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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 20:29 Uhr

Ernteumzug : Farbenpracht und politische Töne

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Pommersche Landsmannschaft feiert mit Ernteumzug ihr 38. Erntefest in Eckernförde. Am Umzug durch die Stadt ist auch der Kreisbauernverband beteiligt. Er fordert das Ende der Diffamierung durch die Politiker.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Strahlender Sonnenschein, Männer, Frauen und Kinder in bunt leuchtenden Trachten, fröhliche Musik von Trommeln und Flöten, freundlich winkende Zuschauer in der Fußgängerzone – der Umzug der Pommerschen Landsmannschaft und des Kreisbauernverbandes Rendsburg-Eckernförde zum Erntefest war ein echter Hingucker.

20 Gespanne, Trecker mit fantasievoll geschmückten Wagen, wie einer Strohkuh mit einer ebenfalls aus Stroh hergestellten Melkersfrau mit dem typischen Kopftuch, einem Hänger, auf dem die Dreschtechnik früher und heute gezeigt wurde oder Wagen, die liebevoll geschmückt waren mit den landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Region, wie Kürbissen, Gurken, Getreidegarben, Strohklappen oder Maispflanzen, nahmen am Sonnabendvormittag an dem Umzug teil. Auch Trecker-Oldtimer und Pferdegespanne waren dabei. So bedankte sich der Vorsitzende der Pommerschen Landsmannschaft, Günter Müller, in seiner Begrüßungsrede denn auch bei allen Aktiven für ihren Einsatz zum Gelingen dieses Umzugs, der musikalisch begleitet wurde von dem Schützenbläserkorps Kappeln, den „Drums & Pipes“ aus Eckernförde und dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Ascheffel.

Zum 38. Mal feierten die Pommern in Eckernförde ihr Erntefest. Was als pommersches Erntefest begann habe sich zu einem Pommersch-Schleswig-Holsteinischen Erntefest entwickelt, so Müller, das sich durch die aktive Beteiligung des Kreisbauernverbandes Rendsburg-Eckernförde zu „dem“ Erntefest in Eckernförde entwickelt habe. „Der Umzug und das Fest werden in einer Stadt durchgeführt, um der Bevölkerung zu zeigen, wo unsere Ernährung herkommt, denn immer weniger Menschen haben direkten Bezug zum Einbringen der Ernte“, sagte Müller in seiner Ansprache auf dem Vorplatz der Stadthalle.

Bevor traditionell das amtierende Kronenbauernpaar, Renate und Hermann Schnoor aus Birkenmoor, verabschiedet und das neue Kronenbauernpaar, Carmen Kühl (28) und Jan Naeve (32) aus Osterby, durch den Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Rendsburg-Eckernförde, Klaus-Peter Lucht, in ihr Amt eingeführt wurden, brachte dieser die Politik ins Spiel und nutzte die Gelegenheit, sich scharf gegen die „Diffamierung der Landwirte“ durch Politiker, gerade in Zeiten vor einer Wahl, auszusprechen. „Wir können und wollen auch nicht mit Diffamierungen leben“, so Lucht. Den Landwirten von heute sei bewusst, dass durch ihre großen, modernen Maschinen eine Beeinträchtigung der Lebensqualität geschehen könne, aber das passiere beispielsweise auch durch die Ansiedlung von Gewerbegebieten. „Wenn wir beeinträchtigen, tun wir das so wenig wie möglich.“ Er plädierte für einen fairen Umgang von Politik und Landwirtschaft miteinander, „ohne die Ellenbogen zu benutzen“.

Nachdem das neue Kronenbauernpaar der pommerschen Tradition gemäß den „Alten Mann“, eine aus Garben gebundene Strohpuppe, erhalten hatte, übergab Lucht dem Paar die Erntekrone. Als „Spaß und Balsam für die Seele“ bezeichnete Jungbauer Naeve die diesjährige Ernte. Bei gutem Wetter habe man die Früchte, „auf die man ein ganzes Jahr aufpasst“, einfahren können. Naeve war nach eigenem Eingeständnis zum ersten Mal beim Ernteumzug dabei. Selbst er als junger Landwirt habe eine Entfremdung der Bauern von der Restbevölkerung feststellen müssen. Auch er sehe die Politiker für das schlechte Bild seines Berufsstandes in der Verantwortung: „Da wird in Wahlzeiten ein ganzer Berufsstand in den Dreck gezogen.“ Eine Imageverbesserung in der Öffentlichkeit sei daher dringend erforderlich – der Ernteumzug biete so eine Möglichkeit. Gezielt kritisierte Naeve Umwelt- und Landwirtschaftsminister Habeck. Dieser habe für sein neues Knickschutzgesetz noch nicht einmal ein Jahr benötigt, während es doch die Landwirtschaft gewesen sei, die vor Jahrhunderten bereits Knicks und deren Schutz auf den Weg gebracht habe. „Wir lassen uns nicht von oben herab in unser Handwerk pfuschen“, so der neue Kronenbauer.

Klänge von Jagdhornbläsern und den „Drums & Pipes“ sorgten für eine stimmungsvolle Umrahmung der Feierstunde auf dem Vorplatz. Die „Dansdeel Owschlag“ unter der Leitung von Tanja Nitt zeigte den pommerschen Tanz „Insterburger Viergespann“. Heimliche Stars waren aber die Mädchen und ein Junge der Kindertanzgruppe der Siedlergemeinschaft Owschlag unter der Leitung von Ursula Schein.

Beim anschließenden Kommers im Stadthallen-Restaurant überreichte Günter Müller die Erntekrone an Bürgermeister Jörg Sibbel. Dieser betonte das besondere Verhältnis der Stadt zu seinem Umland. Die stellvertretende Kreispräsidentin des Kreises, Gudrun Rempe, überbrachte Grüße des Kreises und lobte die Farbenprächtigkeit des Umzuges.

 

 

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