Familienunternehmen Behn : „Familienunternehmen übernehmen Verantwortung in der Region“

In der Abfüllanlage für große Flaschen werden Danzka Vodka-Flaschen befüllt. Die Aluminiumflaschen stammen aus Spanien, das Design aus Dänemark.
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In der Abfüllanlage für große Flaschen werden Danzka Vodka-Flaschen befüllt. Die Aluminiumflaschen stammen aus Spanien, das Design aus Dänemark.

Rüdiger Behn, Vorsitzender des Landesverbandes „Die Familienunternehmer“, äußert sich zum Thema Nachfolge. Der Verband übt massive Kritik am deutschen Erbschaftssteuerrecht.

shz.de von
14. Juni 2018, 06:09 Uhr

Als Rüdiger Behn in die Firma seines Vaters Harro eintritt, ist der Bankkaufmann und Betriebswirt gerade 27 Jahre alt. „Ich bin zu dem Zeitpunkt ungeplant hier angefangen“, verrät der 60-Jährige, der als Geschäftsführer gemeinsam mit seinem Bruder Waldemar (63) die Firma Behn in vierter Generation führt. Das frühe Eintreten sei einerseits zweckmäßig gewesen, da sein Vater sich aufgrund einer Erkrankung aus der Firma zurückzog, andererseits unzweckmäßig, da man nur in einem fremden Unternehmen lerne, geführt zu werden und zu führen. Mit drei Jahren sei seine Eingangsphase als Führungskraft der Firma relativ kurz gewesen. „Um ein Familienunternehmen an die nachfolgende Generation gut zu übergeben, braucht man rund acht Jahre“, erklärt Rüdiger Behn. Seit zwei Jahren ist der Eckernförder Landesvorsitzender des Verbandes „Die Familienunternehmen“. „Den Familienunternehmen ist es zu verdanken, dass die deutsche Wirtschaft im Vergleich zu anderen Ländern stabil ist“, sagt er. Der große Unterschied zu Dax-Unternehmen bestehe in der „unterschiedlichen Entscheidungsmentalität“ – „wir übernehmen Verantwortung in der Region und gegenüber den Familien unserer Mitarbeiter.“ 250 Angestellte, einige bereits in der zweiten Generation, sind bei Firma Behn beschäftigt – mit ihren Spirituosenmarken wie „Kleiner Feigling“, „Küstennebel“, Dooley’s Original Toffee Cream Liqueur“ oder „Danzka Vodka“ ist das Familienunternehmen, das 2017 sein 125-jähriges Jubiläum feierte, sowohl regional, national als auch international auf dem Markt vertreten. Wichtige Unterschiede zu Dax-Unternehmen stellen die Sicherstellung der Nachfolge und damit verbunden die Entrichtung einer Erbschaftssteuer dar. „Ein Generationenwechsel in einem Familienunternehmen birgt immer wirtschaftliche und innerfamiliäre Risiken“, erkärt Rüdiger Behn. Zum einen müsse eine gute Kommunikation und ein reger Austausch zwischen den Generationen herrschen, zum anderen bedeute die Erhebung der Erbschaftssteuer für die Firma ein en „potenziellen Abzug von Liquidität“. Seit Jahren protestieren die Verbände der Familienunternehmen deshalb gegen die Erhebung der Erbschaftssteuer. Er selbst bezeichnet das deutsche Erbschaftssteuerrecht als „politisch getrieben von Neid“. Um ein größeres Verständnis in der Bevölkerung für die Marktwirtschaft und das Unternehmertum zu wecken, fordert der Verband, bereits in den Schulen ein entsprechendes Fach Wirtschaft anzubieten. Die Klärung der Nachfolge in einem Familienunternehmen müsse von Emotionen befreit werden, sagt Ehefrau Margrit Behn, die seit 2013 gemeinsam mit zwei systemischen Beratern entsprechende Foren und Einzeltermine anbietet. „Eine Unternehmerfamilie ist wie ein Baum, der die Vergangenheit und die Zukunft in sich vereinigt.“ In Deutschland gebe es das große Problem, „dass wir gar nicht genug Nachfolger haben“, so Rüdiger Behn. Grund sei auch der demografische Wandel. „Wir stehen in Deutschland vor einem riesigen Wandel der unternehmerischen Struktur“, ist sich der Eckernförder sicher. Die Nachfolgefrage bei Behn selbst ist bereits geklärt. In den nächsten zehn Jahren wird ein fließender Wechsel stattfinden.

www.3-fuer-unternehmerfamilien.de

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