zur Navigation springen

Bürgermeisterwahl : Familienmensch mit Heimwerker-Qualitäten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Amtsinhaber und einzige Bürgermeisterkandidat Jörg Sibbel gibt Einblicke in sein Privatleben – inklusive Heimwerker-Demonstration.

So richtig zittern muss Jörg Sibbel am kommenden Sonntag wohl nicht. Seine Wiederwahl zum Bürgermeister ist so gut wie sicher, schließlich ist er der einzige Kandidat. Aber auch als dieser braucht er die Zustimmung der Bürger. Schließlich können sie auf dem Stimmzettel mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen.

Gezittert hat der 49-Jährige dagegen am vergangenen Sonntag – zusammen mit seiner Frau Thekla und seinem Sohn Bendix (17). Alle drei sind HSV-Fans. Das Abstiegsspiel gegen Greuther Fürth zehrte an den Nerven. „Das war kein würdiger Abschluss“, sagt Thekla Sibbel, die im Pressereferat der Stadt Kiel arbeitet. „Wir haben trotzdem mitgefiebert.“ Nur einer in der Runde war entspannt: Der ältere Sohn Thore (18) ist Bayern-München-Fan und schon seit März in Meister-Laune.

Die Familie ist sein Anker im stressigen Berufsalltag, sagt Jörg Sibbel. Hier lädt er seine Akkus wieder auf. Und weil seine Tage lang sind – oft kommt er erst um 21.30 Uhr nach Hause – genießt er die gemeinsamen Stunden umso mehr. „Ich habe nur selten mal ein Wochenende komplett frei“, sagt er ohne zu jammern. Seine Anwesenheit bei offiziellen Terminen gehört zu seinem Beruf dazu, auch an Sonntagen. Umso mehr schätzt er seine Freizeit, in der er gern mit seiner Frau, mit der er seit 21 Jahren verheiratet ist, spazieren geht oder Radtouren unternimmt. Und gern im Garten oder in seiner Werkstatt arbeitet. Dort lassen Stichsäge und Akkuschrauber das Handwerkerherz höher schlagen. Auch eine Tischbohrmaschine steht auf der Werkbank. „Zu bohren gibt es ja immer was“, sagt der gebürtige Lütjenwestedter. Ob er auch eine Handsäge hat? „Soll das ein Witz sein?“, fragt er und präsentiert sein Sortiment vom Fuchsschwanz bis zur Metallsäge. Besonders im Garten arbeitet er gern. „Die groben Arbeiten erledige ich, die Feinheiten meine Frau.“ Er gräbt und mäht den Rasen, seine Frau pflanzt Blumen und jätet das Unkraut.

Im Domsland hat die Familie nach seinem Amtsantritt im Jahr 2007 eine Heimat gefunden. Zuvor war er Bürgermeister in Osterrönfeld. „Hier fühlen wir uns sehr wohl“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt und schwärmt von der Ruhe am Stadtrand und der schönen Stadt mit Strand, Hafen und lebendigem Zentrum.

Für gewöhnlich kann er die Arbeit an der Haustür abstreifen. Wenn ihn ein Thema aber zu sehr beschäftigt, hilft meist ein langer Spaziergang mit seiner Frau, um wieder herunterzukommen. Bis vor zwei Jahren konnten die Eltern auch ihre Söhne noch für gemeinsame Radtouren begeistern, heute sind sie aus dem Alter raus. Das letzte Mal waren sie vor zwei Jahren dabei, als sich Jörg Sibbel zu Himmelfahrt – Vatertag – eine gemeinsame Radtour wünschte und daraus eine 70 Kilometer lange Reise wurde. Ganz bewusst haben sie sich aber mit ihren Freundinnen für den gemeinsamen Urlaub mit den Eltern an der italienischen Adria entschieden: Badeferien zu sechst.

Auch, wenn der Bürgermeister locker an die Wahl herangehen kann, merkt seine Familie eine leichte Anspannung. „Es ist mir wichtig zu wissen, wie meine Arbeit von den Bürgern bewertet wird“, sagt Jörg Sibbel. Mit einer hohen Wahlbeteiligung rechnet er nicht: „40 Prozent, vielleicht einen Tick weniger.“ Zu unspannend ist eine Wahl mit nur einem Kandidaten, zu wenig reißt die parallel laufende Europawahl die Leute vom Sofa.

Sibbel sieht seine Aufgabe als Bürgermeister darin, eine Verwaltung zu leiten, zwischen Parteien zu vermitteln und Kompromisslösungen aufzuzeigen. „Der Bürgermeister hat eine Scharnierfunktion zwischen Verwaltung und Politik, und er ist Ansprechpartner für die Bürger“, sagt er. Zu dominant dürfe ein Bürgermeister nicht sein, die Politik müsse freien Raum haben. Eigene Ideen einzubringen sei selbstverständlich: Viele politische Diskussionen und Entscheidungen seien aufgrund von Verwaltungsvorlagen zustande gekommen.

Ob er seinen Söhnen eine Verwaltungslaufbahn empfehlen würde? „Für mich war es die richtige Entscheidung“, antwortet er. Seine Söhne dagegen haben andere Vorstellungen. Nach dem Abitur will der eine ins Bankfach, der andere orientiert sich noch. Bei der Wahl am Sonntag werden sie aber mit ihrer Mutter und ihrem Vater in dessen Amtszimmer die Ergebnisse der Wahl abwarten – und vielleicht zur Belohnung doch nochmal auf eine gemeinsame Radtour gehen.

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 21.Mai.2014 | 05:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen