Farbiges Glas verschönt Fenster und Fassaden

Fenster mit Eichhörnchen am Haus Michelsen, Fischerstraße.
1 von 4
Fenster mit Eichhörnchen am Haus Michelsen, Fischerstraße.

Im Stadtgebiet sind einige Werke begabter Glasermeister aus vergangener Zeit zu bewundern

von
30. März 2017, 16:05 Uhr

Farbiges Glas gibt es seit dem Mittelalter - wir alle kennen die wunderbaren Bildfenster gotischer Kirchen mit „Dreiblatt“ oder „Fischblase“ als Abschluss, etwa im Dom von Köln, Regensburg oder Münster. Die uns begeisternde Kleinteiligkeit hängt mit noch fehlender Technik zusammen – mittelalterliche Glasermeister hatten nur kleine Glaselemente zur Hand und setzten ihre Werke mit Hilfe von Blei und Holz zusammen. Eine Wiederkehr dieser Kunst ist in der Architektur der Neugotik zu finden, als man die aufwendig verzierten Backsteinbauten mit farbigen Glasfenstern schmückte.

Ein schönes Beispiel finden wir am sogenannten „Kreishaus“ am Mühlenberg, einst Amtssitz des Landrats. 1894 erbaut und 1913 von Freiherr von der Recke erweitert, zeigt der Bau zur Straßenseite hin drei „gotische“ Spitzbogenfenster mit abschließendem Rosen-Stern-Motiv. Gehen wir im Treppenhaus hinauf, fällt unser Blick auf die Rundöffnungen mit ihrem farbigen Glas.

Zu einem Gasthof gehört ein im Hausinneren erhaltenes Schmuckfenster, das vor tiefblauem Hintergrund drei Getreideähren zeigt. Es ist das „Kontorhaus“ in der Frau-Clara-Straße 15, 1737 von Post- und Bürgermeister Detlev Thamm als Amts- und Wohnsitz errichtet und im 19. Jahrhundert von Getreidehändler und Reeder Detlev Peter Bruhn ausgebaut. Mit erhaltenen Stuckdecken, Holzvertäfelungen, Türen und Terrazzoböden ist das „Kontorhaus“ eines der historisch bedeutsamsten Gebäude in Eckernförde. Dazu gehört auch das „Kornfester“ mit barock wirkender weißer Holzrahmung – es mag von Kaufmann Bruhn bestellt worden sein, geschaffen von einem Glasermeister und einem begabtem Maler.


Sechszackiger Braustern


Farbiges Glas finden wir auch am sogenannten „Braustern“, der einst im Giebel des Gasthofs „Stadt Hamburg“ eingesetzt war. Das Rundfenster besteht aus zwei ineinander verschränkten Dreiecken aus Holz und verschieden farbigem Glas. Sechszackige Brausterne waren seit dem Mittelalter Gasthäusern mit Braurecht zugeordnet, drei der Zacken sollen die Elemente Feuer, Wasser und Luft symbolisieren, die drei anderen die Bier-Bestandteile Wasser, Hopfen und Malz. Es heißt, dass die sehr zurückhaltende Farbigkeit des Glases im Dritten Reich gewählt wurde, um das Fenster nicht als Judenstern wirken zu lassen. Als „Stadt Kiel“ vor einigen Jahren abgerissen wurde, konnte der einzige Braustern der Ostseestadt Eckernförde für das Stadtmuseum gerettet werden.

Ganz im Stil historischer Kirchen-Glasfenster gestaltet ist ein über der Tür angebrachtes Glas am Haus Fischerstraße 12. Dargestellt ist ein Eichhörnchen mit großem buschigen Schwanz, gehalten in warmen Brauntönen. Die Hausbesitzer Kirsten und Eckhard Michelsen haben das Motiv um 1985 bei der Glaserei Schenk in Marienthal bestellt; Glasermeister Bodo Schenk hat die Form des Eckernförder Wahrzeichens einem Tierbuch entnommen und das Fenster in klassischem Stil gebaut, mit Bleiruten, die die Glasteile verbinden.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen