stein-Ring, Kakabellenweg oder Admiral-Scheer-Straße mit ihren einheitlichen Häuser-Zeilen als attraktiv. Zu solchem Stadtbild gehören lange Reihen kleiner Fenster in rechteckigem Hochformat, unterteilt von Sprossen. Das Handwerk konnte vor Jahrzehnten noch keine großflächigen Glasscheiben preiswert herstellen, der Tischler fügte die kleinen Stücke mit Holzrahmen zusammen, die dann der Maler mit einem witterungsbeständigen Anstrich in strahlendem Weiß versah.

Dagegen zeigen Straßen mit modernen Wohnbauten heute großflächige, vor allem tief heruntergezogene Fenster, oft mit dunkler Rahmung – sie sehen nicht selten abweisend, ja tot aus. Viele Bewohner spüren dies und bauen gleich nach dem Einzug von unten nach oben schließende Jalousien ein, oder sie füllen diese Fenster mit hochragenden Kakteen, Bild- oder Kitschfiguren.

Vor 1940 gehörten zum Haus noch hölzerne Fensterläden, die abends zugeklappt wurden und gegen Wind, Kälte, Nässe und Helligkeit schützten. Viele Leser werden sich noch an die gusseisernen Kipphalter in Form eines Soldaten oder Pferdekopfes erinnern, mit denen man den geöffneten Laden festhielt. Längst sind an allen alten Häusern die Läden demontiert, die Fenster haben nun irritierend weite Abstände zueinander, erscheinen wie ohne jeden Halt. Traditionelle Fenster an einem Erker, verbunden mit ziegelbedeckten Wänden, wie sie zum Beispiel in der Kieler Straße Nr. 71 zu finden sind, wirken dagegen wie strahlende Augen im Gesicht des Hauses.

Nach Mitte des 19. Jahrhunderts kamen in Serie hergestellte Fensterrahmen aus Gusseisen in Mode. Wandert man in Eckernförde durch ehemalige „Werk-Straßen“ mit Speichern, Fischräuchereien, Werften, so trifft man noch auf solche fünf- oder sechsteilige Fertigware. Maurer richteten sich beim Aufbau der Ziegel-Wände oft nach bereits angeschafften Rundformen, so zu sehen zum Beispiel an einem 1870 datierten Haus in der Gudewerdtstraße 2 (Nicolai-Stift).

Wirklich aufwendig sind runde oder ovale Fenster, vom Tischler solide gearbeitet und mit kunstvoller Backstein-Architektur eine Einheit bildend. Das Beispiel-Foto wurde am Eckernförder Amtsgericht gemacht.

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