Stürmisches Wochenende : „Felix“ rüttelt Eckernförde heftig durch

Weit draußen künden die Schaumkronen und die Gischt von der Kraft des ablandigen Sturms .  Fotos: Kühl
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Weit draußen künden die Schaumkronen und die Gischt von der Kraft des ablandigen Sturms . Fotos: Kühl

Orkanböen bis zu 110 Stundenkilometern fegen am Wochenende über die Stadt. Äste brachen, Bauzäune wurden umgelegt. Große Schäden gab es aber nicht. Die Menschen waren vorgewarnt und sich auf den Sturm eingestellt.

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12. Januar 2015, 06:48 Uhr

Die Ostsee ist weit weg, der ablandige Sturm drückt das Wasser in die Kieler Bucht und weiter nach Osten Richtung Fehmarn und in die dänische Südsee. Immer wieder ziehen Drehwinde Gischt nach oben. Die mit Steilufern gespickte Küste des Dänischen Wohld ist nur durch einen Nebel aus aufgewühlter See zu erkennen. Schaumkronen bis zum Horizont, Sturmtief „Felix“ türmt meterhohe Wellen auf, wer jetzt da draußen ist, hat ein echtes Problem.

Probleme gibt es aber auch an Land. Der Lieferverkehr, die Paketzusteller und Briefträger kämpfen sich am Sonnabendvormittag unverdrossen durch den teilweise heftigen Sturm mit orkanartigen Böen bis 110 km/h (Bft 11). Elvira Schmied, die ihr gelbes Postrad mit drei prall gefüllten Postkisten beladen hat, ist sturmerprobt. „Schnee ist viel schlimmer“, sagt die erfahrene Zustellerin, die die Sendungen seit 21 Jahren zuverlässig zu den Adressaten bringt und seit mehreren Jahren für einen Innenstadtbezirk zuständig ist. Sie hat ihre Post wie sich selbst regenfest eingepackt, Sturm und Regen scheinen der freundlichen Postbotin überhaupt nichts auszumachen.

Derweil kämpfen sich an der Hafenpromenade zwei Frauen dick vermummt und in leicht nach vorn gebückter Haltung durch den Sturmregen. Sie sind weit und breit die einzigen, nehmen das Ganze sportlich und arbeiten sich nicht ohne ein gewisses Vergnügen durch die Naturgewalt.

Die wenigen Händler auf dem Wochenmarkt wirken an diesem Sturmvormittag ein wenig verloren auf dem Rathausmarkt und Kirchplatz. Aber dennoch: Ihre Stammkunden kommen, holen sich Suppenhühner, frisches Gemüse, Eier, Dorschfilet, geräucherten Schinken oder Bockwurst. Die Litfaßsäulen werfen im Sturm ihre Plakate ab wie Bäume im Herbst ihr vertrocknetes Laub.

In der Schleswiger Straße und im Holweg haben die Sturmtiefs „Elon“ und „Felix“ die Absperrgitter rund um das Grundstück für die Neubauten des Gemeinnützigen Wohnungsunternehmens (GWU) teilweise aus der Verankerung gelöst und umgerissen. Die vielen alten Bäume in der Schleswiger Straße haben Äste und Zweige verloren, die auf der Fahrbahn und den Gehwegen landen. Auf dem Friedhof am Mühlenberg ist ein kräftiger Ast abgebrochen und auf den Gehweg gekracht.

Nachdem es am Freitagvormittag auf der Strecke Kiel - Flensburg zu Zugausfällen kam, weil zwischen Eckernförde und Sörup zwei Bäume auf das Gleis gestürzt waren (wir berichteten), teilte die Bahn am Wochenende mit, dass der Bahnverkehr wieder uneingeschränkt laufe. Mit Aufkommen von Sturmtief „Felix“ und Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern drosselte die Bahn am Sonnabend allerdings das Tempo der verkehrenden Regionalzüge auf 40 km/h, so dass Bahnreisende in Eckernförde auch am Sonnabend längere Wartezeiten in Kauf nehmen mussten.

Die Polizei verzeichnete am Sonnabend von 6 Uhr bis 16.30 Uhr für den Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Neumünster insgesamt 43 sturmbedingte Einsätze. Dabei entfielen 26 auf den Kreis Rendsburg Eckernförde. Ab 16 Uhr beruhigte sich die Einsatzsituation merklich, teilte die Polizei mit. Die meisten Einsätze bezogen sich auf umgestürzte Bäume, herabfallende Äste und Dachziegel sowie auf die Straße gewehte Gegenstände wie Altkleidercontainer, Bauzäune und Baustellenabsperrungen. „Menschen wurden zum Glück nicht verletzt und auch die Sachschäden hielten sich in Grenzen“, so die Polizei. Der Sonntag verlief vergleichsweise ruhig. Einsätze wurden trotz der vom Deutschen Wetterdienst ausgegebenen Unwetterwarnung bis gestern, 15 Uhr, nicht gemeldet.

In den nächsten Tagen soll der Wind weiter auf 7 Beaufort abnehmen.

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