Konzertreihe Eckernförde : Faszinierender Klavier-Abend

Shin-Heae Kang Foto: Fotoatelier braune
Shin-Heae Kang Foto: Fotoatelier braune

Shin-Heae Kang erntete Riesenbeifall / Werke aus der Romantik

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20. April 2013, 06:53 Uhr

Eckernförde | Wenn man sich die Frage stellt, worauf die große Beliebtheit der Konzertreihe Eckernförde zurückzuführen ist, liegen zwei Antworten nahe: Zum Einen ist es die hohe Qualität der musikalischen Darbietungen, zum Anderen der Abwechslungsreichtum der Konzerte von großer Orchestermusik bis hin zu Solodarbietungen. Beim jüngsten Konzertabend war die deutsch-koreanische Pianistin Shin-Heae Kang in der Stadthalle zu Gast. Sie wurde 1987 in Kiel geboren und hat bereits sehr früh Konzerte gegeben. Die Künstlerin bot ein Klavierprogramm mit Werken aus der Romantik, wobei Franz Schubert (1797 - 1828) auf den Übergang von Klassik zu Romantik einzuordnen ist.

Mit Schuberts "Wanderer-Fantasie" begann das Konzert; sie hat fast die Ausmaße eines Klavierkonzertes (25 Minuten), ist ausgesprochen virtuos gehalten und enthält viele bravouröse Effekte. Das zu Grunde liegende Thema, ist das Lied "Der Wanderer", das Schubert 1816 komponiert hatte. Sehnsucht und Welttrauer gipfeln in dem Satz "Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück".

Die hochtalentierte Pianistin begann kraftvoll und energisch, nahm die Wiederholung aber abgestuft. Ihr subtiler Anschlag konnte alle Feinheiten herausarbeiten; das leichtfüßige Presto zeigte deutlich die Eigenart der Künstlerin: die linke Hand besonders zu betonen, wie sie überhaupt die Unterstimmen klar hervorholte. Das Werk erklang virtuos und wurde überzeugend gestaltet - die Zuhörer waren begeistert.

Das Schumann-Lied "Widmung" erklang in einer Bearbeitung von Franz Liszt. Es war eine hübsche Einlage, die weich und einfühlsam vorgetragen wurde. Der Fazioli-Flügel konnte viel an Differenzierung verdeutlichen, was sich auch in dem folgenden Werk als sehr gut herausstellte: den 14 Variationen über ein Thema von Niccolo Paganini von Johannes Brahms (1833 - 1899). Die Spielart der Künstlerin zeigte deutlich, dass die Variationen vielfach gegensätzlich angelegt sind - die Pianistin holte alle von Brahms eingearbeiteten Feinheiten und Raffinessen heraus, wobei große Fingerfertigkeit und künstlerischer Einsatz stark gefordert waren. Die Künstlerin gestaltete das Werk sehr differenziert. Es waren kurze Variationen, bei denen das vorgestellte Thema gelegentlich hinter der Bearbeitung zurücktrat - die Pianistin zeigte das sehr deutlich - insgesamt eine großartige Leistung.

Ein weiteres umfangreiches Werk (35 Minuten) war die Fantasie in C-Dur, op. 17 von Robert Schumann (1810-1856); das Stück hat die interessanten Satzbezeichnungen Satz 1: "Durchaus phantastisch und leidenschaftlich vorzutragen"; Satz 2: "Mäßig: durchaus energisch"; Satz 3: "Langsam getragen: durchweg leise zu halten". Die ausgezeichneten dynamischen Abstufungen zwischen melodischen und akkordischen Passagen holte die Künstlerin bestens heraus - sie hielt sich weitgehend an die Schumannschen Vorgaben, brachte aber auch sehr persönliche Interpretationsphasen, mit denen sie ihr hervorragendes Spiel mit unterschiedlicher Farbgebung gestaltete. Der zweite Satz kam sehr rhythmisch und straff, zügig im Duktus; und besonders virtuos erklang der dritte Satz: weich und innig mit viel Emotion. Das Werk hinterließ einen tiefen Eindruck.

Bei der "Rhapsodie espagnole" von Franz Liszt (1811- 1886) stand die Virtuosität eindeutig vor dem musikalischen Gehalt. Das Stück wurde bestens gemeistert, wobei vor allem eine schlafwandlerische Treffsicherheit gefordert war - und makellos geboten wurde.

Der furiose Schluss führte zu einem Riesenbeifall, der als Zugabe eine Sonate von Domenico Scarlatti brachte, feinfühlig gestaltet.

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