FUSSBALL : FC St. Pauli erteilt dem ESV eine Lehrstunde

Für die einen gefährlich, für die anderen stimmungsvoll: Die Pauli-Fans zündeten zu Beginn der zweiten Hälfte auch ein bengalisches Feuer an.
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Für die einen gefährlich, für die anderen stimmungsvoll: Die Pauli-Fans zündeten zu Beginn der zweiten Hälfte auch ein bengalisches Feuer an.

In einem Fußball-Testspiel hat sich Zweitligist FC St. Pauli vor 1130 Zuschauern deutlich mit 15:0 (9:0) beim Verbandsligisten Eckernförder SV durchgesetzt. Hier nun alles zum Spiel und Stimmen der Beteiligten.

shz.de von
23. Juni 2014, 06:00 Uhr

Mit einer so deftigen Niederlage hatten die Fußballer des Eckernförder SV im Freundschaft-Heimspiel gegen den Zweitligisten FC St. Pauli wahrlich nicht gerechnet. „Eigentlich wollten wir einstellig bleiben, schließlich hatten wir die beste Abwehr der Verbandsliga Nord-Ost“, sagt ESV-Trainer Stefan Mackeprang. „Das hat aber irgendwie nicht so richtig geklappt.“ Am Ende gingen die Kiezkicker vor 1130 Zuschauern in der Arena am Bystedtredder mit einem, auch in der Höhe verdienten, 15:0 (9:0)-Sieg von Autogrammjägern umringt vom Platz. Während andere Profis in solchen Situationen den schnellstmöglichen Weg in die Kabine suchen, erfüllten die St. Paulianer geduldig jeden Wunsch nach einer Unterschrift oder einem gemeinsamen Foto. Damit füllten sie den Kultcharakter des Vereins auch entsprechend mit Leben.

Auf dem Platz verteilten die Gäste in ihren neuen, noch ohne Sponsor versehenen Trikots, allerdings kaum Geschenke. Nachdem die Eckernförder in den ersten zehn Minuten noch ordentlich dagegen und ihr Tor sauber halten konnten, brach es nach dem ersten Tor des Favoriten heftig über sie zusammen. Dieser erste Treffer der Gäste war eine Co-Produktion ihrer beiden besten Spieler. Der quirlige Neuzugang Michael Görlitz, der in der Jugend noch zusammen mit Thomas Müller und Holger Badstuber beim FC Bayern München gespielt hatte, flankte von der rechten Außenbahn in den Strafraum, von wo der vierfache Torschütze Florian Meyer den Ball unhaltbar für Eckernfördes Torhüter Tim Steingräber in die Maschen drosch. Danach rollte Angriff auf Angriff auf das Eckernförder Tor, in dem der starke Steingräber mit einigen Paraden einen zweistelligen Rückstand – zumindest bis zur Halbzeitpause – verhindern konnte. Die Gastgeber waren vom Tempo und der Handlungsschnelligkeit der St. Paulianer komplett überfordert und prüften FC-Torhüter Philipp Tschauner vor der Pause kein einziges Mal.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel etwas ausgeglichener, was auch daran lag, dass die Gäste komplett durch tauschten und auch der ESV fünf neue Spieler auf das Feld schickte. Während die Eckernförder sich die erste Halbzeit auf der Bank anschauten, durften sich die Gäste keineswegs ausruhen, sondern mussten fünf 1000-Meter-Läufe auf dem B-Platz absolvieren. Dies war ihnen im zweiten Spielabschnitt auch anzumerken, denn den großen Druck, den die erste Formation zeigte, konnten sie nicht mehr aufrecht erhalten. So kamen die Eckernförder jetzt auch zu einigen Möglichkeiten, wobei vor allem Eduard Moor auf der rechten Außenbahn für mächtig Schwung sorgte. In der 80. Minute bekam Eckernfördes Sven Braukmann mit einem Kurzeinsatz noch ein besonderes Geschenk zu seinem 40. Geburtstag. Der Ehrentreffer gelang aber auch ihm nicht.

Reaktionen

St. Paulis Trainer Roland Vrabec: „Die Spieler haben alle ein großes Engagement gezeigt. Allen war die Freude, nach den ersten Trainingseinheiten wieder ein Spiel bestreiten zu können, anzumerken. Auch die Neuzugänge haben mich überzeugt. Unsere Motivation ist deutlich größer als im Vorjahr. In der Defensive müssen wir aber stabiler werden. Besonders gefreut hat mich das gelungene Comeback von Dennis Daube nach einem Jahr.“

ESV-Coach Stefan Mackeprang: „Uns fehlte nach der langen Saison die nötige Frische. Trotzdem war es ein Super-Event, das allen einen riesigen Spaß bereitet hat.“

Manfred Medler, Technische Leiter des ESV: „Schade, dass nicht noch mehr Zuschauer gekommen sind. Ich fand es aber toll, dass St. Pauli hier nicht nur so larifari gespielt hat, sondern volles Tempo gegangen ist. Das hat mir imponiert. Wir wollen deshalb auch in Zukunft versuchen, immer mal wieder einen Bundesligisten an den Bystedtredder zu holen.“

ESV-Spieler Ken-Marvin Smit: „Wie der Görlitz seinen Turbo angezündet hat, puh, das war schon stark. Meine Muskeln brennen ganz schön.“

ESV-Spieler Sönke Matthiesen: „Ich merk’s von der Puste her. Vielleicht sollte ich doch endlich aufhören zu rauchen. Jetzt freue ich mich, wie alle, auf unsere zweiwöchige Sommerpause.“



Eckernförder SV: Steingräber – Medler, Ströh, Mettig, Lietz – Goos, , Gerlach, Kranz, Smit – Temirgan, Hindersmann – Eingewechselt: Jaron und Jannik Ewert, Schikorr, Matthiesen, Engelbrecht, Baukmann, Moor, Bamler, Eggers


FC St. Pauli (1. Hälfte): Tschauner – Nehrig, Sobiech, Ziereis, Buballa – Daube, Trybull – Görlitz, Maier – Nöthe, Verhoek.


FC St. Pauli (2. Hälfte): Heerwagen – Schachten, Thorandt, Gonther, Halstenberg – Kalla, Buchtmann – Rzatkowski, Kringe, Kurt – Thy.

SR: Siegmund (TuS Rotenhof)

Zuschauer: 1130

Tore: 4x Sebastian Meier (12., 15., 34., 41.), 2x John Verhoek (13., 33.), 2x Florian Kringe (49., 54.), 2x Lennart Thy (50., 81.), 2x Michael Görlitz (23., 31.), Lass Sobiech (21.), Orkan Kurt (74.), Jan-Philipp Kalla (78.)

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